Filtermaschine und Co.

Filtermaschine und Co.Zubereitungstipps vom Münchner Coffee-Pro

„Also ich trinke meinen Kaffee nur aus dem Vollautomaten. Aus der Filtermaschine kann der ja gar nicht schmecken.“ In den Kaffeeseminaren, die ich veranstalte, höre ich immer den gleichen Satz. Die böse Filtermaschine hat ihren Ruf jedoch absolut zu Unrecht.

Bevor man sich aber um die Zubereitung kümmert, sollte man sich um das Zeug Gedanken machen, das rein kommt! Noch viel wichtiger als die Maschine ist nämlich der Kaffee, der verwendet wird. Ist der schlecht, kann man’s eh vergessen. 

Hier eine Checklist für guten Kaffee:

  1. Nur ganze Bohnen kaufen! Gemahlener Kaffee verliert viele Aromen direkt nach dem Mahlen. Außerdem kann man bei Bohnen sichergehen, dass keine Zusatzstoffe im Kaffee sind.
  2. Frischen Kaffee kaufen! Das wird schon schwieriger. Aber viele Rösterein schreiben ein Röstdatum auf die Tüte. Also den Zeitpunkt der Veredelung. Im Idealfall trinkt ihr den Kaffee in den 14 Tagen nach der Röstung.
  3. Bohnen frisch Mahlen! Direkt vor dem Aufbrühen den Kaffee mahlen beschert euch ein ultimatives Aromenfeuerwerk.
  4. Bohnen nie umfüllen! Schützt die Aromen! Lasst sie in ihrem Zuhause, also der Tüte. Ein Umfüllen in ein anderes Gefäß umspült die Bohnen mit Sauerstoff, ihrem größten Feind. Am besten die Tüte in eine geschlossene Dose stellen und so vor Sonneneinstrahlung schützen.
  5. Nicht kochend aufgießen! Egal auf welche Art ihr euren Kaffee zubereitet, das Wasser sollte nie heißer sein als 95° Celsius. Also nicht zum Kochen bringen!  

Zurück zur Filtermaschine: Die meisten Filtermaschinen haben eine Temperatursteuerung eingebaut, sodass der Kaffee nicht zu heiß aufgebrüht wird. Das ist gut, denn so können die Aromen garantiert nicht zerstört werden. Nimmt man für eine Tasse Kaffee im Schnitt 8 Gramm frisch gemahlenen Kaffee, am besten aus der Privatrösterei, entsteht ein hocharomatisches Getränk, welches besser ist als jeder Kapsel oder Padkaffee.

Die Stempelkanne: DER Favorit des Kaffee-Experten

Wer die Filtermaschine toppen möchte, wählt SIE - my love: Die Stempelkanne. Oder wie man in der Müllerstrasse sagen würde: die French Press. Ja, besonders im Urlaub kann man es noch schlafenden Freunden nicht übelnehmen, wenn diese sich vom Krach der Handmühle gestört fühlen. Aber für mich gibt’s nichts Besseres als einen Äthiopischen Sidamo (den gibt es hier zu kaufen http://www.baruli-kaffee.de/produkt/kaffee-sidamo/) in der Handmühle zu mahlen und ihn dann mit 85° Celsius in der Stempelkanne aufzugießen. Besonders für Aromen-Liebhaber ist die „Bodum Kanne“ die beste Zubereitungsart, da das Mahlgut harmonisch und liebevoll mit dem Wasser zusammenspielt und sich die Aromen in ca. 5 Minuten voll entfalten. Tipp vom Kaffeesommelier: Die Kanne zur Hälfte mit Wasser aufgießen, 30 Sekunden aufblumen lassen, umrühren, bis oben aufgießen und weitere 4:30 Minuten zu Ende ziehen lassen. Dann den Stempel runterdrücken und genießen.

Die Herdkanne: „Die italienische Giftspritze“ 

Als ich in Wien meine Ausbildung zum Dipl. Kaffeesommelier gemacht habe, nannte unser Professor eine besondere Zubereitungsart einfach nur italienische Giftspritze. Das mag auch an dem Verhältnis von Wien zu Italien liegen, jedoch ist die Kritik nicht unberechtigt.

Ihr kennt sie bestimmt vom Camping oder aus Gästewohnung im Skiurlaub. Sie trägt viele Namen, wie „Herdkanne, Herdkocher, Bialetti- Kanne oder Espressokocher“. Einfach und schnell in der Zubereitung, darf sie in keinem Urlaub fehlen. Jedoch hat sie einen kleinen Schönheitsfehler. Der Kaffee wird zu heiß aufgekocht, ja fast verbrannt. Denn das Wasser wird solange erhitzt, meist auf einem Herd oder dem Gaskocher, bis es hochkocht und auf dem Weg durch den gemahlenen Kaffee muss. Wie wir oben bereits gelernt haben, sollte Kaffee jedoch mit maximal 95° Celsius aufgekocht werden. Was also tun?

Ich mag meine Mama. Und da sie gerne auch so einen italienischen Herdkocher haben wollte, habe ich ihr einen zu Weihnachten geschenkt. Denn es gibt einen Trick, wie man den Schaden in Grenzen halten kann: Sobald die Düse am Auslauf anfängt Geräusche zu machen, trennt ihr die Kanne von der Hitze (vom Herd nehmen zum Beispiel) und lasst die Resthitze weiterarbeiten. Das klappt allerdings nur bei den kleinen Kannen bis 4 Tassen. So wird der Kaffee immer noch zu heiß aufgebrüht, jedoch nicht vollends verbrannt. Der Nachteil von zu heiß aufgekochtem Kaffee ist, dass extrem viele Bitterstoffe entstehen und diese die feinen anderen Aromen überlagern.

Fazit:

Vorausgesetzt ihr nutzt keine Pad-Maschine, könnt ihr durch alle Zubereitungsarten guten Kaffee in die Tasse bekommen. Mit Filtermaschine oder Stempelkanne wird es aber am einfachsten, alles richtig zu machen. Vorausgesetzt natürlich, man benutzt hochwertige und richtig behandelte Kaffeebohnen. Aber auch dafür seid ihr ja jetzt gewappnet.

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Steven Mc Auley

Steven ist ein Querdenker. Ein Entrepreneur wie er im Buche steht und Kaffeesommelier aus Leidenschaft. Wenn er über Aromen, Mahlgrade und Bohnenmythos redet, glänzen seine Augen. Nachdem Steven Hannover mit gutem Kaffee versorgt hat, kümmert er sich jetzt um München. Warum München? Weil die Stadt die beiden Dinge verbindet, die er liebt: Unternehmertum und Kaffeebegeisterung.