Die neue Spezlwirschaft

Die neue SpezlwirschaftAlpenländische Genüsse in Haidhausen

Bei einem abendlichen Spaziergang durch das familiäre Haidhausen, fällt sofort auf, dass sich in der Pariser Straße etwas verändert hat - zum Guten wohlgemerkt. Die Spezlwirtschaft gibt es jetzt auch hier! Die Tische vor dem Lokal sind alle belegt, Holzbrettl mit selbstgebackenem Brot, Erdapfelkas und Obazda, sowie Teller mit köstlich aussehenden bayerischen Gerichten stehen vor den Gästen und lassen die Passanten kurz anhalten und ein wenig neidisch werden. Seit Anfang April gibt’s die neue Spezlwirtschaft in Haidhausen und schon jetzt, nach fast zwei Monaten, hat sie sich zu einer der Adressen im Franzosenviertel entwickelt, die sich vor Reservierungen kaum mehr retten kann. Zu Recht, wie wir erleben durften.

„Spezlwirtschaft“, das ist der bayerische Ausdruck für Vetternwirtschaft. Sprich: die übermäßige Vorteilsbeschaffung durch Familienangehörige oder Freunde (denn „Spezl“ gleich „Freund“). Der gebürtige Münchner Philipp Hanrieder und seine „Spezl“ kennen sich schon seit Schulzeiten. Sie hatten Lust, ein Restaurant mit gehobener, alpenländischer Küche zu eröffnen. Eine Wirtschaft mit einer Mischung aus bayerischer Gemütlichkeit und modernen Elementen,. Einen Ort, an dem nicht nur das Essen, sondern auch die Cocktails zu einem Highlight werden. Das haben sie geschafft! Zuerst in der Altstadt, im zweitältesten Gebäude Münchens – deshalb auch die Zahl 1264 unter dem Logo. Und auch mit dem zweiten Restaurant in Haidhausen. Der Unterschied zum großen Bruder im Zentrum liegt vor allem in den Räumlichkeiten. Die Karten sind identisch. In der Altstadt sind die Decken niedrig, ein Stockwerk darunter liegt der Hip Hop Club „Crux“, alles eben ein wenig mehr „edgy“. In Haidhausen hingegen wirkt dank des Außenbereichs, der hohen Wände und der denkmalgeschützten Fassade alles noch offener und freundlicher als es das im ersten Restaurant schon tut.

Der neu eröffnete Laden ist der ganze Stolz nicht nur von Inhaber Philipp und seinen Spezln, sondern auch des Restaurantleiters Önder Göcek und seines ca. 20-köpfigen Teams. Der gebürtige Münchner ist so begeistert von seinem Lokal und der Auswahl der Speisen, dass er die Frage nach seinem Lieblingsgericht schlichtweg nicht beantworten kann. Alles „uneingeschränkt empfehlenswert“ seiner Meinung nach. Geheimtipps gibt es trotzdem. Das Pils, das hier ausgeschenkt wird, ist das Ur-Becks aus Bremen. Helles können wir in Bayern, ein gutes Pils liegt dann doch eher in der Hand anderer Bundesländer. Das wohlschmeckende Pils der Brauerei Haake-Beck hat eine lange Geschichte und ist etwas ganz Besonderes in München, da es bisher nur in der Spezlwirtschaft ausgeschenkt wird. Für Weinkenner hat Sommelier Fred eine ausgezeichnete Auswahl zusammengestellt, die nicht nur an lauschigen Sommerabenden die Stimmung hebt. Barkeeper Kay sorgt derweil hinter dem Tresen für außergewöhnliche Cocktails mit bayerischen Akzenten. Als Aperitif serviert er beispielsweise Baby Goass, eine Mischung aus selbsthergestelltem Bierlikör, Himbeere und Hellem. Oder einer besonderen Spritz-Variante: mit Bierlikör, Ginger Ale und Zitrone.

Mindestens genauso schmackhaft wie die Getränke sind auch die Speisen. Von dem klassischen Rahmfleckerl mit selbstgebackenem Sauerteigbrot, über Tartar aus Wildfang-Garnelen oder Rind, hausgemachten Pommes, veganem Kohlrabischnitzel, Surf & Turf bis hin zu perfekt zubereitetem Entrecôte vom Milchkalb bietet die Karte von Koch Max Käufl für jeden Gaumen etwas. Einziges Problem: Bei so viel Köstlichkeiten, fällt es einfach verdammt schwer, sich zu entscheiden… Da hilft wohl nur: mehrmals hingehen.

Unser Fazit: Wer für sich und seine Spezl nach einem modernen aber gemütlichen Lokal mit hervorragender alpenländischer Küche sucht und noch dazu Wert auf eine besondere Getränkeauswahl legt, der weiß jetzt wo er diese Wirtschaft findet.

  • Wann kommen?

    Täglich ab 17 Uhr geöffnet. Wer im begehrten Außenbereich sitzen möchte, sollte am besten vorher reservieren.  Oder aber unter der Woche kommen. 

  • Was trinken?

    Am besten mal was Neues ausprobieren und auf die Empfehlungen von Chef und Barkeeper vertrauen.

  • Was essen?

    A Rahmfleckerl geht immer! 

  •  Was kostet's?

    Von 6 € bis 28€ - also wirklich für jeden Geldbeutel etwas Leckeres dabei!

Pics by Sharon Brehm.

Stefanie Manna

Halb sizilianisch – halb bayerisch: Bei dieser Kombo kann ja nur was Verrücktes rauskommen! Wenn Steffi nicht gerade lacht oder isst, redet sie. Oder macht sich auf die Suche nach neuen Abenteuern. Frei nach Pippi Langstrumpf "Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.“ ist Steffi am liebsten mit dem Rucksack auf Reisen. Kommt am Ende aber immer gerne zurück in die Stadt für die ihr Herz schlägt: nach München.