Eine Ode an den Bart

Eine Ode an den BartOder: Ohne-Bart-Tag?! Auf's Maul, Alter!

Zu Beginn dieses Pamphlets möchte der Autor mit einem Verbraucherhinweis aufwarten: Wer seine warme Milch ausschließlich mit Honig genießt und zum Fluchen ins 18. Untergeschoss geht, möchte sich bitte in die Einhornabteilung umorientieren! Lange hat die Geheimtipp München Redaktion überlegt, Gernot Hasskneckt aus der heute-show für dieses Anliegen zu rekrutieren. Nach reichlicher Überlegung eignet sich selbiger allerdings sehr schlecht als Bart-Testimonial.

Akt 1 – 18.10. / Der Ohne-Bart-Tag

Alter… hackt’s??? Dieser Tag ist eine Erfindung um speziell die Männer, die sich ein Leben ohne Bart nicht vorstellen können, davon zu überzeugen, sich von ihrem besten Stück zu trennen. Was für ein Bullshit! Was kommt als nächstes? Der Ohne-Pimmel-Tag? Würden wir in Tagen ohne Bart-Emotionen leben, könnte ich mir ja eventuell vorstellen, dem armen Irren, der sich das bei Gillette ausgedacht hat, seine 5 Euro zu spendieren, damit er auch nächstes Jahr noch einen Job hat. Aber das geht nicht! Ich bin Bartaktivist!

Mann mit Bart

Mann ohne Bart

Mann mit Bart

Mann ohne Bart

Mann mit Bart

Mann ohne Bart

Akt 2 – Bartaktivist

Barttragen ist nichts für Anfänger. Erst recht nicht wenn man in einer Stadt wohnt, in welcher per se Hipster, Islamisten oder Alm-Öhis vermutet werden. Wer mir nicht glaubt, hat keinen Bart und kann es im Zweifel nie herausfinden. Es sei denn, er investiert mal in eine gut gemachte Film-Maske. Nahezu täglich ist der Bartträger mit Anti-Bart-Sprüchen konfrontiert. Die Bandbreite reicht von „dumm“ über „schlechter Humor“ bis hin zu „rassistisch“: „Bist du jetzt zum Islam konvertiert“; „Oh, der Terrorist kommt“; „Rasier dich mal! Haha!“; oder auch aggressiv: „Ich rasier dich gleich!“. Wer jetzt hier Mitleid versteht, missversteht. Im Gegenteil, ich habe Spaß daran gewonnen, dagegen zu sein und mein Poesiealbum der dummen Bart-Sprüche schnell wachsen lassen zu können.

Anfänglich habe ich meinen Bart einfach nur getragen, weil ich Bock darauf hatte… Punkt. Nach einer Weile erkennend, dass Mann wie Frau aber scheinbar nicht nur unter Penis-, sondern auch unter Bart-Neid leidet, stelle ich ihn besonders gerne zur Schau! Also den Bart jetzt… Zunächst einmal sei festgestellt, dass mir das sogar in der verbohrten Welt der Antihipster zusteht. Ich komme vom Land, sogar aus dem waldigen Teil. Axt und Kettensäge sind meine Lieblingswerkzeuge (falls das irgendsoein pseudo-männlicherer Nicht-Bart-Mann wissen will) und ich weiß sie zu bedienen. Contest ist jederzeit durchführbar! Ich bin nämlich ein Mann und kann leider keine Herausforderung ablehnen. Spieltrieb und so...

© Culture Mag

Akt 3 – Geschichtsklugscheißer

Dieser Akt ist kurz und schnell beschrieben. Der Vergangenheitsanteil in der Man(n) glatt rasiert war, ist in der Geschichte des Bartes am Maule des Mannes wohl nicht einmal im Prozentbereich zu bemessen. Jede Epoche hatte seine eigenen Bart-Style, jede Region eine eigene Philosophie und Man(n) war sich stets einig, dass Man(n) Bart trägt. Nur zur Erinnerung, wie es die Glattrasurperfektion in unseren Kulturkreis geschafft hat.

Kleine Tippsammlung: Strammer deutscher Mann! Orrrdentlicher deutscher Haarschnitt! Ohren immer frrrei! Na macht’s klick? Im Militär mag das ja alles seine Berechtigung haben. Aber damals wurde das benutzt, um eine ganze Gesellschaft zu militarisieren. „Also isch möschte das nischt!“(Gisela; Performt by Hape).

Fazit

Ganz einfach: Ich trage meinen Bart seit er wächst und ich schneide ihn erst ab, wenn im zarten Alter von 85 Jahren Lungenkrebs-Chemolöcher reingebrannt sind. Wer mich darauf hinweist, dass schon erste graue Haare drin sind, beschert mir bloß weitere Freude und Zuspruch. Ich freue mich drüber und trage sie mit Stolz. Männer sind wie Weine... Wer mir mit dem nächsten dummen Spruch um die Ecke kommt sei vorgewarnt: Ich hatte circa zehn Jahre Zeit den rhetorischen Gegenangriff vorzubereiten, du Lappen. Wer dann immer noch mehr braucht, kann gerne `ne Schelle bekommen, wenn er mag.

Bartstyle für Unentschlossene

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.