Ob eine Kultkneipe eine wahre Institution ist, erkennt man daran, dass anlässlich ihrer Vertreibung die krasseste Bombe der Stadt gezündet wird. So kann man es zumindest bei der alten Schwabinger 7 sehen.

Als sie ihren alten Standort in der Feilitzschstaße 7 zugunsten hipper Geldsackarchitektur räumen musste, entbrannten sofort Proteste. Gentrification ist nicht nur zum Modewort geworden sondern auch zur krassen Realität in unserem schönen München. Das fällt natürlich hier noch viel mehr ins Gewicht als in einer Stadt, die hunderte Quadratmeter leerstehende Fläche zum Austoben bietet (Ja, wir meinen Berlin). Also machten sich hunderte Protestler auf die schöne Gammel-Ecke an der Münchner Freiheit zu retten. Ohne Erfolg.

Dem Mythos Schwabinger 7 hat es am Ende sogar noch geholfen:

  1. Eine für die geliebte Kneipe protestierende Menge. Soviel Markentreue lassen sich Konzerne Millionen kosten.
  2. Kurze Zeit später wird klar, dass man Jahrzehnte lang auf einer 20 Zentner Bombe gefeiert hat. Metapher-Level unendlich. Bombenstimmung halt.
  3. Die Schwasi lacht sich in die Faust, macht 40 Meter weiter wieder auf und geht so ab wie eh und je.

Vier Jahre später sind keine Wunden mehr sichtbar und es ist Bier über die Sache gewachsen. Die Schwasi beglückt wieder das Volk und zeigt, dass nicht alle Biomärkte mit Sojaangebot, die eine Kneipe vertreiben, böse sind. All dies und noch viel mehr, führt dazu, dass wir die Schwabinger 7 einfach lieben. Zum Feiern, zum Grölen, zum kultivierten Bierkonsum, zum Abstürzen und zum Theken-philosophieren. Schwabing ist nicht tot, Schwabing ist unzerstörbar!

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.