From Fashion to Reality

From Fashion to RealityFotoausstellung mit Fame und Frauenpower

Schönheit braucht Charakter. Im Fashion-Business eine leider noch recht junge Erkenntnis. Einer der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Models nicht mehr nur als seelenlose Kleiderständer, sondern als selbstbewusste, ausdrucksstarke Frauenfiguren betrachtet werden, war und ist Peter Lindbergh. Die Kunsthalle München zeigt vom 13. April bis 27. August 2017 die Ausstellung "From Fashion to Reality", die anhand von über 220 Lindberghs ikonischen Bildern, einigen persönlichen Notizen, Storyboards, Requisiten, Polaroids, Filmen und vielem mehr eine Hommage an einen der einflussreichsten Modefotografen der letzten 40 Jahre darstellt. Ein Fotograf, der das Phänomen der Supermodels in den 90er Jahren wie kein anderer begründete.

 

 

Angela Lindvall & Chris Dye, Warner Bros Studios, Burbank, Calif. USA, 2004 Harper’s Bazaar

Erin Wasson, Los Angeles, 2000 Harper’s Bazaar

Milla Jovovich, Paris, 2012 Vogue Italia

Auch bisher unveröffentlichte Fotografien und anderes nie gezeigtes Material konnte Kurator Thierry-Maxime Loriot einarbeiten. "Die Besucher können die Welt von Peter Lindbergh erkunden, seinen einmaligen Blick auf jene Themen kennenlernen, zu denen er immer wieder zurückkehrt." Das ist natürlich das Thema "Supermodels", aber auch zum Beispiel "Zeitgeist", "Tanz", "Das Unbekannte", "Ikonen" und einige mehr. Models wie Naomi Campbell, Linda Evangelista, Kate Moss, Christy Turlington und Tatjana Patitz nahm Lindbergh vor die Linse. In den späten 1970er und den 1980er Jahren. Seine Bilder formten die damals noch völlig unbekannten Frauen zu Weltstars. 

Wie? Indem er in seinen Fotografien ihre Stärke und Weiblichkeit herausarbeitete. Von der Femme Fatal bis zur Heldin. Auch Tänzerinnen und Schauspielerinnen fotografierte Lindbergh in seinem einzigartigen ikonischen Stil. Indem er den ganz eigenen Charakter seiner Modelle zum Vorschein brachte und damit der Oberflächlichkeit und Künstlichkeit der bisherigen Modefotografie, in der die Frau viel zu oft hinter dem Kleidungsstück verschwand, den Rücken kehrte. Photoshop-Retusche?! Fehlanzeige! Lindbergh Modelle überzeugten und überzeugen auch heute noch ohne viel Chi-Chi – ein natürlicher Look, meist gänzlich ohne Make-up. Zur damaligen Zeit ein Skandal.

Peter Lindbergh, London 2016 © Stefan Rappo

Doch dieser neue Ansatz kam an! Peter Lindbergh revolutionierte mit seinem meist schwarz-weißen, den besonderen aber echten Moment einfangenden Realismus die Bildsprache der populären Magazine und der tonangebenden Modelabels. Dabei finden sich in seinen Fotos nicht nur die Themen Menschlichkeit, Alter, Schönheit und Weiblichkeit wieder, sondern auch gesellschaftliche Fragen. Die Serie "Give Peace a Chance" zeigt zum Beispiel die Inszenierung einer Antikriegsdemonstration, die Lindbergh 2004 für Harper’s Bazaar gestaltete.

Darin sollte heute die Verantwortung der Fotografen liegen: Frauen und letztlich jedermann vom Terror des Jugend- und Perfektionswahns zu erlösen.

Peter Lindbergh

Fotografie hatte und hat für ihn eine Mission. In einem Interview erklärte der in NRW aufgewachsene Lindbergh 2014: "Darin sollte heute die Verantwortung der Fotografen liegen: Frauen und letztlich jedermann vom Terror des Jugend- und Perfektionswahns zu erlösen." Seine Bilder zeigen, dass Schönheit nicht unbedingt etwas mit Perfektionismus zu tun hat. Sondern mit der eigenen Stärke, die durch den Charakter begründet ist. Eine sehr erleichternde Message. Gerade dann, wenn man eben KEIN Model ist.  

Afterwork-Option

Jeden 3. Mittwoch im Monat (19.4., 17.5., 21.6., 19.7., 16.8.) könnt ihr die Ausstellung bis 22 Uhr besuchen. Und den Fotokunstabend an der Bar der Kunsthalle ausklingen lassen. Mit Musik vom DJ. Tickets für Afterwork-Führungen kosten 7 Euro.

Fotos © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt hat mehr Platz zum Tanzen.