GUT WAHR SCHÖN in der Kunsthalle

GUT WAHR SCHÖN in der KunsthallePopkultur vergangener Jahrhunderte

Stellt Euch vor: Es gibt eine Kunstausstellung und eine Millionen Menschen pilgern dort hin. Das passierte nicht nur in eurer Phantasie, sondern auch Mitte des 19. Jahrhunderts im Pariser Salon. Und nun sind manche dieser begehrten Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d' Orsay extra nach München gereist, um von euch in der Kunsthalle bestaunt zu werden.

Wer früher zu Ruhm, Ehre und Kohle kommen wollte, der wurde Künstler! Denn, wenn es ein Werk in den Pariser Salon schaffte, war man plötzlich Popstar im 19. Jahrhundert. Die dort ausgestellten Werke erzielten absolute Spitzenpreise, die Ausstellung war eine überfüllte Massenveranstaltung, in der sich Handwerker, Hochadlige und Kammerzofen gegenseitig die Füße platt traten. Und hätte es schon eine schwedische Möbelkette gegeben – sie hätte neben Teelichtern auch billige Replikate der ausgestellten Werke verschachtert – denn die waren bei der breiten Bevölkerung auch als Wohnungsdeko äußerst beliebt.

Aber der Pariser Salon? Sind das nicht diese verzuckerten Engelsgemälde? Wie Patex klebt das am Image dieser Ausstellung. Und richtig! Die gibt es - auch jetzt in München zu sehen. Aber: Diese Ausstellung fand von 1667 an regelmäßig statt, mehr als 5000 Künstler zeigten teilweise über 7000 Werke. Da muss es doch mehr gegeben haben!... Gab es auch! Und die Kunsthalle München zeigt einen straffen Auszug aus der riesigen Bandbreite, die im Pariser Salon geboten wurde. So sind kernig-düstere Bilder der einfachen Bevölkerung auch zu sehen.

GUT WAHR SCHÖN – Der Ausstellungstitel verrät es schon: Der Pariser Salon war eben nicht unbedingt dafür bekannt, dass es hier künstlerisch besonders krawallig und avantgardistisch zuging. Das passierte eher im parallel stattfindenden Salon des Refusés, wo Künstler ihre Werke zeigten, die die Jury des Pariser Salons abgelehnt hatte. Aber auch das verdeutlicht, wie übermächtig er einst für den Kunstbetrieb war.

Er begeisterte eben Massen für Kunst. Die Werke sind nicht abstrakt, sondern sehr zugänglich. Kein Ausstellungsbesucher trippelt mit dem unguten Gefühl vor einem Bild herum, irgendwas hier so gar nicht zu verstehen. Die Exponate sind handwerklich beeindruckend, stimmungsvoll und schön anzusehen. Und wenn man an seine eigenen krüppeligen Apfelbilder im Kunstunterricht denkt, dann kann man sich auch vorstellen, warum diese Künstler einst sowas wie gefeierte Popstars waren.

Pics by Susanne Oellbrunner & Henrike Hegner.

Henrike Hegner

Lebe Dein Ändern! Henrike hat es irgendwann aufgegeben, „nie“ zu sagen. Immer dann, wenn etwas unbekannt, irritierend oder anders ist, ist das Nordlicht mit vollem Herzen dabei – oft zu ihrer eigenen Überraschung. Feinste Künste und letzter Trash können sie gleichermaßen begeistern. Nervös wird sie nur, wenn die Flasche Cola nicht in Griffweite ist.