Führung durch die Glyptothek

Führung durch die GlyptothekOder: ... durch das 1x1 der Selbstdarstellung

Für den armen Kunstagenten Martin von Wagner ist das ein bisschen doof gelaufen... Der ganz große Ruhm blieb ihm verwehrt. Dabei haben wir ihm zu einem großen Teil zu verdanken, dass in München mit der Glyptothek ein Museum für die Sammlung antiker Skulpturen steht, das - was Qualität und Atmosphäre angeht - weltweit seinesgleichen sucht.

Es ist auch kein Zufall, dass die Exponate in diesem griechischem Tempel so außergewöhnlich stimmungsvoll in Szene gesetzt sind. Denn dieses Museum wurde 1816 - 1830 extra für diese Skulpturen errichtet. Und auch hier hat Martin von Wagner ordentlich Ideen einfliessen lassen. Das ist aber kaum bekannt. Viel bekannter ist, dass die Glyptothek unter König Ludwig I. errichtet wurde, weil der vom vergeistigten savoir-vivre der Griechen und Römer ganz begeistert war. Er hat dann vor allem mit Hilfe von Martin von Wagners exzellentem Riecher seinen Plan in die Tat umgesetzt, nur das Beste an antiker Kunst nach München zu holen. Bekannt ist auch, dass der Vater von König Ludwigs I. diesem „alten Plunder“ nicht zutraute, „Griechen und Römer aus dieser Rasse von Biertrinkern zu machen“. Ein bisschen Recht sollte er dahingehend behalten. Trotzdem hat die Sammlung natürlich nichts mit dem Puttensammelsurium eines Gartenmarkts zu tun - durch ihre ausgezeichnete systematische Zusammenstellung kann sie auch viel über die Gegenwart aufzeigen.

Und wenn man das große Glück hat, dass ein Experte, wie der Konservator des Hauses Christian Gliwitzky einen durch die Ausstellung führt, dann geht das natürlich viel besser. Auch wenn man jederzeit sein wohl unerschöpfliches Wissen anzapfen kann und mit den Antworten auch seine Begeisterung für die steinernen Skulpturen heraussprudelt – dann macht das diese quietsch-lebendig. Dann sieht man auch nicht nur die Anfänge des Portraits und wie es bis zur Vollendung entwickelt wurde, sondern auch, dass hier alles benutzt wurde, was Bildbearbeitung und Symbolismus hergeben, um einen gewissen Eindruck zu schinden, zu manipulieren – um eben Interessen durchzusetzen. Auch wenn es so scheint, keines dieser Exponate ist eine realitätsgetreue Abbildung. Die Macht der Bilder wurde schon so um Christus plusminus 650 Jahre fleißig genutzt. Daher war auch für neue Herrscher Amtshandlung Eins, nachdem allen Widersachern die Rübe abgeschlagen wurde, Münzen mit ihrem Konterfei und Portraits ins Land zu streuen.

Die PR-Strategien der Römer und Griechen sind heute noch aktuell - die finden wir auch bei Instagram und bei den Jogginganzügen von heutigen Fussballtrainern wieder, wie Christian Gliwitzky gern ausführt.  Das ist wahnsinnig spannend, führt aber hier zu weit – nutzen wir doch lieber hier die Gelegenheit, um auch mal Martin von Wagner zu danken, dass er uns all das ermöglicht hat: Danke, Martin!

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Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.