Gärtnerplatztheater

GärtnerplatztheaterGlitzer, Glamour und ganz viel Liebe

"Wenn man das Leben durch's Champagnerglas betrachtet" ...dann entfaltet sich nicht nur die Wirkung der schaulustigen Welt der Meta-Operette „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán am besten. Den Tipp des ungarischen Komponisten kann man sehr wohl auch bei allen weiteren bezaubernden Darbietungen im endlich fertig renovierten Gärtnerplatztheater befolgen. 

19.00 Uhr: der Kulturabend kann beginnen. Im neu sanierten Gärtnerplatztheater versammelt sich der alte und junge Schick. Die besagten Champagnergläser klirren aneinander, während Neuankömmlinge ihre schweren Wintermäntel oder auch das ein oder andere an Weihnachten erhaltene Spielzeug an der Garderobe abgeben. Herausgeputzte Damen und Herren unterhalten sich bei Macarons und anderen leckeren Häppchen über die vergangenen Feiertage in der wunderschönen, mit Lüstern ausgestatteten Empfangshalle im ersten Stock. Der in smaragdgrün gehaltene, mit Wandmalereien versehene Raum mit hohen Decken strahlt eine märchenhafte und festive Atmosphäre aus. Allesamt sind die Besucher ganz herrlich adrett angezogen. Ich habe den Eindruck, sogar eleganter und auch ein wenig exzentrischer als in unserer lieben Bayerischen Staatsoper. 

Nach einem Gläschen Bellini nehmen wir unsere wunderbar gepolsterten Plätze auf der Parkettebene ein. Die Sicht ist perfekt! Und hier ist auch schon eine Menge los. Zwischen all den sich langsam einfindenden Besuchern tanzen bereits einige Clowns durch die „Manege“, führen Kunststücke auf und bringen staunende Kinderaugen zum leuchten (Ok auch meine). Die Atmosphäre ist magisch. Der rote pompöse, aber dennoch sehr gemütliche Saal, ist bis auf den letzten Platz gefüllt. 

Die Show kann beginnen. Es geht los. Die Kulisse ist bunt, fast schon kitschig. So wie es sich für einen Zirkus gehört. Wo die Bühne aufhört und wo sie anfängt, ist nicht mehr wahrzunehmen. Das dargestellte Zirkuszelt geht in den Zuschauerraum über. Wir sind nicht nur die Zuschauer des Theaterstückes, sondern zugleich Teil desselben als Zuschauer des Zirkus Stanislawski. Die Sänger und Tänzer nutzen immer wieder die Eingangstüren, durch die wir eben noch geschlendert sind. 

„Mädel gib acht, wenn der Mond ins Zimmer lacht. Heut droht Gefahr, ´s kommt der Husar, packt dich mit starken Armen, der Husar kennt kein Erbarmen“

Husarengesang

Uraufführung am 26. März 1926 im Theater in Wien, Premiere am 19.07.2014 im Circus Krone, Spielzeitpremiere am 29.12.2017 im neuen Gärtnerplatztheater: "Die Zirkusprinzessin" handelt von zweieinhalb Liebesgeschichten. Die aus Paris stammende, wunderschöne und sehr stolze Fürstin Palinska muss sich auf Anweisung des Zaren wieder verheiraten. Sie wird von mehreren Offizieren, darunter auch von Prinz Sergius Wladimir, umgarnt. Allerdings interessiert sie sich mehr für den stets maskierten Mister X, einen Zirkusartisten und Steckenpferd des vorbenannten St. Petersburger Zirkus. Auch der junge Schlumberger, Sohn einer Wiener Hotelbesitzerin und hervorragend das erste Mal gespielt von Maximilian Mayer, verliebt sich unsterblich in die toughe Hundedresseurin Miss Mabel Gibson, welche ebenfalls im Zirkus Stanislawski arbeitet. Sie will aber erst geheiratet werden, bevor er sie mit seiner Liebe bezirzt. Außerdem offenbart die Hotelbesitzerin Schlumberger zuletzt eine gewisse Liebe zu ihrem treuen und langjährigen Oberkellner Pelikan. Die Figur ist an Lina Schöner, „Herrscherin“ über ein Gastronomie-Imperium nach dem Ersten Weltkrieg, bestehend aus einer Vielzahl von Hotels und Cafés in Wien, angelehnt. Alle drei Frauen stellen starke Persönlichkeiten dar. Die Botschaft lautet: „Mädel gib acht, wenn der Mond ins Zimmer lacht. Heut droht Gefahr, ´s kommt der Husar, packt dich mit starken Armen, der Husar kennt kein Erbarmen“. Im Husarenmarsch des zweiten Aktes wird einerseits die Emotionslosigkeit der Kriegsmentalität angeprangert. Andererseits zeigt er auf, wie die Frau als Spielball männlicher Begierden degradiert wird. 

Die Aufführung ist schräg, besonders, einzigartig. Das Spektakel dauert mit einer halbstündigen Pause ca. 2,5 Stunden. Berauscht von den Farben, dem Gesang und der viel besungenen Liebe trotz aller Hindernisse trete ich den Heimweg an. Ich nehme mir vor, dass Gärtnerplatztheater ab jetzt für mehr Glitzer, Glamour und Husarengesang in meinem Leben jedenfalls bald wieder zu besuchen und das nächste Mal auf jeden Fall den Champagnerglastrick zu probieren. Prösterchen!

  Fotos by Thomas Dashuber

Andrea Schwaiger

Kapstadt und Tel Aviv haben der Münchnerin schöne Augen gemacht - trotzdem liebt Andrea ihre Heimatstadt einfach am meisten. Als Juristin geht sie den Sachen gerne auf den Grund - neben dem Gesetzbuch aber am liebsten den schönen Seiten des Lebens. Dabei fühlt sich Andrea im kleinen Imbiss um die Ecke ebenso dahoam wie im piekfeinen Gourmetrestaurant.