Fünf schöne Radltouren in und um München

Fünf schöne Radltouren in und um MünchenFür Familien mit Kids, Gemütlichtreter und Actionseeker

Dass München eine sportliche Stadt ist, sehen wir an den vielen Joggern im Olympiapark, Yoga-Sessions im Englischen Garten oder an unseren ziemlich fitten Surfern am Eisbach. Sobald die Sonne rauskommt, zieht es uns nach draußen und das hat uns vor allem in Lockdown-Zeiten ordentlich dabei geholfen nicht durchzudrehen. Vor allem der gute alte Drahtesel bekam endlich die Wertschätzung, die er verdient hat. Wie sagt man so schön: Kommt Zeit, kommt Rad! Der ist nun also frisch auf Zack, geölt wie der Blitz, zudem steht der Sommer in den Startlöchern und darum haben wir euch mal zusammen mit dem Münchner Allgemeinen Deutschen Fahrradclub - dem ADFC - fünf empfehlenswerte Routen zusammengetragen. In und um München und für ganz unterschiedliche Rad-Typen. Vom gemütlichen Radlausflug mit Kids bis hin zum sportlichen Gran Fondo für die King of Mountains ist alles dabei. Los geht's!

Radeln mit Kids: Auf den Spuren von Räuber Kneißl

Der neue Räuber Kneißl Radweg bietet Abenteuer und Erholung für Groß und Klein © Geheimtipp München

Kennt ihr die Geschichte des berüchtigten Räuber Kneißl? Falls nicht, empfiehlt sich dafür der nagelneue Radweg im Nordwesten von München. Ein echter Geheimtipp für Familien. Denn hier lassen sich lokale Geschichte eines wahren Halunken mit einer Entdeckungstour per Radl perfekt kombinieren. Ende April dieses Jahres eröffnete der insgesamt 110 kilometerlange Räuber-Kneißl-Radweg, der sich aus vier Abschnitten zusammensetzt. Wir haben uns für den ersten Etappenabschnitt mit einer Distanz von 30 Kilometern durchs Dachauer Moos entschieden. Die Tour beginnt in Karlsfeld, wo ihr übrigens auch entspannt mit der S-Bahn hinkommt. Die zweitgrößte Gemeinde im Dachauer Landkreis schmückt sich unter anderem mit der ein oder anderen Sehenswürdigkeit, darunter die 1899 erbaute Ludlkapelle oder der im Grünen gelegene Karlsfelder See. Am Rand von Allach-Untermenzing entlang, radeln wir weiter nach Gröbenzell und treffen auf ein Eldorado voller Blühwiesen, Grüninseln und Birkenwälder. Genau der richtige Ort für eine Verschnaufpause oder ein Picknick am Kneißl Rastplatz. Unsere Beine kühlen wir im kalten Gröbenbach ab. Dort gibt es nämlich extra eine Kneipanlage – Wellness und Spa in direkter Natur all inclusive. Nach der Erholung auf halber Strecke geht es nordwestlich weiter zurück nach Karlsfeld. Zum krönenden Abschluss springen wir zur Erfrischung in den malerischen Waldschwaigsee und genießen ein wohlverdientes Eis vom Kiosk. Bevor wir es vergessen: Für den Radweg wurde sogar ein Audio-Guide entwickelt, den ihr auf der Website des Radwegs runterladen könnt. Somit wird die Radtour zu einem echten Abenteuer für Groß und Klein.

Forza! 100K Giro mit dem Renner gen Süden

Stylisch-Sportlich: Rennradfahren ist eigentlich schon ein Lifestyle an sich und den Giro-Flair aus Italien findet man auch hier © Geheimtipp München

Radsporttechnisch ist München schon sehr gut ausgestattet. Das könnte vor allem an der mannigfaltigen Umgebung liegen. Denn hier trifft flache Heide auf hügeliges Voralpenland und ist für das Training auf dem Renner genau die richtige Kombination. Um auch beides in einer Tour zu beanspruchen, legen wir euch dieses Rennradtouren-Schmankerl ans Herz. Egal ob absoluter Beginner oder Rad-Profi - das Giro gen Ammer- und Starnberger See ist für Jedermann geeignet. Individuell startet die Tour in München und führt am Nymphenburger Schlosspark entlang ins ruhige Vorstadtleben Pasings, wo durch geringen Autoverkehr dem schnellen Sprint nichts im Wege steht. Sobald uns die Münchner Stadtgrenze im Windschatten liegt, geht es südwestlich raus nach Germering. Nicht zu volle Straßen und gut asphaltierte Radwege geben den perfekten Untergrund. Vorbei am Gelände des Deutschen Zentrums für Luftfahrt geht es mäßig und ebenerdig weiter Richtung Ammersee. Entlang der Bundesstraße hat man später einen paradiesischen Blick auf weite Felder, die Alpen sowie Ammer- und Pilsensee. Da muss man erstmal aus den Pedalen klicken, um diesen Blick zu genießen. Die Seen laden übrigens perfekt für eine kurze Riegelpause ein, insbesondere in Herrsching kommt euch der Stop auf halber Strecke gut gelegen. Aber bloß nicht zu lange, denn nun geht’s ans Eingemachte. Der erste Anstieg mit fast 720 Höhenmetern steht bevor. Für uns geht es bergauf nach Andechs. Die Belohnung ist ein weiter Blick auf die Bergspitzen. Gerade bei klarem blauem Himmel, kommen sie einem unfassbar nah vor. Aprospos: Wer sein alkoholfreies, isotonisches Weizen vorziehen möchte, findet beim Kloster Andechs die passende Gelegenheit. Für die, die durchziehen geht es weiter nach Feldafing am Starnberger See. Entlang am Ufer des großen Teichs geht es weiter nördlich nach Starnberg. Wieder angekommen im Flachen ist es Zeit für ein paar Intervalle im Umland der Isar. Geschlängelte Serpentinen, die einem sowohl Bergauf und Bergab das Adrenalin in die Adern pumpen, umrunden den viertgrößten Fluss unseres Bundeslandes. In Oberhaching geht es mit der Nase Richtung München. Auf dem wohl beliebtesten Radweg Münchens im Perlacher Forst könnt ihr nochmal ins große Blatt schalten und so richtig Gas geben. So wird die Einfahrt nach Giesing vergleichbar mit der Zieleinfahrt der Tour de France auf der Avenue des Champs-Élysées. Naja, ein kleines bisschen vielleicht.

Schlemmertour für Genießer: die Isar stromabwärts

Das Tolle am Radfahren? Eine Sportart, die es erlaubt, zwischendurch zu essen © Geheimtipp München

Es muss nicht alles schwer sein im Leben! Wer Lust auf eine leichte, aber dennoch längere Radtour mit dem Trekking-Rad haben sollte, ist mit einer Tour durchs Isartal und den Englischen Garten sehr gut aufgehoben. Denn dieser Tourentipp verbindet traumhafte Landschaften mit buntem Stadttreiben. Da dies keine Rundtour ist, raten wir euch mit der S-Bahn anzureisen. Sonst werden aus den geplanten 50, mal eben anspruchsvolle 100 Kilometer. Startpunkt unserer Radtour ist Wolfratshausen von dort aus führen einem nach Überquerung der Isar gelbe Wegweiser Richtung München. Wenn schon jetzt der Magen knurrt, empfehlen wir euch hier einen Stop-over im Gasthaus „Aujäger“. Denn mit leerem Magen fährt es sich bekanntlich gar nicht gut. Nach Spezi mit Obazda und einer Brezen im idyllischen Biergarten kann es für uns gestärkt weitergehen. Jetzt fahren wir durch das Naturschutzgebiet Pupplinger Au bis zum Isarwerkkanal. Da Fahrradfahren unzählig Kalorien verbrennt, wäre es doch mal wieder Zeit für eine Rast, oder? In Aumühlen kommt unser Geheimtipp ins Spiel: Im gleichnamigen Gasthof kann man sich zuchteigene Forellen und Saiblinge schmecken lassen. Wer noch von Obazda und Brezen mehr als gesättigt ist, für den lohnt sich ein Abstecher zum weltbekannten Kloster Schäftlarn mit der dazugehörigen Klosterkirche, dem Prälatengarten und dem Bräustüberl.
Gemütlich cruisen wir weiter abwärts des Isarwerkkanals Richtung Grünwald. Mit Blick auf die Wegweiser nach München radeln wir ins Isartal und unterqueren die Großhesseloher Brücke - die übrigens zu ihrer Eröffnung 1857 - die größte Eisenbahnbrücke der Welt zählte. Mit der Nase Richtung Flaucher zieht es uns weiter in die Münchner City - entlang an den Münchner Sehenswürdigkeiten wie dem Deutschen Museum und Maximilianeum. Auf Höhe der Luitpoldbrücke geht es über diese in den Westen Münchens bis wir auf die grüne Lunge der Stadt treffen. Der Hauptweg führt uns entlang am Chinesischen Turm in den nördlichen Part des Parks. Am Ende des Englischen Gartens liegt der beliebte Aumeister Biergarten. Und da Pausen mehr als wichtig sind, gibt es hier das krönende Noargerl mit Leberkäs. Auch wenn sich die Tour langsam dem Ende neigt. Das letzte Stück – mit herrlichem Isar-Blick - führt uns nach Garching, wo die Tour am U-Bahnhof endet. Von hier geht es nach einer ordentlichen Strecke für euch mit der Bahn entspannt nach Hause.

Downhill & Off-Road im Alpenvorland

Für Mountainbiker ist das hügelige Alpenvorland ein wahres Downhill-Eldorado © Geheimtipp München

Das schnelle Rauskommen aus der Stadt und die Nähe zu den Bergen geben den perfekten Anlass, dass Mountainbiking anzufangen. Gerade die Isar-Trails sind für den bekennenden Mountainbiker ein Begriff. Wer aber eher das Bedürfnis hat, dem Mainstream an der Isar zu entkommen, der ist im Alpenvorland wohl besser aufgehoben. Auch MTB-Einsteiger kommen hier auf ihre Kosten und können in Ruhe trainieren. Unser Startpunkt ist wieder good old Wolfratshausen. Von dort aus, treten wir auf dem Isarradweg bis nach Osterhofen in die Pedalen. Yeah, endlich Off-road geht es für uns in das Hochmoor Königsdorfer Filzen weiter nach Rothenrain. Dort befindet sich das Café Bolzmacher, das mit seiner gemütlichen Terrasse ein super Ort für die erste Rast ist. Der Familienbetrieb mit eigenem Bauernhof bietet genüssliche Torten und herzhafte Brotzeitplatten mit regionalen Produkten an. Etwas für wahre Genießer. Doch wer rastet, der kann bekanntlich auch ganz schnell rosten! Somit folgt für uns ein anstrengender Anstieg zum idyllischen Peterbachtälchen, wo es dann am Bach entlang bergab geht. Unten angekommen zieht es uns weiter Richtung Tölzer Golfclub, wo ein ordentlicher Anstieg auf uns wartet. Aber hartes Leid wird schnell belohnt, denn die Aussicht lohnt sich. Und dort wo es bergauf geht, geht es auch wieder bergab – in diesem Fall sogar sehr rasant. Auf Höhe der Antoniuskapelle geht es für uns nach Schönrain über Bach, Oberbuchen und dem Unterbuchener Weiher. Wer sich auch hier an einem hitzigen Sommertag verausgabt hat, kann sich dort drin erfrischen und die Beine etwas abkühlen, bevor es weiter nach Mooseurach geht. Übrigens: In dem Ortsteil von Königsdorf gibt es für euch viel zu entdecken, zum Beispiel zeigen dort Kreative ihre Arbeiten in ihren Künstlerateliers. Wir haben es fast geschafft, über Hofstätt und dem Loisachkanal geht es für uns langsam zurück zum Ausgangspunkt Wolfratshausen. Und da nach einer verausgabten Mountainbike-Tour das obligatorische Recovery natürlich nicht fehlen darf, erwartet uns im Gasthof Flößerei direkt an der Loisach deftige Hausmannskost. Ein krönender Abschluss nach einem actionreichen Abenteuer im Voralpenland.

Für Unentschlossene: Stadt meets Wälder

Lichtspendende Sonne und kühler Schatten machen das Radeln gleich viel angenehmer. © Geheimtipp München

Einen haben wir noch! Denn dann haben wir alle Himmelsrichtungen Münchens abgedeckt. Und bei dieser Tour rufen die Wälder. Gerade bei hitzigen Sommertemperaturen kann so ein schattenspendender Wald echt guttun. Und auch eine ebenerdige Tour mit nicht vielen Steigungen kommt uns gerade recht. Das Schöne dabei: diese Tour kann zentraler nicht beginnen! Startpunkt ist der Marienplatz im Herzen von München und die Tour führt uns durchgehend am bekannten Panoramaweg entlang. Somit ist die Gefahr sich zu Verfahren schon mal äußerst gering. Zurück zum Marienplatz, wo es für uns östlich durch das Tor des alten Rathauses in Richtung Isartor geht. Von dort radeln wir zur Isar, wo das Deutsche Museum direkt vor unserer Nase liegt. Auf der Preysingstraße geht es durch den zentralen Stadtteil Haidhausen, dass außerdem im Münchner Volksmund auch Franzosenviertel genannt wird, weiter zum Ostbahnhof. Auf der anderen Seite der Gleise liegt das größte Partygelände Europas, die Kultfabrik an der wir weiterdurch den Stadtteil Berg am Laim nach Trudering radeln. Ab jetzt lassen wir München hinter uns und stoßen auf das erste versprochene Waldstück unserer Tour. Im Truderinger Wald liegt die Rodungsinsel Solalinden mit einem kleinen beschaulichen Gasthaus plus Biergarten. Bevor wir uns von den Gefilden Münchens entfernen, gibt es hier noch mal eine Erfrischung. Von dort geht es nach Keferloh, wo uns die Wegweiser des Panoramawegs direkt nach Grasbrunn führen. Anschließend folgt schon das nächste schattige Waldstück nach Harthausen. Nicht weit davon liegt außerdem das Gut Möschenfeld, das ihr mit einem Abstecher in die Route einplanen könnt. Ab Harthausen führt uns die Route weiter durch kleine beschauliche Waldstücke. Die Strecke wird für uns jetzt zunehmend hügeliger und zieht sich durch eine malerische Möränenlandschaft geschaffen aus Gletschern der Eiszeit. Über diverse Gehöfte und Weiler erreicht wir dann Garching über Taglaching. Nun ist es vollbracht, denn von dort aus könnt ihr entspannt in die S-Bahn zurück nach München steigen.

Bilder von Isabell Kloss und Paul Harhausen für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Paul Harhausen

Temporärer „Zuagroaßter“ - so würden wohl waschechte Münchener Paul bezeichnen. Auf der To-Do-Liste des eigentlichen Wahl-Weimarers und geborenen „Jong“ von der Waterkant stand schon immer, irgendwann mal in der südlichsten Großstadt Deutschlands zu leben. Die grandiose Lebensqualität, das beständige Wetter, aber auch die Sehnsucht zu den Bergen, das alles hat Paul nach München gelockt. Mit jedem Tritt in die Pedale seines Rennrads und den Blick auf die Isar gerichtet, spürt er nämlich genau das: Lebensqualität. Darauf ein Prosit!