Der Niedergang der Brezn

Der Niedergang der BreznOder: Wie München sein Traditionsgebäck behandelt

Oh du schönste Backware unter den Backwaren – du bist das Heimweh, was uns quält, wenn wir auf Reisen an den fernsten Orten dieser Welt sind. Du bist die Rettung, wenn der verkaterte Sonntagmorgen sein Tribut fordert. Die salzige Geheimzutat für ein süßes Leben. Der Anker auf verschwommenen Oktoberfestbesuchen. Der unersetzliche Wegbegleiter beim zünftigen Weißwurstfrühstück. Der kleine Hunger in der hektischen Mittagspause. Du bist so viel für mich – und doch haben wir beide seit geraumer Zeit ein kleines Problem miteinander. Für das du eigentlich gar nicht kannst. Und doch müssen wir reden!

Wahr gewordenes Brezn-Trauma

Das regelmäßige Szenario: Ich stehe früh morgens mit leuchtenden Augen (also soweit sie schon leuchten können zu dieser Uhrzeit) und knurrendem Magen beim Bäcker. Die reich bestückte Theke lädt zu Frühstücks-Experimenten ein, aber ich bleibe dir treu. Natürlich. „Eine Butterbreze, bitte!“ Trotz der viel verlangten 3€, die ich über den Tresen schiebe, verlasse ich glückselig den Laden, voller Vorfreude auf den ersten Bissen. Was dann passiert, endet in purer Enttäuschung, denn schon beim aus der Tüte holen merke ich: Das wird nix. Es bröselt wild durch die Gegend, das Geschmackserlebnis könnte fader nicht sein und by the way – sind die Zähne alle noch drin? Also ehrlich: Ich hab vom Backen echt so viel Ahnung wie von Physik (also gar keine), aber wie kann es denn sein, dass man sich bei uns in Bayern – also quasi der Brezn-Hochburg schlechthin, wenn wir Baden Württemberg mal gekonnt ignorieren –  mittlerweile auf eine Schnitzeljagd begeben muss, um eine Breze zu finden, die einen weichen Bauch und knusprige Ärmchen hat? Die noch dazu keine 3 € kostet. 

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Beste Begleiter.

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Glücklichmacher? Bis jetzt ja!

Fun Fact zur Brezn

  • Wo ist der Unterschied?

    Bayrisch vs. schwäbisch: Die bayerische Version glänzt tatsächlich durch einen geringeren Fettanteil – und hat keinen aufgerissenen Bauch, sondern einen Schnitt. In Bayern mag man es knusprig, im Schwabenländle eher luftig-locker. 

  • Save the Brezn!

    Kein Scherz: Seit 2014 sind die Begriffe „Bayerische Breze“, „Bayerische Brezn“, „Bayerische Brezel“ und „Bayerische Brez’n“ von der Europäischen Union geschützt. Hochoffizieller geht also nicht.

Sorry not sorry

Mir bleiben jetzt genau drei Möglichkeiten, die ich alle gleichermaßen besch…eiden finde: Entweder ich hau das Teil sofort in die Tonne, weil schmecken ist anders; ich renne zum nächsten Bäcker, hoffe auf Erfolg und bewahre mir das ungenießbare Exemplar für Laugenknödel auf oder ich lasse das heute einfach mal mit dem Arbeiten und wage den Selbstversuch, der mit recht hoher Wahrscheinlichkeit daneben geht. Merkste selber. Alles doof. Aber woran liegt es denn, dass unsere traditionellen Laugenkunst derart zugrunde geht? Haben Maschinen die Menschen ersetzt? Die Menschen, die seit etlichen Generationen in den frühen Morgenstunden in ihrer Backstube stehen und fleißig kneten und formen? Oder liegt es am allgemeinen Semmel-Überangebot, dass unsere verehrte Breze nicht mehr genug Liebe bei der Zubereitung erhält? Oder haben die das altbewährte Familienrezept versehentlich verlegt? Und – andere Frage – kann mir mal einer erklären, woher der plötzliche Preisaufschlag kommt? Ist da Gold im Teig? Was auch immer es ist: Please! Make the Breze great again! Schließlich ist sie für uns quasi wie ein Aushängeschild für die Außenwelt. Ein Statement. Eine Offenbarung. Eine Liebeserklärung. Das beste Gebäck der Welt. Und ich würde wirklich ungerne demnächst zu den Schwaben fahren müssen, um dort meine Brezeln (ja, so heißt das da) zu kaufen. Die können’s nämlich noch. 

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Egal wohin wir gehen – die Brezn muss mit!

Das Leben ist bedenklich brezelig und selten ofenfrisch. Nicht jeder kriegt den Knoten auf, meist fehlt es an Butter und leider kann man sich die Bäckerei nicht aussuchen.

Karl-Heinz-Karius

Jetzt seid ihr dran!

Wo gibt's eure Lieblingsbrezn?

Vielleicht liege ich ja auch ganz falsch – und ich hab einfach noch nicht die richtige Bäckerei entdeckt. Aber vielleicht könnt ihr mir ja helfen? In der Redaktion waren die Favoriten ganz klar: Die Brezelina, der Zöttl und das Backhaus am Eck am Kapuzinerplatz haben die Besten. Was meint ihr? 

Julia Knobe

Seit sich unser abenteuerlustiges Nordlicht Julia mit 'nem echten Bayern eingelassen hat, hat sich in ihrem Leben einiges geändert: Statt steifer Brise ist frische Bergluft angesagt! Den Heimathafen Hamburg immer im Herzen, könnte Julia sich ans fesche Dirndl, das süffige Helle und den charmanten Dialekt durchaus gewöhnen.