Kultplaces to be #3

Kultplaces to be #3Der Friedensengel

München ist teuer, man hört‘s und liest’s immer wieder. Weil’s stimmt. Aber es gibt Dinge, Orte und Momente in dieser Stadt, die kosten keinen Cent. Und sind trotzdem unbezahlbar.

An der Prinzregentenstraße, in knapp vierzig Metern Höhe, thront er über unsere Stadt – ein goldener Engel. Links einen Ölzweig in der Hand, rechts ein Abbild der Göttin Athene – Symbole für Kampf, Weisheit und Frieden. Denn als der Engel 1895 aufgestellt wird, ist der Deutsch-Französische Krieg genau 25 Jahre vorbei. So bedeutungsträchtig wie unser Friedensengel aussieht, ist er also auch. Aber das hier soll bloß keine Geschichtsstunde werden, keine Angst! Sondern eine Einladung. Denn auch wenn unsere Generation mit dem Privileg aufgewachsen ist, Krieg nur aus den Nachrichten zu kennen, gibt‘s für jeden von uns Tage, die fühlen sich in erster Linie wie eins an: ein Kampf.

Wer sich am Ende eines solchen Tages unter dem Engel niederlässt – vielleicht mit dem ein der anderen kühlen Hellen im Gepäck und ein paar guten Freunden – der wird merken, dass der Sockel dieses respekteinflößenden Denkmals zwar hoch ist, aber irgendwie auch verdammt gemütlich (Nicht zu verwechseln mit "bequem"... Darum der Tipp: wenn möglich 'ne Decke mitbringen, um den Po vor'm "Versteinern" zu bewahren). In solchen Momenten gibt der Engel einem gerne etwas ab von seinem Frieden. Der weite Blick auf die vielen Autos und Menschen, die sich ihren Weg im turbulenten Verkehr nach Hause bahnen, fühlt man sich plötzlich irgendwie erhaben. Ein Bisschen wie der Friedensengel selber, der sich das hektische Treiben einfach nur von oben anschaut, teilnahmslos. Ganz klar: der steht da drüber. Gegen das, was er schon gesehen hat, sehen meine kleinen Alltagskämpfe aus wie ein Witz. Also, entspann dich! Gesagt, getan. Und dann verschwinden sie tatsächlich, die blöden Gedanken. Zusammen mit den vielen Autolichtern am Ende der langen Prinzregentenstraße. Was bleibt ist der Gedanke: Mensch, was geht's uns eigentlich gut! 

In einer Bar hätte ich für dieses Gefühl heute vielleicht viel Geld lassen müssen.

Inner Peace

Für heute schwimmt der Strom da unten alleine weiter, ich bin raus. Ein Schluck Feierabendbier. Auf dem Vorplatz spielt ein Mann eine Melodie auf dem Klavier. Mein bester Kumpel macht einen Witz. Wir lachen. Und spätestens, wenn am Horizont goldgelb die Sonne untergeht – zu hell zum Hineinschauen, zu schön um wegzusehen - spätestens dann hat man ihn wieder, den eigenen Frieden. In einer Bar hätte ich für dieses Gefühl heute vielleicht viel Geld lassen müssen.

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.