Ein bisschen Wiesn für uns alle Sound of Munich #18: Die Kirchdorfer aus dem Hackerzelt

Ja, dieses Wochenende wäre es soweit gewesen. Auf dem Nockherberg wäre wieder das Starkbier geflossen, die ganze Stadt hätte ihre Tracht angezogen und den Berg bestiegen. Doch es ist auffällig ruhig in der Stadt. Und auch in der fünften Jahreszeit wird es dieses Jahr vermutlich noch mal recht still und leer auf der Theresienwiese sein. Wir haben uns mit Thomas unterhalten – er ist der Bandleader und selbst auch Musiker in der Band „DIE KIRCHDORFER®“. Und die wiederum spielen schon seit 1994 jedes Jahr im Hackerzelt. Und auch die 24 Tage auf dem Starkbierfest am Nockherberg sind ein fester Bestandteil im Kalender. Wir sind gemeinsam in Erinnerungen versunken, haben geklärt, warum das bayrische Lebensgefühl das schönste und die Wiesn überhaupt so besonders ist. Holt euch am besten ein paar Taschentücher. Wir haben sie gebraucht… 

© DIE KIRCHDORFER®

31 Jahre, fast 500 Tage auf der Wiesn

Thomas kam schon früh zur Musik. Denn schon sein Vater war Musikant auf der Wiesn – auch im Hackerzelt. Dass es Thomas irgendwann dahin verschlägt, war wohl irgendwie abzusehen. 31 Jahre spielt er schon auf der Wiesn. Und seit 1994 sind Die Kirchdorfer die offizielle Band des Hackerzelts. 1994 entschied die Familie Roiderer, Wirte des Hackerzelts, dass es mehr Schwung braucht – denn es gab einen Wandel über die Jahre. Den Stellenwert, den die Wiesn heute hat, hatte sie nicht immer. „Ich denke, gerade in den 80er hat sich das Bild der Wiesn noch mal sehr verändert. Durch die internationalen Hits – nicht mehr nur Blasmusik – und den Schlagern, die durch das Radio auch jeder kannte, wurde die Wiesn auch für junge Leute interessant. Früher sind weniger Leute in Tracht aufs Oktoberfest gegangen – außer natürlich Trachtenvereine und traditionell bayrische Gäste. Heute ist man ohne Tracht ja eher ein Außenseiter. Ich finde es aber sehr schön, dass die Tradition, mit allem, was dazu gehört, auch bei den jungen Leuten so beliebt ist.“ Thomas nennt es liebevoll die „Globalisierung der Wiesn“. 

© DIE KIRCHDORFER®

Von einer Blaskapelle zur Wiesnband 

Die Kirchdorfer wurden schon 1870 durch einen Zusammenschluss von Dorfmusikanten in Kirchdorf bei Bruckmühl gegründet. 1974 führte die Band – für damalige Zeiten äußerst revolutionär – Keyboard, E-Gitarre und E-Bass ein und spielten zeitgemäße Titel. Diese zeitgemäßen Titel gibt es auch heute noch: Sie reichen von Klassikern wie der Spider Murphy Gang bis hin zu „Atemlos“. Titel, die für immer bleiben, und Titel, die nach ein paar Jahren wieder verschwinden werden (– bei manchen hoffen wir es jedenfalls). Der erste richtige Wiesnhit war übrigens „Fürstenfeld“. Und der ist auch nach wie vor einer unserer Favoriten. „Jeden Tag spielen wir wieder neu. Es gibt keine vorgefertigte Playlist, kein Programm, dass wir einfach runterleiern. Unsere Noten haben wir digital und so können wir in Sekunden die Reihenfolge ändern und darauf reagieren, wie die Stimmung ist. Jeder Tag ist anders und jedes Publikum ist anders – darauf muss man sich immer einstellen.“ Wobei Thomas uns auch erklärte, dass es einige Lieder gibt, die natürlich an keinem einzigen Tag fehlen dürfen. So geht eben auch ein jeder Tag im Hackerzelt mit „Heal The World“ von Michael Jackson zu Ende. Und genau durch solche Momente lebt die Wiesn. Bekannte und fremde Leute liegen sich in den Armen und singen zusammen. Und ja, spätestens jetzt ist es soweit… wir haben ein paar kleine Tränen in den Augen.

© DIE KIRCHDORFER®

Nicht nur in München ein Hit! 

Dass es auch in anderen Ländern eine Art Oktoberfest gibt, war uns allen ja schon bewusst. Doch haben wir das eher immer ein bisschen belächelt. Dass Die Kirchdorfer allerdings auf der ganzen Welt unsere einzigartige Tradition verkörpern und das überall auf so viel Freude stößt, hat uns umdenken lassen. Doch fragen wir uns, was ist für die „Außenwelt“ das Besondere an der Wiesn und an Bayern überhaupt? Warum findet es so viel Anklang? „Das bayrische Lebensgefühl ist einfach einzigartig. Das merkt man sofort, wenn man hier her kommt. Man muss nicht mal hier wohnen, um das zu verstehen, ein Besuch reicht aus. Es ist ein ganz bestimmtes Wir-Gefühl, egal von wo man kommt.“ Da hat Thomas uns ganz tief aus der Seele gesprochen und wir Münchner Kindl bekommen auch ein bisschen Gänsehaut. Und sind ab jetzt bereit, dieses Gefühl mit der ganzen Welt zu teilen. Von Namibia über China bis nach Brasilien oder Dubai – es gibt eigentlich fast keinen Ort, an dem Die Kirchdorfer nicht „Sierra Madre“ zum Besten geben. Aber wo macht es denn jetzt eigentlich am meisten Spaß? „Das kann man eigentlich wirklich nicht vergleichen. München, – das ist das Original, ganz klar. Aber wenn wir wo anders spielen, fahren wir nicht jeden Tag hin und zurück, sondern genießen das schöne Wetter, einen Pool und vor allem können wir besser mit dem Publikum agieren. Da trinkt man vielleicht danach noch ein Bier zusammen und unterhält sich. Das ist auf der Wiesn natürlich nicht möglich. Da schauen wir, dass wir nach Hause kommen, um den Kopf bis zum nächsten Tag kurz frei zu bekommen.“ 

© DIE KIRCHDORFER®

Und jetzt? Scho wieder koa Wiesn! 

Und jetzt müssen wir schon das zweite Jahr in Folge auf unsere Feste, einen Teil der bayrischen DNA verzichten. Kein Starkbierfest, keine Wiesn… Wie geht die Band damit um? „Natürlich ist es eine finanziell schwierige Lage für uns. Aber auch gerade emotional und zwischenmenschlich. Es fehlt einfach etwas. Natürlich gibt es auch ein Leben ohne Wiesn, das ist so. Aber es fehlt ein wichtiges Stück im Jahr, das berührt uns definitiv sehr.“ Thomas leidet allerdings auch mit allen anderen Beteiligten. Schausteller, Bedienungen, Securities und alle anderen – die Wiesn ist eben ein Ding für uns alle. Und wenn wir alle zusammen noch ein bisschen durchhalten, können wir nächstes Jahr gleich doppelt und dreifach so viel feiern. Und dann treffen wir uns alle im Hackerzelt und grölen zusammen „Griiiiiechischer Wein ist so wie das Blut der Erde, komm schenk mir ein!“ Und wir können euch gar nicht sagen, wie sehr wir uns darauf schon freuen.

Ihr wollt die Wiesn für daheim? Kriegt ihr!

Mehr Wiesn Stimmung für daheim? Aber sicher!