Die Ehrenamt-App letsact

Die Ehrenamt-App letsactMit einem Wisch zum Weltverbesserer

To be honest, ehrenamtliche Jobs sind sowas von NICHT uncool. Und egal ob Unicef, die Tafel oder kleine unabhängige Vereine - fast alle freuen sich über genau diese tatkräftige Unterstützung, denn freiwillige Helfer sind notwendig. Doch wie kommt man überhaupt zu diesen Organisationen und wie bewirbt man sich? Schon lästig, sich da erstmal alle Möglichkeiten einzeln rauszusuchen. Gut wäre doch mal eine App, ähnlich wie Tinder, nur eben für ehrenamtliche Jobs in der Nähe. Könnte das mal jemand erfinden? Gut, dass Ludwig Petersen und Paul Bäumler genau das getan haben - und zwar mit Anfang 20. Mit der App letsact haben sie ein Münchener Startup gegründet, das sich zum Ziel gesetzt hat, von der Landeshauptstadt aus die Welt zu verbessern.

Nur ein Klick zum Weltveränderer

Paul und Ludwig kennen sich bereits seit der Grundschule. Von ihrem schicken Büro in der Leopoldstraße aus wollen sie die Welt ein bisschen besser machen. Anfang 2019 haben sie die App in ganz Deutschland aktiviert. Das Portal ermöglicht es Organisationen, einen Aufruf für Helfer zu starten, egal ob für regelmäßige Veranstaltungen oder einmalige Gelegenheiten - und das kostenlos. Nutzer können dann darauf reagieren und sich in einem kurzen Anschreiben für den Job bewerben. Das spart beiden Seiten enorm Zeit. „Wir wussten aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, Freiwillige zu finden. Da wollten wir vermitteln.“ Ihrer Erfahrung nach wenden Organisationen gut ein Drittel ihrer Zeit damit auf, Freiwillige zu finden und Spenden zu sammeln. Und diese Zeit können sinnvoller nutzen.

Die Gründer Ludwig und Paul © Geheimtipp München

Ehrenamt ist gefragter als gedacht

Schon während der Schulzeit bieten Ludwig und Paul Nachhilfe für Flüchtlinge an und organisieren soziale Fußballturniere. Was Ihnen dabei auffällt: Fast immer kommt man an die Jobs nur durch Freunde oder Bekannte. Dabei ist in Deutschland die Nachfrage sehr hoch. Außerdem wollen sie das Image vom Ehrenamt grundsätzlich ein bisschen aufpolieren. Ludwig erzählt uns, wie er mit dem Verein Deine-Isar E.V. in einem Schlauchboot die Isar entlang paddelte, um dort Müll zu sammeln. Solche Beispiele zeigen uns: „Dass es eben nicht doof ist und keinen Spaß macht, sondern man am Ende selbst am meisten davon hat.“ Und so gründeten die beiden letsact, um die zusammenzubringen, die die Welt verbessern wollen.

Ehrenamtlich engagieren - aber wie? © Geheimtipp München

Gratis für alle - wer mehr Funktionen braucht, zahlt

Die App gibt es als Freemium-Modell. Das heißt, dass die Dienstleistungen grundsätzlich gratis sind, weitere Funktionen gibt es direkt in der App gegen Aufpreis. Das deckt die laufenden Kosten, denn beiden ist es auch wichtig, ein finanziell tragbares Geschäftsmodell aufzubauen. „Sodass wir nicht nur auf Spenden oder Investments angewiesen sind und damit wir möglichst viele Leute erreichen können.“ Denn letsact ist völlig unabhängig und werbefrei. Gleich am Anfang erlebten die beiden Gründer die erste Überraschung. Geplant war eigentlich nur eine App. Es zeigte sich aber, dass viele Organisationen keine Arbeitshandys haben. Daher gibt es letsact nicht nur mobile.

let's go - letsact

Von Anfang 20 bis Ende 90 - Für's Ehrenamt interessiert sich jede Generation

Und so tummeln sich auf dem Portal heute hunderte von regelmäßigen Events oder wiederkehrenden Veranstaltungsreihen: Die Essensausgabe bei der Tafel, Unterstützung bei einer Sportveranstaltung von Behinderten oder Nachhilfeunterricht für sozial Benachteiligte. All diese Projekte und ihre Organisationen werden vor Veröffentlichung der Events überprüft und dann verifiziert. Die Nutzer sind im Durchschnitt sogar älter als zu Anfang gedacht. Eigentlich hatten die beiden Macher vor allem mit Studenten gerechnet. Ihr ältester Nutzer ist allerdings schon 93 Jahre. Und die schauen dann zwar nicht täglich, aber schon sehr regelmäßig nach neuen Aufgaben. Helfen will jeder gerne, egal wie alt - so die Erfahrung des letsact-Teams.

Die beiden sind sich einig: Arbeit muss Spaß machen © Geheimtipp München

Auch Culcha Candela engagieren sich

Mittlerweile haben Portal und App mehr als 50.000 Nutzer - Tendenz stark steigend. Um ihre Reichweite zu verbessern, arbeitet die letsact-Crew viel mit Influencern zusammen. Ihre vielleicht prominentesten Partner sind beispielsweise Culcha Candela. Für das junge Team von zehn Leuten eine Herausforderung, auf ein vergleichbares Niveau wie AirBnb und Uber zu kommen. „Die Leute sind diese User-Experience gewöhnt und erwarten die auch von allen anderen Apps, die sie benutzen. Da muss man unfassbar viel Zeit investieren.“ Ludwig mit 21 und Paul mit 20 Jahren ist bewusst, dass sie in vielen Situationen die Jüngsten sind. Aber sie können selbst über ihr Alter lachen. „Auf einem Teamtrip konnten wir kein Auto ausleihen und mussten unseren Praktikanten fragen.“ Eigentlich studieren die beiden gerade, aber das wurde jetzt auf Eis gelegt, um sich ganz ihrem Unternehmen zuzuwenden. Fertigmachen wollen sie das Studium aber noch, der Fokus liegt aber erstmal auf ihrer App. Naja, Zeit haben sie für beides jedenfalls noch genug. 

Per Handy-App zum Ehrenamt. © Geheimtipp München

Fokus: Gutes tun und Spaß daran haben

„Bei uns steht im Vordergrund, dass wir etwas tun, was uns am Herzen liegt. Mit dem Ehrenamt wollen wir mehr Leute inspirieren, Gutes zu tun.“ Ludwig und Paul suchen also nicht vorrangig das große Geld für die eigenen Taschen. Für das Unternehmen allerdings schon: Das nächste Ziel sind Spenden in Höhe von über einer Millionen. Außerdem würden sie gerne mit der Plattform die 200.000 Nutzer schaffen. Und das, glaubt Paul, kann erst der Anfang sein: „Der Trend ist, dass die Leute immer weniger arbeiten.“ In Skandinavien gibt es zum Beispiel bald eine 24-Stunden Woche. „Das Ehrenamt ist etwas sehr Sinnstiftendes. Die Leute suchen nach einem tieferen Sinn.“ Und da werden Angebote wie letsact eben noch interessanter. Wie lange für die beiden ihre Rolle als Startup Chefs noch sinnstiftend sein wird, wissen sie nicht. Das Wichtigste ist für die beiden auf jeden Fall, dass sie Spaß an dem haben, was sie tun. Also geht's noch weiter: Jeden Tag die Welt ein bisschen besser machen.

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Bilder von Murat Kaydirma für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden. 

Karl Spannenberger

Karls Tage nehmen oftmals kein Ende. Denn er ist Autor, Moderator, Kommentator, DJ, Musiker, Sportler und vieles mehr. Sitzt Karl mit guten Freunden beisammen, kann ihn erst das neue Licht des nächsten Tages nachhause schicken. So sehr er sich in München zuhause fühlt: Karls größter Traum ist es, Pokemon Trainer zu werden und die Welt zu bereisen. Um sie alle zu schnappen…