Das Kopper

Das KopperGlänzendes Lunch am Kupfertresen

Mit dem Lunch ist es so eine Sache... Mittags vom Bürostuhl aufschrecken (der Magen hat geknurrt!), schnell Jacke an, den Lieblingskollegen geschnappt und ab auf die Straße! Aber wohin?! Ach hier guck mal, ein Bäcker - ne schnelle Wurschtsemmel auf die Hand, runterschlingen, fertig. Für das Goodfeel noch einen eher lauwarmen Espresso hinterhergeschüttet - das muss reichen. Muss es eben nicht! Denn es gibt Orte, an denen wird die Lunchte noch zelebriert. Kleine Oasen, an denen man sich mittags eine Auszeit vom Bürostress und etwas richtig Gutes gönnen kann. Solch eine Oase ist das Kopper in der Theresienstraße.

Wer nicht weiß, wo das Kopper seine Eingangstür hat, der läuft Gefahr, daran vorbei zu laufen. Ein fataler Fehler! Es schreit kein großes Schild am Eingang "Hier gibt's qualitativ großartiges Lunch zum fairen Preis" (-obwohl genau das der Fall ist). Dafür empfängt einen ein zurückhaltender Vorhang, der einen - schiebt man ihn zurück - mit einem Blick auf einen edel und gleichzeitig warm eingerichteten Gastraum willkommen heißt. Links ein imposanter Tresen in Kupfer getaucht - wie auch die Wandkunstwerke und Details des stylisch-kunstvollen Interieurs - alles inspiriert und erdacht vom Graffitikünstler Christoph Hässler alias Stohead. "Das metallische gibt dem Kopper seinen Namen", erklärt Lenka Li Lilling. Sie kümmert sich um alles was mit Social Media, PR und Eventplanung zu tun hat - und zwar ebenfalls für das ISSES in der Elisabethstraße und seit Kurzem auch für das Mural im MUCA, dem Museum of Urban and Contemporary Art München. Geteilten werden alle drei Lokale vom Münchner Gastronom Moritz Meyn.

Der moderne, coole Stil im des Kopper steht im Gegensatz zu den Menschen, die einem den Aufenthalt hier versüßen. Herzlich und warm empfängt uns nicht nur Lenka, sondern auch Koch Moritz Martin, der mit seinem Mittags-Team in der wohl kleinste Küche Münchens (rund 6 Quadratmeter) ganz erstaunliche und originelle Gerichte zaubert. "Ich fühle mich hier im Team echt zuhause, ich bin angekommen", sagt Moritz. Und das merkt man nicht nur ihm, sondern auch den Tellern an, die er nach einander aus dem Handschuhfach der Köstlichkeiten herausträgt. Der Isrealische Herbstsalat (erfrischend mit Datteln, gerösteten Nüssen und Babyspinat), das Big Easy Gumbo (die Kombi, ein Highlight: Chorizo, Okraschoten, Huhn und Shrimps). Oder klassisch: die Taccos, die wir schon aus dem ISSES kennen und die man wahrscheinlich in ihrer Authentizität erst richtig zu schätzen weiß, wenn man mal von einer mexikanischen Mami zuhause bekocht wurde.

Auch toll (und zwar sehr zu unserer Überraschung, denn Rübe klingt immer eher oll) das cremige Steckrübenrisotto mit Parmesan und Petersilie abgeschmeckt. "Wir versuchen immer alte Zutaten neu einzusetzen und mal anders zu kombinieren", erklärt Moritz, der sich zusammen mit seinen Kollegen aus dem Küchenteam immer wieder abwechselt. Jeder wechselt durch die drei Restaurants Kopper, ISSES und Mural - nicht nur, "um Ressourcen geschickt einzusetzen, sondern auch, damit es nie langweilig wird und man sich gegenseitig inspirieren und neue Impulse geben kann", erzählt Lenka. So kreieren die Food-Künstler um Küchenchef Franz-Xaver Mayer-Heinisch immer wieder neue, spannende Gerichte unter den Einflüssen südamerikanischer, asiatischer und lokaler Küche. Und dem Gast wird es dabei wie dem team selber nie langweilig. 

Wer nach dem fulminanten und liebevoll zubereiteten Lunch noch Platz hat, sollte es unbedingt mit einem guten Espresso krönen (Moritz: Wenn du wissen willst, was ein Restaurant kann, bestell einen Espresso!"). Und mit einem Stück Triple-Chocolate-Cake und/oder einer Zimtschnecke! Beides backt "Mittagskoch" Moritz nämlich selber. Und seine Backkünste sind so gut, dass sogar Stammgäste aus dem Münchner Umland kommen, um sich Gebäck für zuhause einpacken zu lassen, erzählt Lenka. "Eine Dame, sie kommt ursprünglich aus Schweden, kauft immer gleich alle Zimtschnecken, die wir haben. Weil deren Geschmack sie an ihre Kindheit erinnere, hat sie uns mal gesagt." 

Ein Nachteil hat der mittägliche Besucht beim Kopper allerdings: Man kann bis auf die herb-süße homemade Lemonade mit Blutorange und Limone die Künste der Mixologen hinter'm wunderschönen Tresen gar nicht so richtig auskosten. Es lohnt sich also nach getaner Arbeit abends wieder zurückzukommen und am Kupfer-Kunstwerk Platz zu nehmen. Um sich diverse weitere Kunstwerke in flüssiger Form darbieten zu lassen. Und zwar von den Barchefs Manuel Pinciroli und Alexander Sevruk und ihrem Team. Die unscheinbaren Namen der Drinks wie Dill, Pistazie oder Kokosnuss lassen dabei so gar nicht vermuten, welch ein Feuerwerk den Gast im wahrsten Sinne des Wortes erwartet.

Am Abend kredenzen zwei bis drei Barkeeper am Kupfertresen Cocktails - mal flambiert, mal geräuchert, mal illuminiert. Fakt ist: kein Drink geht hier einfach so über den Tisch, sondern immer mit dem gewissen Etwas versehen. Entdecken statt nur konsumieren, das ist an den Tischen im Kopper wie auch an der Bar das Kredo schlechthin. "Außerdem scheint unsere Bar ein guter Ort für ein ersten Knutsch-Date zu sein", erzählt Lenka aus diversen Beobachtungen. Warum das so ist? Wir glauben, es liegt am Gesamtpaket: Kreativ zubereitetes Essen, besondere Drinks, ein herzlicher Service und eine warme Atmosphäre - wer könnte sich da nicht verlieben?! 

  • Was bestellen?

    Auch sehr geil: das Pastramisandwich (Beef, Kren und Pastinake meets Apfel). Überhaupt solltet ihr einfach mehrere Sachen bestellen und teilen! So hat man von allem etwas!

  • Was danach?

    Mittags auf jeden Fall Moritz homemade Gebäck! Abends den Sweet Burger: Brioche mit Ananas, Kiwi und Himbeere.

  • Was trinken?

    Mittags lässt euch die hausgemachte Limonade fast vergessen, dass ihr alkoholfrei trinkt - so gut ist die! Abends aber unbedingt einen der Drinks probieren! Als Anregung: der "Kokosnuss" wird euch in einer echten Nuss serviert, getoppt mit einer flambierten Zimtstange - Aromenexplosion par excellence!

  • Was kostet's?

    Lunchgerichte: 8-11 EuroDinnergerichte: 8-17 EuroCocktails: 13 Euro

Pics by Thomas Tomski.

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.