Das KUNSTLABOR

Das KUNSTLABORKunst im Selbstzerstörungsmodus

Ist das noch Kunst oder kann das weg? Seit Beginn der Streetart stehen Künstler wie 1UP, Obey und allen voran der Vorreiter Banksy in der Diskussion. Wo zieht man die Grenze? Ab wann ist ein Graffiti Kunst oder einfach nur Schmiererei im öffentlichen Raum? Ist es jetzt Vandalismus, wenn Barbara ihre Sticker klebt? Und ist es nicht einfach nur "ganz cool", wenn eine leerstehende Supermarktfiliale vor ihrem Abriss noch einmal als Kunstprojekt erblüht? Letzteres passiert gerade im Münchner Westen: Mit über 5.000 Quadratmetern Innen- und Außenfläche ist das KUNSTLABOR ab dem Wochenende 13./14. Oktober eines der größten Kunstprojekte in München. Genug Platz, um alle Facetten der Streetart erlebbar zu machen.

Verborgen hinter der Fassade des ehemaligen Tengelmann Hauptsitzes werkelten in der Landsberger Straße 350 nationale und internationale Künstler über Wochen an einem riesigen Projekt. Es wurde gemalt, gebaut und gesprayt was das Zeug hält - und das völlig legal! Was dort entstanden ist, sind nicht einfach irgendwelche Kritzeleien, sondern wahre Kunstwerke. Als Inspiration und Kulisse dienten den Artists unter anderem zahlreiche Relikte des ehemaligen Bürokomplexes. So wurde eine graue Tapete zur Leinwand, ein Büroschrank zur Kunstinstallation. 

Der schwebende Feuerlöscher von Ella & Pietr

Kritische Installation von Wandel über Plastikmüll im Ozean

Der Raum von HNRX

Ein Stuhl von Patrick Hartl

HEIMAT von ZEUS thematisiert durch optisch anmutende Schiffscontainer die Flüchtlingspolitik

Hinter dem Projekt stehen Stephanie Utz, Leiterin des MUCA und Marketingchef Boris Schmidt

URBAN ART?

Was genau bedeutet das?

Zum Ersten. Zum Zweiten. Und weg! Erst vor kurzem machte der britische Street Art Künstler Banksy wieder mit einer umstrittenen Aktionen auf sich aufmerksam und stellt mit seinem geschredderten Ballonmädchen einmal mehr unter Beweis, wie unkonventionell Street Art sein kann. Nur spielt sich die eben größtenteils "auf der Straße" ab. Urban Art versucht die Brücke zu schlagen, um dieser Kunstform quasi einen legalen Raum zu geben. Denn Graffitis, Streetart oder Stickerkunst haben sich mittlerweile als zeitgenössische Kunstformen etabliert. Das Münchner Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, Urban Art "museumstauglich" zu machen - und schafft damit den Dialog mit anderen Genre zeitgenössischer Kunst. 

Das Coole: Die Ausstellung entwickelt sich stetig weiter - und der Besucher ist live dabei. So könnt ihr momentan zum Beispiel dem Münchner Künstler Limit bei der Arbeit über die Schulter schauen. Und auch weitere Räume stehen in dem riesigen Komplex noch leer, um von weiteren Artists aus aller Welt in Farbe getaucht zu werden. Sei es sozialkritisch, einfach nur schön anzusehen oder mit Bezug auf den ehemaligen Tengelmann-Hauptsitz. Das hier ist Kunst zum anfassen. Kein nerviges Aufheulen der Alarmanlage, wenn man einem Objekt zu nahe kommt... Mensch, das ist aber auch immer nervig!

Noch bis Ende Dezember könnt ihr durch das KUNSTLABOR in der Landsberger Straße 350 schlendern. Dann verschwinden die Kunstwerke wieder - für immer - wie so oft bei Street Art Projekten. Sicher macht auch das den Reiz an dieser Kunstform aus: Die Vergänglichkeit. Altes muss irgendwann Neuem weichen. Und so verschwindet auch die Zwischennutzung samt Gebäude nach der Ausstellung für einen Neubau. Bis dahin gilt es dem einzigartigen Kunstprojekt einen Besuch abzustatten und die Räumlichkeiten in ihrer neuen, "alten" Pracht zu erleben. 

Pics by Anna Pauels & MUCA München

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt hat mehr Platz zum Tanzen.