Schon damals muss seine Mama wohl einen Riecher dafür gehabt haben, dass es den Sohnemann irgendwann einmal auf die Bühnen dieser Welt treiben wird. „Felix Raphael wäre ein sehr schöner Künstlername“, sagte die Sängerin einst, noch bevor Felix (25) das erste Mal seine Hände an die Drehknöpfe und Turntables gelegt hatte. Die Liebe zur elektronischen Musik sollte erst später kommen, für den Bub hieß es zuerst: Ab zum Gesangsunterricht! Ganz nach der Mama als Vorbild.

Von Fink zu Stephan Bodzin

Musikalisch übte sich Felix zunächst an der Gitarre und im Gesang in einer Band, bis für er mit 21 Jahren nach Eichstätt bei Nürnberg zog. Der erste Gang in den hiesigen Club brachte den musikalischen Umschwung - in der Welt der elektronischen Musik und harter Techno-Sounds bilden akustische Instrumente in der Regel die Ausnahme. Vor Felix präsentierte sich eine spannende, neue Szene, eine für ihn komplett andere Art von Musik. „Irgendwann haben sich so viele Ideen in meinem Kopf festgesetzt und ich hatte schon viele gute Tracks gesammelt, die ich unbedingt selber meinen Freunden vorspielen wollte“. Und bekanntlich geht das ja am Besten, wenn man selber hinter den Turntables steht. 

Ich habe einfach den Drang verspürt, selber etwas Neues zu erschaffen.

Felix Raphael Pichler (25), Producer & DJ

Deep Talk... © Geheimtipp München

... vor urbaner Kulisse. © Geheimtipp München

Wir haben Felix Raphael zum Interview... © Geheimtipp München

... am Bahnwärter Thiel getroffen. © Geheimtipp München

Die ersten holprigen Bässe

Schnell kam eines zum anderen und 2018, bereits zwei Jahre später, war Felix fester Bestandteil der Crew des Bahnwärter Thiel, legte dort regelmäßig im Wagon auf oder versuchte als neuer Teil vom Liebe und Triebe Kollektiv aus Ingolstadt neue Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Doch irgendwann reichte ihm auch das bloße Auflegen nicht mehr aus. Felix wollte mehr. Eigene Tracks, Musik in seinem ganz eigenen Stil selber produzieren: „Das Auflegen macht mir viel Spaß, aber es ist noch einmal etwas ganz anderes, wenn man seine eigenen Sachen spielen kann“.

The Sound of Felix:

Der eigene Sound

Gesagt, getan. Nur wenig später war er da, der erste, eigene Track. Veröffentlicht unter seinem Künstlernamen Felix Raphael - mit eigens eingespieltem Gesang und Instrumenten. Back to the roots, quasi. „Das was man in einer Band hatte, singen und Gitarre spielen, da will ich in einer gewissen Weise wieder hin“, erzählt Felix. Und das hört man in seinen Kompositionen. Sie sind geprägt durch sentimentale Live-Vocals und groovige Basslines. „Ich will die Musik, die ich so lieben gelernt habe und meinen musikalischen Hintergrund verbinden“ - in seiner neuen EP, die Ende März erst unter dem Label 3000 Grad erschienen ist, kann man das deutlich hören.

Get Felix on Beatport!

Ihr wollt mehr von Felix? Seine Musik (auch die neue Platte) könnt ihr euch Dank World Wide Web straight auf euren Laptop oder auf's Handy ziehen. Bei Beatport werdet ihr fündig.

Von der Idee zum Vinyl

Wie muss es sich anfühlen, wenn der Traum plötzlich Realität geworden ist und man seine mittlerweile zweite Platte in den Händen hält? Felix hat es geschafft, seine neue mit seiner alten Liebe zu verbinden. Und in der aktuellen Platte hat er sich nun musikalisch endlich selber gefunden. Nicht umsonst ist deswegen auch der Track Skalar der persönliche Lieblingshit auf seiner Platte: „Skalar ist für mich repräsentativ für den neuen Stil, den ich jetzt fahre.“ Seit Ende März ist die Platte nun draußen. Eine nervliche Zerreißprobe für den jungen Künstler, ein Mix aus hoher Erwartung aber auch Angst, wie das Publikum nun darauf reagieren wird: „Musik ist wie wenn man sich selbst offenbart. Und da hofft man natürlich sehr, dass es gut ankommt und man kann es um ehrlich zu sein auch viel schwieriger hinnehmen, wenn das dann eben nicht so ist.“ Hier liegt er, der kleine aber feine Unterschied, wenn man nicht nur die Platten anderer Künstler abspielt, sondern selber zu einem wird.

Musikalisches Felix 2. Zuhause: die Wagons. © Geheimtipp München

Musikalische Erleuchtungen inklusive. © Geheimtipp München

Ihr findet ihn an den Turntables... © Geheimtipp München

... konzentriert kreativ. © Geheimtipp München

Meine Musik bedeutet mir im Moment einfach alles.

Felix Raphael Pichler (25), Producer & DJ

Geplant ungeplant

„Vor ein paar Monaten hätte ich gesagt, es soll so nebenbei laufen“, erzählt Felix. Doch mittlerweile haben sich Türen geöffnet und neue Optionen geboten. Und im Gespräch merken wir, mit wie viel Respekt er diesen neuen Aufgaben gegenüber steht. Da sitzt ein junger Mann, der eigentlich Schulsozialarbeit studiert und ganz andere Pläne hatte. Doch wie es das Leben so will, hat die Musik im letzten Jahr alles für ihn auf den Kopf gestellt. Plötzlich ist da die Bühne, das Pult und ein eigenes Projekt, von dem man nicht weiß, ob es scheitern oder zum Erfolg führen wird: „Es ist für mich eine sehr, sehr große Übung, geduldig zu bleiben.“ Im nächsten Jahr schließt Felix trotz des ganzen Tumults um seine Person erst einmal wie geplant das Masterstudium ab. Was dann kommt? Dafür lassen sich im Leben eben keine Pläne schreiben.

Pic's by Miles Köhler

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt, hat mehr Platz zum Tanzen.