Der Nussbaumpark

Der NussbaumparkVom Un- zum Lieblingsort

Es gibt sie noch – sogar in unserer blitzeblanken, durchoptimierten Oberachiever-Stadt, die so rasant immer lebenswerter wird, dass manch einer kaum noch Schritt halten kann: Un-Orte. Zum Beispiel den Nussbaumpark. Wer ihn kennt und nicht zu gewissen Randgesellschaftsschichten gehört, meidet ihn in der Regel lieber.

So war das bis zum 11. Juni. „Irgendwie ist es hier heller geworden, erzählen mir die Leute.“ Zehra, die seit Jahrzehnten die Münchner (Sub-) Kulturszene prägt, ist dem Park natürlich nicht mit der Motorsäge zu Leibe gerückt, sondern hat ihn zurück ins Leben gerufen.

Make Nussbaumpark gschmeidig again!

Für 13 Wochenenden ist der nämlich jetzt Münchens erster "Craftbeergarten". Mit Fassbier von verschiedenen Münchner Craftbeer-Brauereien, gemütlichen Liegestühlen, Power-WiFi mit 100MBit, 10 Hochbeeten zum Stadtgarteln, einer bunten Lichterkette fürs „Rimini-Banana-Split-Feeling“ und den weltbesten Ochsenfetzen. Zubereitet vom caritativen Catering-Service „Viva Clara“. Wie alles hier erschwinglich zu nem Appel und nem Ei.

Craft Beer tasten!

Probiert euch hier durch verschiedenste, frisch gezapfte Craft Biere! Jedes Wochenende schmeißt eine andere Münchner Craft Beer Brauerei die Bar. Darunter Tilmans, Hoppebräu, Brew Mafia u.v.m.

Die Gestaltung der Buden überließ Zehra dem Writer Cemnoz, der die beiden Buden all over mit Hip-Hop-Lines und Psalmen verzierte. Auch die DJs dürfen, ja, sollen sich hier austoben. Das hat dann schonmal eine wilde Mischung aus Simon & Garfunkel, Elektro-Swing, Tatort, Rex Gildo und Karibik-Lounge zur Folge.

Das hauseigene „Radio Nussbaumpark“ überträgt das ganze live. Und manchmal kommen Gesprächsrunden dazu, die vor der kleinen Holzhütte drei Bäume weiter stattfinden. Zu Themen wie Minderwertigkeitskomplexen, europäischer Identität oder der Feierbanane.

Die Mischung machts hier nicht nur in Bezug aufs Programm. „Anstatt sie zu vertreiben, wollen wir die Junkies und Tagelöhner, die hier im Park wohnen, mit Normalos zusammenbringen. Am Anfang waren die skeptisch, aber jetzt kaufen sie ihr Bier hier und leihen sich Liegenstühle aus. So wenig Vandalismus wie hier hatten wir noch nie.“, erzählt Zehra.

So kann man mit viel Respekt und ganz wenig Tamtam einen "Un-Ort" umkrempeln zu einer friedlichen Chillout-Oase mitten in der Stadt. Bravo! Gebt München mehr davon!

Verena Schindler

Gut ist, was neu ist! Verenas Augen und Ohren sind permanent im Aufnahmemodus. Als Designerin freut sie sich über alles, was das als spießig verurteilte München auf der Skala der hippen Städte etwas steigen lässt. Zum Reizflut-Ausgleich: einen Cappuccino in der Sonne – very Munich... Die Welt sehen?! Unbedingt! Woanders leben? Auch cool. ABER: keine Berge sind keine Option.