Fischsuppe zum Weltuntergang

Fischsuppe zum Weltuntergang"Das Ende des Regens" im Metropoltheater

Eine tragische Familienchronik über 80 Jahre hinweg. Von der Vergangenheit in die Zukunft. Und wieder zurück. Liebe, Hass, Schweigen, Verzweiflung, Tod – wenn man sich nach solch einem Stück nicht direkt die Kugel geben mag, war das Metropol am Werk. Die Fäden zog der Gründer des Theaters, Jochen Schölch, selbst.

Mit mitreißenden, fantasievollen und gesellschaftspolitisch hochrelevanten Stücken hat sich die Bühne in den 20 Jahren seit ihrer Gründung 1998 eine treue Fanbase aufgebaut. Das kleine Schatzkästchen befindet sich in einer unscheinbaren Freimanner Wohngegend, in einem ehemaligen Kino aus den 50er Jahren. Und das spürt man! Vom eleganten, neuen Pavillon bis ins letzte Detail des hintersten Winkels: alles hier atmet Fifties-Flair.

Zur Einstimmung machen wir es uns mit einem Aperitif, hausgemachter Ingwerschorle und ein paar feinen Antipasti im Restaurant gemütlich. Langsam trudeln die übrigen Gäste ein bis jeder Tisch, die Bar und das Foyer gut gefüllt sind. Mit Hilfe des Programm-Flyers macht man sich schonmal mit dem Stammbaum der Familie vertraut, um die es gleich gehen wird. Unser Tipp aber: spannender ist es ohne Spicken!

Die Eröffnungs-Szene: klassisch Metropol. Schwarze Figuren unter schwarzen Regenschirmen. Es regnet. Doch nicht vom Himmel. Aus den Schirmen selbst. Eine Familie, die ihr tragisches Schicksal selbst strickt.
Es regnet während des gesamten Stückes. Fantastisch verbildlicht durch einen Vorhang aus schwarzem, glitzerndem Lametta, der immer wieder optisch-dramaturgische Kunstgriffe erlaubt. Diese Kunstgriffe sind eine der Spezialitäten des Metropoltheaters. Eine Requisite ist hier nie nur eine Requisite. Der Tisch, die Koffer, der rote Morgenmantel, die Fischsuppe. Sie alle sind Teil einer raffinierten Gesamt-Inszenierung, die mit ihrer eigenen Symbolik und mit der Vorstellungskraft des Publikums spielt.

Und Vorstellungskraft ist bei dieser verworrenen Handlung in der Tat gefragt! Sie beginnt in der Zukunft und baut sich aus durcheinander gewürfelten Rückblenden langsam auf. Bis zur Pause kann man die Figuren grob zuordnen. Weiß, dass ein junger Mann aus London auf der Spur seiner eigenen Familiengeschichte, die ihm seine Mutter beharrlich, aber innerlich zermürbt verschweigt, in Australien eine Frau kennenlernt und sich verliebt. Alles deutet auf ein Unglück hin, welches ihrer beider Schicksale verbindet. Angeregtes Mutmaßen in der Pause. Und im zweiten Teil: entfaltet sich die ganze Dramatik. Person für Person, Szene für Szene. Bis man sich fragt, ob die Menschen überhaupt noch zu retten sind. Und immerzu regnet es. 

Soviel sei verraten: Sie sind zu retten. Wie – das muss man selbst herausfinden oder, sagen wir, zumindest hinein interpretieren. Denn nach diesem Feuerwerk an Bildern, Symboliken, Emotionen und Kontexten müssen die Hände das Klatschen selbst übernehmen. Der Kopf ist mit Verarbeiten beschäftigt.
Ob man sich nun unmittelbar mit der Story identifizieren kann oder nicht: kalt lässt sie mit Sicherheit niemanden. Genau das ist ja das schöne am (Metropol) Theater! Drama, Drama, Drama, Baby!! Bis zum Ende des Regens ...!

Gewinnspiel

2x2 Freitickets in die Zeitkapsel (aka zur Vorführung am 22.10. 20h) könnt ihr gewinnen, wenn ihr uns bis zur Auslosung am 20.10. | 10h eine Nachricht sendet.

Location-Pics by Verena Schindler/ Bühnenszenen by Jean-Marc Turmes.

Verena Schindler

Gut ist, was neu ist! Verenas Augen und Ohren sind permanent im Aufnahmemodus. Als Designerin freut sie sich über alles, was das als spießig verurteilte München auf der Skala der hippen Städte etwas steigen lässt. Zum Reizflut-Ausgleich: einen Cappuccino in der Sonne – very Munich... Die Welt sehen?! Unbedingt! Woanders leben? Auch cool. ABER: keine Berge sind keine Option.