Das MURAL

Das MURALStreetfood-inspired Highclass Dinner

Manche Dinge findet man im Leben ja dort, wo man sie gar nicht erwartete hätte. Zum Beispiel den verlegten Haustürschlüssel im Kühlschrank, die verlorene Unschuld sowieso immer beim falschen Mann oder die Helene Fischer CD im Handschuhfach von Papas Auto. Zugegeben, das sind alles eher unerfreuliche Beispiele, aber es gibt auch Situationen, da entdeckt man Überraschungen an so unüblichen Orten, dass einen das Erlebnis so richtig flasht. Zum Beispiel, wenn man auf eine hochklassige Spitzenküche trifft - in einem Museum für Streetart. Ein Bisschen versteckt ist er schon, der Eingang zum MURAL, der nunmehr dritten Gastronomie vom Moritz Meyn. Schlendert man an der Museumskasse vorbei, entdeckt man den Vorhang zu einem ganz besonderen Kunsterlebnis im Muca, dem Museum of Urban and Contemporary Art in der Hotterstraße.

Kunst ist auch bei Moritz, Küchenchef Franz-Xaver Mayer-Heinisch und ihrem Team Programm. Und zwar zu jeder Tageszeit - Brunch, Lunch und Dinner. Mit originellen Neuinterpretationen klassischer Gerichte und Zutaten geben die Mural-Küchenpros jeder Tellerkreation einen ordentlichen Schuss Streetart mit. So findet ihr auf der Mittagskarte zum Beispiel Lachs Ceviche (11 Euro), Udonnudeln mit Beef und Cashewkernen (10 Euro) oder einen hausgemachten lauwarmen Krapfen aus Schokolade und Ricotta auf fruchtiger Brombeersoße (6 Euro). Allesamt Gerichte, die auf dem Boden der Tatsachen bleiben, aber eben mit dem gewissen Pfiff, der einen inspiriert aus der Mittagspause wieder ins Büro hüpfen lässt. Denn so wie die Inspiration im Mural um sich schlägt, muss sie auch auf jeden Gast abfärben. Wem das nicht passiert, der ist vermutlich scheintot, mindestens hat er aber seinen Sinn für schöne Details verloren. Und das nicht etwa nur wegen der außergewöhnlichen Dekoelemente, die man hier an Decken und Wänden findet.

„Unser Team besteht zu einem großen Teil aus hochklassig ausgebildeten Köchen, die in der ganzen Welt zuhause waren und sind“, erzählt Küchenchef Franz. „Ein anderer Teil - und der ist ebenso entscheidend für die Art unserer Küche - setzt sich aus Quereinsteigern zusammen. Keine geschulten Kochprofis, sondern einfach Menschen, die eine ganz besondere Leidenschaft für besondere Küche und ganz viel Talent und Phantasie mitbringen.“ In dieser Konstellation experimentieren sie zusammen mit Moritz und Franz mitunter monatelang an Gerichten und Menüs. Während die Küche morgens und mittags alltagstauglich bleibt, setzt die Crew am Abend nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schüsse Küchengenie drauf. „Was wir abends hier anbieten, ist vielleicht nicht das, was alle Gäste erwarten“, sagt Inhaber Moritz Meyn. „Aber es ist das, worauf wir alle unheimlich viel Bock haben: Fine Dining.“

Huh, jetzt nicht erschrecken! Gleich denkt man an lange Tische mit weißen Platzdeckchen, Stuhlhussen und vor allem ganz viele Stöcke im Allerwertesten. Das soll Fine Dining im Mural aber eben genau NICHT sein. „In vielen Lokalen mit Highclass Küche kannst du eine Stecknadel fallen hören“, sagt Moritz. „Bei uns bleibt die Musik aber unbedingt an!“ Soll heißen: Der Abend ist im Mural ebenso geil, bunt und verrückt Streetart-infused wie der Morgen und der Mittag. Aber eben noch ausgefallener und küchenkünstlerischer. Ihr habt die Wahl zwischen einem 4- und einem 6-Gang Menü. Kostenpunkt 65 bzw. 85 Euro. „Wobei wir mit dem Gruß aus der Küche zu Beginn und einem Neutralisatior vor dem Hauptgang eigentlich dann bei sechs bzw. acht Gängen sind“, erzählt Moritz. Die Platzanzahl dezimiert er an den Abenden auf 20 Personen. „Wir könnten die Tische auch enger stellen, um möglichst viele Leute unterzubekommen. Aber das wollen wir nicht. Zu jedem Gang, jedem Wein erklären wir den Gästen, was wir uns dabei gedacht haben. Das braucht Platz und Zeit. Und von beidem haben wir so mehr.“

Wovon Moritz Crew aber sogar noch mehr hat, sind Ideen. Und zwar ausgefallene und unerschrockene. Und das ist gut so, denn es bringt uns Gästen Dinge auf die Teller, die wir so noch nicht gesehen haben. Nicht nur mit Zutatenkombis wird experimentiert, auch mit den Konsistenzen. „Wenn man Lakritz lange einkocht, glänzt es wie Lack“, erzählt Moritz. Das ist nur eine der vielen Erkenntnisse, die das Team sich gemeinsam erarbeitet. Der Oktopusschwanz wird halb zu Ceviche, halb grilled zubereitet, die Softshellcrab kommt im mit Sepiatinte schwarz gefärbten Burgerbun daher. „In jedem Gericht steckt ganz viel Arbeit, es dauert mitunter Monate bis wir damit zufrieden sind und es den Gästen servieren wollen.“ Aber damit ist dann noch nicht Schluss: Karte und Gerichte entwickeln sich im Mural, wie auch in den beiden anderen Läden von Moritz, dem ISSES und dem Kopper immer weiter. Und mit ihnen auch die Gaumen-Horizonte von uns Gästen. Fazit: ein Mehrgang Menü im Mural ist sicher nichts alltägliches. Und das soll es auch gar nicht sein. Aber wie bei seinem Lieblingskünstler zieht es einen immer wieder mal in seine neuen Ausstellungen. Denn Inspiration ist etwas von dem man nie satt wird - mit den Augen und mit allen Sinnen.

Pics by Thomas Tomski.

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.