Das Wabi Sabi Shibui

Das Wabi Sabi ShibuiAuthentischer Underdog der Gastroszene wird zum Deli

Das Wabi Sabi Shibui an der Ludwigsstraße - für seine Lage nur einen Steinwurf vom Odeonsplatz entfernt, ist es ein eher unkonventionell wirkendes Lokal. Im Gespräch mit Klaus, einem der beiden Gründer erfahren wir bereits vor Corona, was diese bewusst unperfekte Bar zu einem Schmuckstück der Münchner Gastroszene macht und welche Rolle Japan dabei spielt. Und bevor ihr jetzt fragt: Nein, wir machen euch den Mund nicht umsonst wässrig. Die Schmankerl vom Wabi Sabi könnt ihr euch dank Umfunktionierung des Lokals zum Deli nämlich auch momentan nach Hause holen.

Reduzierte Realness

Das Wabi Sabi Shibui versucht nicht, ein Konzept vorzuspielen. Der relativ kleine Laden mit 30 Sitzplätzen, die sommerliche Terrasse mitgezählt 60 Sitzplätze, nimmt keine Reservierungen an. Dadurch ist das Klientel unglaublich gemischt - Familien, Freunde der Inhaber, junge Leute beim abendlichen Drink hängen hier normalerweise gemeinsam ab. Das Wabi Sabi Shibui gibt sich reduziert - im positiven Sinne. Es gibt ein paar Drinks, ein paar Starter und ein selektierte Gerichte. Bei dieser sorgfältigen Auswahl des Angebots ist alles auf den Punkt gebracht und stimmig mit dem Gesamtbild: der Weltanschauung des sogenannten Wabi Sabi. Was das heißt?

Die Lehre des Wabi Sabi

Wabi Sabi bezeichnet eine japanische Weltanschauung. Es geht zum einen darum, die Natur und deren gegebene Unperfektheit wertzuschätzen und ihre Ästhetik nachzuempfinden. Die Schönheit einer Sache liegt demnach in ihrem fehlbaren Charakter, in ihren Mängeln mit Ecken und Kanten. Puh, ganz schön philosophisch!

Natur als Inspiration und Dekoration © Geheimtipp München

Zurück zum Münchner Wabi Sabi Shibui

Das ist nämlich garnicht Klaus’ erstes Projekt. Mittlerweile zehn Jahre ist der Inhaber der Goldenen Bar im Haus der Kunst. Sein Leben lang ist Klaus Bartender, aber selbst bei so einer großen Haus (der Kunst) Nummer wie der Goldenen Bar muss man Kompromisse eingehen. „Man hat Ideen und Erfahrungen, was man anbieten will“. Im Wabi Sabi Shibui geht das ohne den Schulterblick auf das Haus der Kunst. Hier haben sich Klaus und Leonie, seine Mitinhaberin, sogar den Traum von einer integrierten Galerie verwirklicht und dieses Mal die Kunst ins eigene Haus geholt.

Hereinspaziert!

Mit dem kulturellen Wissen im Hinterkopf wird schnell klar, was den Laden ausmacht. Klaus’ Vision spürt man in der Atmosphäre ebenso wie auf der Karte. Das Wabi Sabi Shibui ist kein Copy Paste Japaner, sondern ein alternatives, kreatives Herzensprojekt. „Wenn man reinschaut, erkennt man sowieso, das es ein anderer Laden ist. Man muss entscheiden, ist das was für mich oder nicht.“ Neugierde und Offenheit für ein authentisches, andersartiges Angebot ohne Schwellenangst sind der treibende Faktor, ganz nach der Wabi Sabi Philosophie eben.

Yuzu Gurken, Kimchi und Sesam Spinat. Der Starter-Himmel! © Geheimtipp München

Der Klassiker: Tan Tan Men © Geheimtipp München

Drink oder Installation? Der Saketini beeindruckt. © Geheimtipp München

„Diejenigen, die ihre Sachen gerne machen, sind die, die geilere Sachen machen.“

Klaus, Mitinhaber des Wabi Sabi

Wer kann, der kann

Wie das aussieht? Nach moderner, verspielter japanischer Küche mit westlichen Einflüssen. Klar gibt’s Ramen und Edamame. Aber der Stammkunde weiß: die abgefahrenen Gerichte, die Underdogs des Menüs, zeigen erst den Skill des Wabi Sabi Shibui. Klaus und Leonie haben eine Instanz erschaffen, alternativ, japanisch und authentisch. Im Essen, im Dekor und im Spirit. „Diejenigen, die ihre Sachen gerne machen, sind die, die geilere Sachen machen.“ Word!

Wabi Sabi goes Deli

Wer sich aktuell selbst überzeugen möchte - Klaus und Leonie haben das Wabi Sabi Shibui kurzerhand zu einem Deli umfunktioniert. Von 11-17 Uhr gibt’s da Snacks, Sweets und Alkoholisches. „Der erste Späti für tagsüber“. Hin da!

Bilder von Murat Kaydirma für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebenen entstanden. 

Colette Conrad

Colette findet ihr überall, wo es prinzipiell lecker, fernöstlich oder #aesthetic ist. Mit ihrem Designstudium in der Tasche ist sie dem nächsten Hype auf der Lauer - ob in den Pinakotheken oder in der nächsten Bar.