Im Weissen Rössl

Im Weissen RösslSo habt Ihr den musikalische Alpenspaß noch nie gesehen

Lust auf einen Kurztrip in die heile Welt? Dann ab ins Gärtnerplatztheater! Da gibt's nun den Sensationserfolg der 30er, das Singspiel „Im weißen Rössl“ - und das erstmals seit 80 Jahren in seiner Urfassung. Dort wurden alle Hebel des Entertainments in Gang gesetzt, damit Ihr Euch wie in einem Urlaubsabenteuer am Wolfgangsee fühlt.

Was ein Glück, dass irgendwer in Zagreb endlich mal seine Ablage gemacht hat. Da wurde es nämlich 2008 gefunden: Das seit dem 2. Weltkrieg verschollen geglaubte Original-Orchestermaterial. Und dazwischen behalf man sich eben mit eigenen Interpretationen. Wer beim „Rössl“ vor allem an Inszenierungen denkt, die mit schunkeliger Alpenfolklore durchtränkt sind oder an den dudeligen Heimatfilm mit Peter-Alexander – der wird nun überrascht sein. Der – nennen wir das Kind doch beim Namen: überbordende Alpenkitsch ist weg. Auch dank einer Jazzband und einem Zither-Trio gibt es nun mehr stilistische Vielfalt.

Die Handlung bleibt natürlich gleich: Der liebe Zahlkellner Leopold Brandmeyer vom Hotelgasthof „Weisses Rössl“ ist wahnsinnig verliebt in seine burschikose Chefin, die „Rössl“-Wirtin Josepha Vogelhuber. Die wiederum will von den Avancen ihres kleinen Angestellten nichts wissen, sondern erwartet schon sehnsüchtig die Ankunft des smarten Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler, der hat aber ein Auge auf..., die wiederum.. und so weiter. Durch die Ankunft anderer Gäste verheddert sich der Liebesknoten im Hotel weiter. Der Spoiler darf hier wohl erlaubt sein: Es findet sich letztendlich, wer sich finden soll – und alle sind glücklich.

Das galt wohl auch fürs Premierenpublikum am 12. Mai. Denn, wenn eine Vorstellung am Ende stehend beklatscht wird, dann heißt es wohl, dass die Erwartungen mindestens erfüllt wurden. Ein heiteres Singspiel, das weder Slapstick scheut noch den einen oder anderen Schenkelklopfer, effektvolle Tanznummern zwischen kauzigen Dialogen auffährt und alles mit äußerst professionell gesungenen Liedern garniert.

Die ganz leisen Töne und soften Graustufen waren an diesem Abend auch irgendwo – aber nicht hier. Aber das Rössl will ja auch nichts anderes sein, als ein kurzweiliges Theatervergnügen. Und wenn einem nach Urlaub ist – also, nach dem im zünftigen Gasthof vor sonnigem Bergpanorama und nicht im indischen Ashram, dann reicht der kurze Gang ins „Weiße Rössl“. Dicke!

Zum Abschluss ein paar Bewegtbild-Impressionen:

Henrike Hegner

Lebe Dein Ändern! Henrike hat es irgendwann aufgegeben, „nie“ zu sagen. Immer dann, wenn etwas unbekannt, irritierend oder anders ist, ist das Nordlicht mit vollem Herzen dabei – oft zu ihrer eigenen Überraschung. Feinste Künste und letzter Trash können sie gleichermaßen begeistern. Nervös wird sie nur, wenn die Flasche Cola nicht in Griffweite ist.