Halle 2 – Das Gebrauchtwarenkaufhaus der Stadt München Unbändige Secondhandliebe auf 1000 qm

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Möbel, Geschirr, alte Kronleuchter, antike Kunst – bis hin zu skurrilem Krempel wie ein antikes Bidet aus dem 19. Jahrhundert aus England … Ihr kennt uns: Unsere Lieblingsbeschäftigung ist das Stöbern und Entdecken. Und am meisten Spaß macht es uns, wenn wir durch Vintage- und Secondhandwaren wühlen. Da gibt es nämlich immer richtige Schätze und gleichzeitig widmen wir uns auch noch den Themen Nachhaltigkeit und Co. Ein Ort, an dem wir das wunderbar machen können? Die Halle 2 in Pasing. Was sie so besonders macht und welche einzigartigen Geschichten uns der Leiter der Halle 2 während unseres Interviews erzählt? Lest weeeeeiter!

Aller Anfang ist … gar nicht so leicht

Als ältester Mitarbeiter hat Goran Djordjevic, heute Leiter der Halle 2, die Eröffnung des ersten Standortes im April 2001 in Giesing mitgemacht. Und auch am neuen Standort in Pasing, den es seit Oktober 2016 gibt, war er live dabei. Kein Wunder, dass er unsere Fragen so gut beantworten kann: „Am Anfang wurden wir alle ins kalte Wasser geschmissen. Wir kamen nicht aus der Branche und hatten mit dem Kern der Geschichte nicht viel am Hut“, verrät uns Goran über den Beginn des Gebrauchtwarenkaufhauses. Mit der Zeit seien aber tolle Ideen und Konzepte entstanden, die sich teilweise bis heute durchgesetzt haben. Welche das sind? Geduld, wir verraten’s euch …

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Goran ist schon seit über 20 Jahren in der Halle 2 dabei.
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Gibt’s nicht? Gibt’s nicht!

Während wir durch das Gebrauchtwarenkaufhaus schlendern, kommen wir aus dem Staunen gar nicht raus. Die Halle 2 – als Teil des Abfallwirtschaftsbetriebs München – bietet auf rund 1000 qm Verkaufsfläche gut erhaltene Secondhandwaren zu ziemlich günstigen Preisen. Die Produkte werden auf den zwölf Münchner Wertstoffhöfen gesammelt oder können direkt bei der Halle abgegeben werden. Alles läuft also ganz nach dem Motto: „Wiederverwenden statt verschwenden!“ Wir finden hier alles, was unser Secondhandherz begehrt – von Vintage-Möbeln, Geschirr und Fahrrädern zu Elektrogeräten, Kleidung und Spielwaren. Alle Produkte werden vor dem Verkauf geprüft und garantieren damit Funktionalität für sechs Monate. Und jetzt ratet mal, wie oft die Halle 2 neue Ware bekommt. Nein, keine Idee? Wir müssen sagen, mit unserer Schätzung „einmal pro Woche“ haben wir auch weit danebengelegen. Tatsächlich kommen täglich ein bis zwei Container von den Wertstoffhöfen in der Halle 2 an. Ist das nicht der Wahnsinn? 

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Ihr wollt selbst Sachen in der Halle 2 abgeben? Auf diese Kriterien solltet ihr achten!

  • Schaut, dass eure Artikel noch gut erhalten und hygienisch unbedenklich sind.
  • Bringt bitte nur funktionsfähige Sachen und Elektrogeräte inklusive Zubehör.
  • Porzellan, Glas und Keramik sollten komplett unbeschädigt sein.
  • Bei Möbeln und Co. gilt: kompakt und unzerlegt  (nur mit kleinen Fehlern/leicht reparierbar).

Fragt euch am besten immer, ob ihr den Artikel auch noch guten Freund*innen schenken würdet. Denn dann ist es auch für die Halle 2 etwas. Die Beurteilung, was für den Verkauf dann wirklich geeignet ist, erfolgt schlussendlich durch das Personal des AWM.

Non-Profit for the profit

Die Halle 2 steht rundum für Nachhaltigkeit ­– ökologisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich.  Die gesammelten Waren werden so schnell wie möglich zum Verkauf bereitgestellt, um sie in Gebrauch zu halten. Zero Waste lautet das Ideal. Die Artikel sind relativ günstig, somit bietet die Halle 2 eine Einkaufsmöglichkeit für jeden. Und gleichzeitig entsteht dabei auch ein Ort des Zusammenkommens und der Begegnung. Letztlich, erklärt uns der Leiter, kommen gewonnene Überschüsse des Non-Profit-Betriebs den Münchner*innen wieder zugute: Die Halle 2 verfolgt das Ziel der Kostendeckung. Bedeutet, dass die erwirtschafteten Überschüsse in den Gebührenhaushalt fließen und so helfen, die Abfallgebühren zu stabilisieren. Klingt nach einer echten Win-Win-Win-Geschichte, die alle glücklich macht, finden wir.

Persönliche Geschichten sind die Besten

„In über 20 Jahren ist viel passiert, es hat sich viel verändert“, meint Goran und plaudert weiter aus dem Nähkästchen: Am Anfang hätte es einen riesigen Run gegeben, gerade von vielen osteuropäischen Händlern. „Da gab es mal einen Kunden, der einen handgeschriebenen Zettel dabei hatte, auf dem Halle 2 stand. Der Mann kam aus Aserbaidschan. In unserem Gespräch habe ich dann herausgefunden, dass er nach München gekommen war, um sich erstens ein neues Auto zu kaufen und sich zweitens, auf Empfehlung, extra in der Halle 2 mit Möbeln und Co. einzudecken, um dann wieder zurückzufahren.“ Und es hätten auch schon viele vor der Halle 2 mit Sprintern und LKWs eine ganze Woche lang campiert. „Das sind schon besondere Geschichten. Einige Kunden kommen noch heute zu Besuch – nicht um etwas zukaufen, nur noch zum „Hallo“ zu sagen. Man hat eben eine persönliche Beziehung aufgebaut.“ Wir finden, damit liefert Goran selbst ein wunderbares Schlusswort für diesen Artikel. Mit großer Neugier durchsuchen wir die Halle 2 nochmal nach einem neuen Lieblingsstück – eine wunderbar große Teetasse – und machen uns vergnügt wieder zurück an den Schreibtisch, um aus ihr beim Schreiben dieses Beitrags heiße Minze zu trinken. Halle 2, wir sehen uns auf jeden Fall wieder!

Immer samstags um 11 Uhr werden ausgewählte Teile versteigert: ein Event für Groß und Klein, denn es gibt immer einen ganz besonderen Mix aus den gesammelten Waren. Auf der AWM Homepage könnt ihr euch davor die Bilder der Produkte mit Beschreibung und Startgebot anschauen.

  • seit Oktober 2006 in Pasing
  • 1000 qm Verkaufsfläche
  • Rund 500 Tonnen Ware werden derzeit jährlich in der Halle 2 zurück in den Kreislauf gebracht. Durch den Kauf dieser gebrauchten anstatt neuen Dinge werden rund 2.800 Tonnen CO2 eingespart.
  • tägliche Warenlieferung in Form von Containern mit einem Volumen von 35 Kubikmetern

Wenn ihr Glück habt, findet ihr manchmal auch besonders interessante Gegenstände, bei denen selbst das Halle 2-Team lange recherchieren muss, um sie zu erkennen. Zum Beispiel sowas wie ein antikes Bidet aus dem 19. Jahrhundert aus England.