Ein Vegetarier hinter der Fleischtheke

Ein Vegetarier hinter der FleischthekeDie Metzgerei Beleidigte Leberwurst

München steht für gutes Bier, Lederhosen aber vor allem auch für viel und gutes und deftiges Fleisch. Auf Gerichte wie Schweinshaxe und Weißwurst ist man hier mindestens genauso stolz, wie auf das kühle Helle. Auch Andreas Buchwalsky verkauft in seiner Spezialitätenmetzgerei leckere Schmankerl - ist aber selber Vegetarier. Ein Widerspruch? Er findet: Nö!

Erst vor Kurzem übernahm Andreas den kleinen Familienbetrieb seines Vaters im Lehel. Schon als Kind hatte er dort ordentlich mitgeholfen. Mit der Schlachtung, Zubereitung und dem Verkauf von Fleisch ist er großgeworden. Zuerst arbeitete Andreas selber in der Gastronomie, später dann im P1, und versuchte sich schließlich an einem eigenen Laden - der ehemalige Club und Restaurant "Helene". Heute leitet er die Spezialitätenmetzgerei „Beleidigte Leberwurst“, in der er und sein Vater unter anderem nachhaltiges Fleisch aus Schwäbisch Hall anbieten, Geflügel von einem Hof im Bayrischen Wald und Bio-Eier. Auch Mittagsgerichte kann man in Andreas Metzgerei der Metzgerei schnabulieren - natürlich mit Fleisch - wie zum Beispiel ein knuspriges Schnitzel - aber eben auch vegetarisch, Kreationen mit Couscous oder Quinoa. Zugegeben: fleischlos Essen und Einkaufen, und das gerade in einer Metzgerei... das ist nicht nur für's Fleischverliebte München ein seltener Anblick. 

„Ich habe damals tagtäglich so viel Fleisch gegessen, dass ich einfach irgendwann keine Lust mehr drauf hatte.“

Andreas Buchwalsky (31), Metzger und Vegetarier

Vor zwei Jahren entschied er sich für die - wie er es selber bezeichnet - „Fleischpause“. „Ich habe damals jeden Tag so viel Fleisch gegessen, dass ich einfach irgendwann keine Lust mehr drauf hatte.“ Man könnte meinen, gerade für Andreas Vater muss damals eine Welt im Hinblick auf das Familienerbe zusammengebrochen sein. Dem war aber nicht so. „Mein Vater ist ziemlich cool in der Hinsicht und hat das ganz locker genommen“, erzählt Andreas. Das Bild vom Metzger, der Kiloweise Würste, Braten und Haxn in sich hinein schaufle, sei doch sowieso veraltet. Sein Vater zum Beispiel esse auch nur einmal die Woche selber Fleisch, erzählt Andreas. "Ausgenommen natürlich, es muss etwas abgeschmeckt werden. Das muss er ja jetzt immer für mich übernehmen." 

Sein früheres Lieblingsgericht Tatar hat Andreas übrigens durch karamellisierte Champignons vom Cochinchina in der Kaiserstraße getauscht. Ob er je wieder Fleisch essen wird, weiß er selber nicht. Fest steht aber, dass Andreas und sein Vater planen, immer mehr vegetarische und sogar vegane Gerichte auf die Karte der „Beleidigten Leberwurst“ zu nehmen. Denn wer sagt denn, dass eine Metzgerei nicht auch Leckereien aus Gemüse anbieten kann?! Oder ein Vegetarier nicht auch super hinter der Wursttheke aufgehoben ist? Keiner. Andreas und seine Beleidigte Leberwurst liefern den Beweis. 

News aus der Bundeshauptstadt!

In Berlin gibt es übrigens einen "echten" vegetarischen Metzger. Dort sind nicht nur die Mitarbeiter Vegetarier es gibt auch nur rein pflanzliche Alternativen zu Wurst, Fleisch und Fisch in den Auslagen. Zum Glück hat die DB ja eine neue Schnellverbindung. Da lohnt sich der nächste Besuch doch gleich doppelt!

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt, hat mehr Platz zum Tanzen.