Dos and Don'ts im Biergarten

Dos and Don'ts im BiergartenKleiner Guide vom Münchner Kindl

Für mich als Münchner Kindl ist der Biergarten sowas wie meine zweite Heimat. Im Sommer wurde, sobald ich die Gabe des Radlfahrns beherrschte, jeder Biergarten im unmittelbaren Umkreis aufgesucht. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine solche Biergartenkultur wie im schönen Freistaat. Wir Münchner sind zwar nicht gerade für unsre Freundlichkeit und Gastfreundschaft bekannt, dass liegt aber nun mal daran, dass wir das mit der Tradition sehr hochhalten. Mit der Einhaltung ein paar einfacher Regeln sehen wir uns aber vollkommen befähigt, Platz am Tisch zu machen und unser Expertenwissen in Sachen „biergarteln“ über den Weißwurstäquator hinaus zu verbreiten. Also, schön Obacht geben, ich erklär’s euch gern.

Gut aufgetischt © Geheimtipp München

Do: Essen, aber richtig!

Zu Anfang möchte ich kurz auf die oberste Regel des Biergartens aufmerksam machen: Essen könnt ihr euch gern selbst mitbringen, Getränke nicht. Sushi oder eine Pizza vom Lieferdienst liefern lassen zählt allerdings nicht als „Essen mitbringen“, und ist demnach auch nicht erlaubt. Für das Rundum-Erlebnis rate ich euch zu einer klassischen Brotzeit. Nicht fehlen darf: Obazda und Radi. Ansonsten gibt es auch vor Ort alles, was ihr braucht – warm und kalt. So, haben wir das auch geklärt, dann geht's los mit dem Biergarten-Guide. Über allem steht sowieso: Habt's Spaß im Biergarten, genießt das bayrische Lebensgefühl und die Gmiatlichkeit!

Weißwurst geht eigentlich immer? Eben nicht! © Geheimtipp München

Don’t: falsches Weißwurst-Timing

Eigentlich wirklich die absolute 08/15-Regel. Doch viel zu oft sehe ich Zuagroaßte, aber auch Einheimische, die ihre Wurst noch nach 12:00 Uhr mittags zuzl’n. Und da muss ich dann ganz klar einschreiten. Eine Weißwurst ist ein Frühstück. Kein Nachmittagssnack und schon gar kein Abendessen! Punkt. Aus. Fertig. Ende der Diskussion. Ganz klassisch wird sie auch mit Brezn, süßem Senf und einem Weißbier genossen. Ohne wenn und aber, eigentlich. Abstriche könnte ich bei der Bierwahl machen. Wer kein Weißbier mag, dem sei auch ein Helles gestattet. Das war’s dann aber auch mit der Extra(weiß)wurst. 

Ordentlich zulangen: im Biergarten definitiv erlaubt. © Geheimtipp München

Sperrstundenwissen

HERRGOTT ZACK, DES WAR A ENGE GSCHICHT!

Kurz sah es nicht so rosig aus. Am 12. Mai 1995 gab es eine Biergarten-Revolution in München, denn der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte eine Sperrstunde um 21:30 Uhr angesetzt. Das war den Münchnern definitiv zu früh. Ein paar Tage später wurde die „Bayerische Biergartenverordnung“ ins Leben gerufen und die Sperrstunde auf 23:00 Uhr gelegt. Manchmal würde man zwar noch länger sitzen wollen, aber hilft ja nix. Außer, wir zetteln mal wieder eine Revolution an.

Do: Hand anlegen

In Bayern leben wir zwar nicht in Holzhütten im Wald und schießen uns mit Gamsbart auf dem Kopf ein Reh zum Abendessen, aber: So ein Hendl extrem zivilisiert mit Messer und Gabel essen ..., das muss nun auch nicht sein! Mit den Händen kann man auch viel besser „fiesln“, also das zarte Fleisch vom Knochen lösen. Genau aus diesem Grund gibt es übrigens auch zu jedem Hendl ein Zitronen-Erfrischungstuch. Und nicht, weil sich mancher Herr der Schöpfung nach dem Klogang die Hände nicht wäscht. Für den Kartoffelsalat, den es klassischerweise zum Hendl gibt, darf man dann aber wieder beherzt zur Gabel greifen – sonst wird’s a rechte Sauerei.

Und sie brach das Brot... Der Biergartenbesuch, für unsere Autorin regelrecht heilig. © Geheimtipp München

Don’t: falsch Bier bestellen

Wenn ihr an der Schänke euer Bier bestellt, stellt sich in vielen Biergärten die Frage nach der Größe des Krugs gar nicht. Da gibt es nur eine Maß. So verschwinden auch direkt die Probleme beim Bestellen, denn es gibt einfach „Ein Helles, bitte“. Weil ihr mit dem Auto da seid oder euch erst einmal langsam rantasten wollt, ist euch aber eher nach etwas weniger Biervergnügen? Ok, es sei euch verziehen! Aber dann bitte „A Hoibe“ bestellen und kein „kleines Bier". Kurz zusammengefasst: „A Hoibe“ = 0,5 Liter und „A Maß“ = 1 Liter. Und zefix, es heißt nicht „Maaaas“, sondern „MaSS“, die Betonung liegt auf dem scharfen ß, nicht auf dem a. Dann freut sich auch der Mensch am Ausschank und dankt's euch vielleicht mit einem Extraschuss. 

Eine Maß ist viel? Normales Bier halt © Geheimtipp München

Do: ordentlich prosten

„Prost ihr Säcke!“ gilt nicht nur auf der Wiesn. Das Zuprosten ist bei uns ein Teil der Lebenseinstellung, und gehört fest zum Programm. Gerade im Biergarten geht es sehr gesellig zu, da ist einmal Zuprosten einfach zu wenig. Pi mal Daumen würden wir sagen: pro Maß zehnmal Prosten! Und nicht „Cheers“, „Stößchen“ oder „Skål“ sagen. Nein, einfach Prost! Wenn ihr euch dabei an eine größere Gruppe wendet, auch gerne mal mit „Prost mitnand“ variieren. Das mit den Säcken ist dann jedoch eher ein Ding auf der Theresienwiese und darf im Biergarten gerne vernachlässigt werden. Grundsätzlich gibt es zwei Varianten, die gleichermaßen akzeptiert sind: Nach dem Anstoßen direkt trinken, oder den Krug noch einmal kurz auf dem Tisch abstellen. Aber: Prosten heißt Trinken. So oder so.

Hockt’s eich hera, samma mehra. - Heißt: Keine falsche Bescheidenheit, bitte! © Geheimtipp München

Don't: Socializing nicht vergessen!

Hockt’s eich hera, samma mehra – so heißt es bei uns in Bayern. Auch, wenn uns wirklich sehr, sehr oft nachgesagt wird, dass wir ein Volk der Grantler sind und man uns eher in Ruhe lassen sollte, würde ich da vollkommen widersprechen. Der Bayer an sich ist eigentlich ziemlich gesellig, hat’s halt nur nicht so mit „Schmarrn“, also mit unnötigen Gesprächen. Aber trotzdem gilt im Biergarten: Dazuhocken ist nicht nur erlaubt, sondern sogar gern gesehen. Bloß erzählt’s dann dem Bayern in seiner Krachledernen (anderes Wort für Lederhosn) nicht, wie schön es bei euch in Berlin oder Hamburg ist. Das möchte er nämlich nicht hören, da er sowieso der Auffassung ist, dass es „nirgends so schee is wia do bei uns“. Wie gut euch aber Bayern und das Bier gefällt – das hört er gern. Nachfragen auch gern erwünscht, wir sind wirklich hilfsbereiter, als man denkt!

Mein erstes Mal Biergarten

Eine teilnehmende Beobachtung eines Neu-Müncheners

Fotos von Isabell Kloss für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden. 

Sarah Langer

Sarah ist ein echtes Münchner Kindl. Heißt: „Gmiatlichkeit” hat für sie oberste Priorität. Ihr Herz schlägt für Electro-Funk-Musik und Weinschorle. Bar oder Berge, Currywurst oder Salat, Hund oder Katze – festlegen gehört definitiv nicht zu ihren Stärken. Dafür aber Kreativität, Lebensfreude und ein guter Schuss Sarkasmus.