High Five e. V.

High Five e. V.München VEREINt #6: Kids eine Perspektive bieten

Viele von uns konnten in ihrer Kindheit das Privileg genießen, Sport im Verein zu treiben. Dabei haben wir erste Erfahrungen im Teamplay gesammelt, Freundschaften fürs Leben geschlossen und etwas über Durchhaltevermögen und Ziele gelernt. Doch die Realität zeigt: Nicht jedem steht diese Perspektive offen. Gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien entgeht häufig diese Möglichkeit, weil die finanziellen Mittel fehlen. Auch im wohlhabenden München. Der High Five e. V. möchte das ändern. Der Verein gibt Kindern und Jugendlichen die Chance, Skills fürs Skate- und Snowboarden zu erlernen – mit einem positiven Nebeneffekt.

Mit Freude dabei – Jan hat sein Hobby zum Beruf gemacht © Geheimtipp München

Wie aus Leidenschaft ein Beruf wurde

„Nach meinem Bachelor wollte ich etwas Cooles machen und suchte im Internet nach Praktika mit Skateboardbezug. Es gab genau einen Treffer: das war der High Five e. V.“, erzählt uns Jan, der bereits seit sechs Jahren bei diesem gemeinnützigen Verein tätig ist. Mittlerweile ist er als erfahrener Übungsleiter, neben drei weiteren, fest angestellt. Seine Leidenschaft zum Skateboarding zündete, im Vergleich zu den Kids, die er heute unterrichtet, relativ spät. Erst mit 13, wie er sagt, fand der Boardsport einen Platz in seinem Herzen. Doch in den vergangenen 16 Jahren hat er viel lernen können. Dieses Wissen gibt er nun den Kleinen an die Hand.

Die Nachfrage ist hoch: Viele Kids wollen das Skaten lernen © Geheimtipp München

Benachteiligten Kindern eine Perspektive bieten

Wir treffen Jan im Skatepark am Candidplatz. Niemand kennt den High Five e. V. so innig wie er. Gegründet wurde der Verein vor genau zehn Jahren. Damals schlossen sich Arbeitskollegen einer Sportmarketing-Agentur zusammen, um ihre Erfahrungen, den Wissensschatz und die Liebe zum Sport mit sozial benachteiligten Kindern zu teilen. Sie starteten mit einem wöchentlichen Kurs für Heimkinder, doch schnell wurde klar: Daraus muss etwas Langfristiges werden.

Das Skateboard verbindet © Geheimtipp München

Ein Muss – der richtige Schutz © Geheimtipp München

Das Skateboard: ein gutes Mittel zum Zweck

Der Verein geht aktiv auf Schulen, Kinderheime und pädagogische Förderungszentren zu, um Kids ab acht Jahren auf den Geschmack des Brettsports zu bringen. Darüber hinaus bieten Jan und seine Mitstreiter auch für soziale Einrichtungen Snowboardkurse für Kinder ab zwölf Jahren an. Die Hauptaufgabe des Vereins: pädagogische Werte vermitteln, einen sportlichen Ausgleich fördern und den Spaß an der Bewegung weitergeben, erzählt uns Jan. Eigentlich, so fährt er fort, sei das Skateboard ein gutes Mittel zum Zweck.

Das Workbook ist für die Kids wie eine Bibel, hier wird ihr Lernfortschritt sichtbar © Geheimtipp München

Level für Level: Als Belohnung können sich die Kleinen das Equipment ausleihen © Geheimtipp München

Rund 30 Ehrenamtliche mit Herzblut dabei

Unter der Woche finden bis zu 25 kostenlose Kurse auf vier unterschiedlichen Skateplätzen statt. Das wäre ohne die tatkräftige Unterstützung von rund 30 ehrenamtlichen HelferInnen nicht möglich, gesteht uns Jan. Der Verein finanziert sich unter anderem durch Spendengelder von Sportstiftungen, die den Nachwuchs nachhaltig unterstützen wollen. Kinder und Jugendliche, die sich fürs Skaten interessieren, können jederzeit zu den Kursterminen erscheinen. Wenn sie regelmäßig teilnehmen, erhalten die Kids ein eigenes Workbook, in dem sie ihre Erfolge anhand verschiedener Levels dokumentieren können. Sobald sie das zweite Level abgeschlossen haben, können sie sich über einen Leihmietvertrag das nötige Equipment ausleihen, denn Skaten ist teuer. Dadurch haben die Kleinen auch in ihrer Freizeit die Möglichkeit, ihre Skills zu trainieren.

Mit großen Augen: Die Kids wollen alles von den Übungsleitern wissen © Geheimtipp München

Skaten mit positivem Nebeneffekt

Wie wir raushören, finden die Kleinen die Tricks besonders beeindruckend. Durch Jan und die Crew bekommen sie die wichtigsten Erfahrungsschätze und Erfolgserlebnisse an die Hand. Diese üben sich auch positiv auf andere Lebensbereiche aus: Jan hat bereits die ein oder andere Erfolgsgeschichte persönlich miterlebt. Durch das gemeinsame Skaten oder Snowboarden schöpfen Jugendlichen häufig Kraft für die Zukunft. So zeigen viele Teilnehmer nach einer Weile eine größere Wertschätzung gegenüber der Schule und werden zielstrebiger bei Ausbildungsbewerbungen, weiß Jan zu berichten. 

Skaten prägt nachhaltig © Geheimtipp München

Das Credo: Wir machen das zusammen!

Dabei ist Lob das Wichtigste für die Kleinen – „Kein anderer Sport schöpft so schnelle Erfolgserlebnisse wie das Skateboarding. Denn du schaffst sie dir selbst“, erzählt uns Jan. Darüber hinaus spielt das Selbstvertrauen eine große Rolle. Die Kids gehen mutiger durch herausfordernde Situationen, so der Übungsleiter. Mit Empathie, Toleranz sowie dem Knüpfen von Freundschaften erlernen die Kinder und Jugendlichen wichtige Kompetenzen für das spätere Leben. 

Spaß an der Sache – für Jan das größte Geschenk. © Geheimtipp München

Ein Verein, der Kinderaugen strahlen lässt

Und das sehen wir, als einer der Kurse auf dem Candidplatz beginnt. Eine handvoll Kinder und Jugendliche, darunter einige Anfänger, bestaunen Jan mit großen Augen auf dem Board. Motiviert eifern sie ihm nach, während er ihnen neue Tricks zeigt. Fanta, von den Skatehoes, gibt unterdessen Hilfestellung für die Anfänger. Wir bemerken, wie der High Five e. V. den Kindern nicht nur eine Perspektive bietet, sondern auch ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Die Skatehoes

München VEREINt #5: Feminismus auf zwei Achsen

Bilder von Paul Harhausen für Geheimtipp München. 

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Paul Harhausen

Temporärer „Zuagroaßter“ - so würden wohl waschechte Münchener Paul bezeichnen. Auf der To-Do-Liste des eigentlichen Wahl-Weimarers und geborenen „Jong“ von der Waterkant stand schon immer, irgendwann mal in der südlichsten Großstadt Deutschlands zu leben. Die grandiose Lebensqualität, das beständige Wetter, aber auch die Sehnsucht zu den Bergen, das alles hat Paul nach München gelockt. Mit jedem Tritt in die Pedale seines Rennrads und den Blick auf die Isar gerichtet, spürt er nämlich genau das: Lebensqualität. Darauf ein Prosit!