Der Traum vom Tiny Living

Der Traum vom Tiny LivingMünchen VEREINt #1: Einfach gemeinsam leben e.V.

Tiny Houses sind seit geraumer Zeit in aller Munde. Trotzdem sind die Orte, an denen darin tatsächlich gelebt wird, selten bis gar nicht zu finden. Liegt das jetzt daran, dass wir es hier mit einem hohlen Hipster-Thema zu tun haben? Oder gibt’s vielleicht handfeste Gründe und Hindernisse, warum sich Tiny Houses nicht schon längst etabliert haben? Der junge Verein "Einfach gemeinsam Leben e.V." aus Münchens schönem Süden hat sich nichts Geringeres auf die Fahne geschrieben, als einen echten Mindshift im Häuslebauer-Patriachart herbeizuführen.  

In unserer neuen Rubrik "München VEREINt" stellen wir euch regelmäßig besondere lokale Vereine vor, die mit ihren schönen Aktionen und dem leidenschaftlichen Engagement ihrer Mitglieder unsere Stadt und den Alltag vieler Münchner noch lebendiger machen.

Meet the revolutionists!

Unter dem zunächst unspektakulären Namen „Einfach gemeinsam leben e.V.“ hat sich bei der Gründung vor etwas mehr als einem Jahr ein loses Kollektiv zu einem eingetragenen Verein zusammengetan, um ein umso spektakuläreres Ziel zu verfolgen: Die Bundesgesetzgebung zu verändern. Das größte zu bekämpfende Problem eines jeden Tiny House Fans besteht nämlich im deutschen Baurecht. Damit die eigentlichen Ideale, die hinter der Tiny-House-Bewegung stehen, auch wirklich gelebt werden können, müssen also erst einmal gesetzliche Rahmenbedingungen geändert werden. Und genau das sind die Vereinsmitglieder dran.

Souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.

Niko Paech, deutscher Volkswirtschaftler

Wir durften die "Einfach gemeinsam leben"-Mitglieder beim Sommerfest 2019 kennenlernen. © Einfach gemeinsam leben e.V.

Geselligkeit auf engstem Raum - Vielleicht in Zukunft auch in München? © wohnwagon.at

Fänden wir gut. Denn: Gemütlicher geht's eigentlich nicht. © wohnwagon.at

Herausforderung: Die Raumaufteilung will gut überlegt sein. © wohnwagon.at

Zeit für Veränderung

Für Vereinsmitbegründer Thorsten Thane stand am Anfang eigentlich nur die bescheidene Idee, weniger Platz zum Leben zu beanspruchen. Eigentlich wollte er nur mit seiner Tochter klein, cosy und im eigenen Reich wohnen. Eigentlich hatte er sich das auch ein wenig einfacher vorgestellt. Eigentlich. Aber schnell war klar, was leider schon vielen Tiny House Fans ins Gesicht peitschte: Bisher sind für Pläne wie die von Thorsten und vieler anderer wenig Platz in der deutschen Konformität. Was die deutsche Konformität allerdings nicht wissen konnte: Thorsten kann auch anders. Da er ja sowieso lieber in einem ganzen Tiny Dorf leben wollte, machte ein aktives Kollektiv für ihn gleich doppelt Sinn. "Zusammen sind wir stärker!" Die Idee für einen mittelfristig genossenschaftlich organisierten Verein war geboren.

Guck mal einer an! - Videotipp zum Thema

Weniger ist mehr

Egal wie leicht, klein, unaufdringlich und auch mobil ein solches Micro-Home auch ist, aktuell benötigt man eine Baugenehmigung wie für ein 50-Tonnen Betoneigenheim und natürlich auch stinknormales und damit oft übertrieben teures Bauland. Per se schon mal zwei Totschlagargumente für die meisten Tiny-House-Fans, denen es ja eigentlich ums "gesundschrumpfen" geht. "Weniger ist mehr" ist eben nicht nur eine Kalenderspruch-Floskel, sondern auch eine Lebensweisheit, die aktueller den je scheint. Um glücklich zu sein, braucht es eben nicht für alle einen Bentley-SUV und eine Bogenhausener Villa. Mit leichtem Gepäck lebt‘s sich irgendwie auch leichter  - das weiß jeder, der am herbstlichen ausmisten des Kleiderschrankes oder der ganzen Wohnung scheitert. Die Konsumgesellschaft erzeugt immer mehr Produkte, die dann natürlich auch immer kurzlebiger sein müssen und eben auch immer mehr Platz brauchen. Gegen diesen Trend steht die Idee des Minimal Living. Für die Tiny-House-Revoluzer beginnt die eben schon bei der Größe des Eigenheims.

Die Tiny Dorf Idylle hat such euch gepackt? Dann werdet doch Teil der Bewegung! © wohnwagon.at

The Power of Community

Wie aber der Vereinsname schon vermuten lässt, geht es der Wolfratshausener Crew um weitaus mehr als nur darum, ein Konsumstatement zu setzen. Die angenehm zurückhaltende Größe der neuen Eigenheim-Vision bringt nämlich eine endlose Palette an weiteren Vorteilen mit sich. So ist z.B. ein Dorf aus solchen Wohlfühlwägen wesentlich kleiner als der herkömmliche bajuwarische Weier. Die Menschen wohnen enger und somit auch eng verbunden in einer funktionierenden Community - quasi Landleben 2.0. Flächen werden gar nicht erst versiegelt und das eigene Wohnen somit noch nachhaltiger. Und das Beste: Dieser Wohnraum ist auch noch wirklich bezahlbar und somit eine valide Altersvorsorge. Wenn da nicht das Problem mit dem Bauland wäre...

Ihr seid Tiny-House-Befürworter?!

DANN SETZT EIN ZEICHEN!

Checkt doch mal die Pläne von "Einfach gemeinsam Leben e.V." genauer aus. Wer den Verein unterstützen will, unterzeichnet die bundesweite Petition.

Kleine Checkliste zum VEREINen

  • Mitglieder kennenlernen

    Mitglied werden könnt ihr passiv und aktiv. Wer sich mit den Tiny-House Freunden aus Wolfratshausen erst einmal connecten möchte, kommt zum Beispiel einfach mal zum Stammtisch.

  • Tiny House News

    Ihr seid für mehr bunte Vielfalt in München und Umgebung - auch beim Thema Wohnen? Dann meldet euch doch zum Newsletter des Vereins an und lasst euch regelmäßig auf den neusten Stand der Dinge in Sachen Local Tiny Living bringen.

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.