Express Brass Band

Express Brass BandGute Laune aus vollem Rohr

New Orleans – Brasilian - Balkan Feeling made in Munich. Kurzum, Musik von Welt. Die knapp 20 Jahre auf dem Buckel zählende Münchner Brass Band feiert am Freitag ihr neues Album im Ampere. Für uns Grund genug diesem Münchener Urgestein der Subkultur einen Besuch abzustatten.

Jeder der länger als drei Minuten in München wohnt, weiß, dass das Epizentrum des Ad-Hoc- Happenings der Südteil des Englischen Gartens ist. Flashmobs, Massenfußball, Slacklineakrobatik, Afrikanische Trommelwirbel und eben auch Brass Bands bereichern jeden einzelnen Sommer in der Stadt. Hier dürfte wohl auch die höchste Chance bestehen schon einmal in den Genuss der Gute-Laune-Blechbläser gekommen zu sein.

Wir durften die bunte Combo in ihrem Heimatkosmos kennenlernen. Dem Proberaum.
Dieser ist eigentlich viel mehr eine Probewohnung, ein altes Tonstudio in der Ludwigvorstadt, das sich so erfrischend ungentrifiziert anfühlt, dass man sich gleich mal ein Bier aufmachen muss. Herzstück des Probestudios ist eine große WG-artige Wohnküche. Aus dieser wären wir, aus Gründen der Gemütlichkeit, fast nie wieder hinaus gekommen. Die ersten Augustiner geöffnet und schon startet die Begrüßungssession am Küchentisch.

Von Saxophon und Klarinette, über Jazztrompete, Barriton, Tuba und Posaune, bis zu allen Facetten des Schlagzeugs - in diesem Zusammenschluss aus Vollblutmusikern gibt's kein Instrument, das es nicht gibt. Heraus kommt eine Musik, die Bock macht. Weil sie so vielschichtig ist wie ihre Macher. Ob Mitte 20 oder in den Fünfzigern, Rickschafahrer oder Mitarbeiter im Kulturreferat, wer in dieser Mega-Combo Talent und Leidenschaft einfließen lässt, ist Teil einer großen, bunten Familie. Und das merkt man. An der Musik und auch an der Atmosphäre in der kleinen Probeküche. Auf engstem Raum zusammen mit zwölf der rund 20 Musikern und Musikerinnen plus ihrer Instrumente, wird uns ordentlich warm. Was aber weniger am Platzmangel liegt, als an der Energie der Crew. Der Groove dröhnt uns nur so um die Ohren. GEIL! Ob das den ein oder anderen Anwohner nicht stört? „Egal,“ sagt Wolfi, einer der Bandgründer. „Wir waren zuerst hier!“ Herrlich locker dabei Vollgas professionell. Wie sollte es auch anders sein, denn diese Band hat schon so einige Jahre Erfahrung auf dem Buckel. 

Vor knapp 20 Jahren aus einer Bierlaune heraus von alten Jazzbuddies gegründet, wuchs die Express Brass Band schnell zu stolzer Bigband-Größe und schweißt den harten Kern bis heute als dicke Freunde zusammen. Die gut 60 Auftritte pro Jahr füllen die Bandkasse die wiederum gemeinschaftliche Reisen finanziert. Und wenn’s bis nach Brasilien geht. Diese Band ist halt in der Weltmusik zuhause und die fühlt sich überall heimisch.

Früher probte die Crew noch regelmäßig im EGarten, ganz chillig unter freiem Himmel. „Heute ist es oft so, dass alle Wochenenden voll sind mit Gigs. Da sind Proben dann einfach nicht mehr drin“, sagt Wolfi. Auf Straßenfesten, Hochzeiten, Geburtstagen, in Schulen und Kindergärten, ja sogar im Gefängnis hat die Express Bars Band über die Jahre schon gejamt. Und schon lange sind sie nicht nur in der schönen Minga-City gefragt, sondern reisen für das ein oder andere Konzert gerne mal ins Ausland. Italien, Frankreich, Brasilien, Russland - wo immer es hingeht, das Prinzip der Münchner Brass-Helden bleibt unverändert: Musikalisches System mit ganz viel gutem Feeling für den richtigen Improvisations-Anteil und eine gehörige Portion Anarchie. Eine unverwechselbare Kombination.  

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.