Coffee Experience

Coffee ExperienceSit-in mit dem Geheimtipp München Kaffeesommelier

Kaffee - jeder trinkt ihn, keiner kennt ihn. Das wird uns schlagartig klar, als uns Kaffeesommelier Steven McAuley und sein Kollege Michael Stransky von der Münchner Kaffeerösterei besuchen. München hat mit seiner Nähe zu Italien eine besondere Beziehung zu Kaffee. Und genau darum haben wir Steven ins Geheimtipp-Boot geholt. Mit ihm wollen wir euch ab jetzt regelmäßig mit den besten Coffee Stories versorgen. Wo bekommt man den besten Kaffee in München, wie kann ich Kaffee als legal doping für mich nutzen, was steckt eigentlich alles in ihm und vor allem hinter seinem Mythos? Alles Fragen auf die Kaffeesommelier Steven Antworten hat. Und die er in seinen Geheimtipp München Artikel mit uns und euch teilen wird. Das Kaffeeseminar in unserer Redaktion, ein Vorgeschmack.

 

Geheimtipp München bekommt Kaffeeknowhow: Steven McAuley

"Eigentlich rede ich gar nicht so gerne", stellt Steven sich vor. "Außer über Kaffee." Warum, fragen wir ihn? Stevens Antwort: Kaffee verbindet. "Sobald man jemanden fragt, wo, wann und warum er Kaffee trinkt, bekommt man die besten Geschichten zu hören. Und man lernt die Menschen schnell kennen." Eines der besten Beispiele: der Bankmanager einer großen Firma, den Steven im Rahmen seiner Kaffeeseminare kennengelernt hatte. Er sei einer dieser Menschen, die ihm besonders im Kopf geblieben sind. "Er erzählte mir, wie unglücklich er war, als sein Lieblingscafé vor einiger Zeit geschlossen hat, das Tambosi. Die 30 Minuten, die er dort jeden Tag verbracht habe mit seinem Cappuccino, sei die einzige Tageszeit gewesen, an dem ihm niemand auf den Sack gegangen ist." Kaffee als Auszeit, Wohlfühlelement - das können wir echt gut nachvollziehen! Denn Kaffee ist ja irgendwie mehr als ein Getränk... Das mag auch ein Grund dafür sein, dass Kaffee das beliebteste Getränk der Deutschen ist. Sogar noch VOR unserem geschätzten Bier. "Jeder von uns trinkt im Jahr durchschnittlich 162 Liter des flüssigen Koffeins", erzählt Steven. Dafür, dass wir so viel von dem Zeug konsumieren, wissen wir aber eigentlich so gar nichts darüber! Vor allem nicht, was wir uns da überhaupt in den meisten Fällen für einen Mist reinziehen. Unter dem Deckmantel des Kaffeemainstreams.

 

Sobald man jemanden fragt, wo, wann und warum er Kaffee trinkt, bekommt man die besten Geschichten zu hören.

Steven McAuley, Münchner Kaffeesommelier

"Bis das fertig gemahlene Pulver, das ihr im Supermarkt kauft, in euren Tassen landet, ist es ein halbes bis ein ganzes Jahr unterwegs", erzählt uns der Sommelier. "Kaffee ist aber ein Frischeprodukt. Das kann so gar nicht schmecken!" Also schon einmal der erste Tipp: Bohnen selber mahlen! Entsprechende Geräte gibt es schon ab 10 Euro - mit oder ohne Automatik. Aber es dürfen auch nicht irgendwelche Bohnen sein, betont Steven. "Was bei uns in Deutschland an Industriekaffeebohnen landet, hat zum Großteil so eine schlechte Qualität, dass man sie in Herkunftsländern wie Äthiopien niemals verwenden würde." Denn im Export landen hauptsächlich Bohnen, die beim Rüttelverfahren ganz unten landen. Also die, die klein und kaputt sind. "Die machen sich da sogar lustig über uns, dass wir das überhaupt trinken", lacht der Kaffeeexperte. Und wir müssen komischerweise mitlachen. Obwohl wir uns selber jahrelang Omis Krönung reimgeballert haben und das sogar einigermaßen gut fanden. Klar, GUT ist, was schmeckt. Aber letztendlich kann man nur lernen, was einem BESSER schmeckt, wenn man mal etwas ANDERES probiert. 

 

Gesagt, getan: Steven kocht uns was von seinem geilen Shit. Er mahlt Bohnen aus der Münchner Kaffeemanufaktur. Eine Melange aus Indien, Brasilien und Äthiopien. Über 1000 Aromen schlummern in solch einem Kaffee. Nur ein Bruchteil davon steckt in einem guten Wein. "Der Mahlgrad der Bohne, der Druck, den die Maschine ausübt, das sind alles Hebel, die man bewegen kann, um den Geschmack zu justieren", erklärt Steven. Ein guter Espresso brauche Zeit, ca. 25 Sekunden. "Kürzer schmeckt nicht. Darum bin ich auch kein Fan von Kapselmaschinen. Die hauen den Kaffee viel zu schnell durch."

Steven brüht den Kaffee für uns in einer Stempelkanne auf. Der Hippster sagt dazu "French Press". Mmh... riecht schon einmal ziemlich gut! Irgendwie weich und rund. Und der Geschmack: leicht und süßlich, fast schon fruchtig. Guter Kaffee würden wir mal sagen. Aber: Nicht zu früh urteilen, rät uns Steven. "Ob man einen wirklich guten Kaffee vor sich hat, das kann man ganz leicht testen. Man lässt ihn kalt werden. Schmeckt er dann immer noch gut, dann ist es auch gute Qualität." Zweiter Profitipp zum Kaffeetest: auf den Nachgeschmack achten. Ist der weder bitter noch scharf: guter Kaffee. Und: auch beim Koffein trinkt das Auge mit! Sollte es zumindest! Denn: Ölige Bohnen sind minderwertig, erklärt unser Kaffeeguru. "Sie wurden zu lange geröstet. Und das macht den Geschmack sauer." 

Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Wer viel davon trinkt, könnte sich ja mal damit auseinandersetzen, was ihm eigentlich schmeckt.

Steven McAuley, Geheimtipp München Kaffeepro

Wie sehr auch die Zubereitungsart den Geschmack verändert, zeigt uns Steven im direkten Vergleich. Die gleichen Bohnen kommen jetzt in den Vollautomaten. Was herauskommt, duftet ebenso gut wie vorher. Schmeckt auch gut. Aber tatsächlich ganz ANDERS, viel intensiver! "Seht ihr, Kaffee ist nicht gleich Kaffee! Wer viel davon trinkt, könnte sich also ruhig mal damit auseinandersetzen, welche Zubereitung und welche Bohne ihm am besten schmeckt. Und vor allem endlich mal gute Bohnen kaufen", rät der Kafeesommelier. 

Aber woher kommt unser Kaffee eigentlich? Wie wurde er entdeckt? Auch dazu hat Steven eine Geschichte parat. Besser gesagt, eine Legende: Vom Hirten, der einst bemerkte, dass seine Ziegen vorwiegend gerne von einer bestimmten Pflanze aßen. Und danach zu singen begannen. Die Mönche, denen er davon erzählte, verbrannten die Pflanze. Denn sie wähnten sie als Hexenwerk. Das Gekokel roch aber so verdammt gut. Also entschieden sie sich dazu, die Bohnen der Pflanze auszukochen und zu trinken. Und merkten schnell, dass sie damit intus länger beten konnten. Das Zeug, was die Ziegen da entdeckt hatten, konnte also nur Gottes Werk sein! So (oder so ähnlich) war die beliebte Freshness-Brühe geboren. 

Damals, heute und vermutlich auch morgen wird Kaffee vorwiegend in den warmen, hohen Regionen der Welt angebaut. Südamerika und Afrika zum Beispiel. Interessanter- und komischerweise liegt eines der größten Anbaugebiete aber in Vietnam. Wer sich geografisch ein Bisschen auskennt, der weiß: Vietnam ist das, was man in Machokreisen als ziemlich flachbrüstig bezeichnen würde. Aber warum ist das Land dann unter den Top 3 der Kaffeebohnenlieferer? "Nun", beginnt unser Experte, "der Grund dafür, oder besser gesagt die Schuld daran - denn Kaffee aus Vietnam schmeckt aufgrund der fehlenden Höhe einfach nicht - hat Honecker." In der DDR wurden früher Erbsen in den Kaffee gemahlen. Gab halt nichts anderes. Da "Erichs Dröhnung", wie es damals tatsächlich geschimpft wurde, so unerträglich schlecht schmeckte, gab es im Volk einen Aufruhr. Sodass auch Erich bald merkte: so kann es nicht weitergehen. Kurzerhand klopfte er an Vietnams Türen, und bot an, dem Land Waffen zu liefern.Wenn es fortan Kaffeeernte betreibe und in die DDR exportiere. Und schon war der Massenkaffee geboren, der auch heute noch unsere Supermärkte und Discounter flutet. "Die Höhen und Hügel in südamerikanischen Ländern zum Beispiel geben den Bohnen zwar den Geschmack. Sie machen aber auch das Arbeiten mit Erntemaschinen unmöglich. Da hat das flache Vietnam im Gegensatz zu den anderen Exportländern einen Vorteil. Die Ernte kann mithilfe von Maschinen durchgeführt werden und man braucht keine Pflücker. Das spart Geld und macht den Kaffee günstiger", erklärt Steven.

So viel wie dieser Mann über Kaffee weiß... man könnte meinen, er habe einen langen Bart und sei schon sehr alt. Dafür braucht man doch Jahre! Kaffeesommelier Steven McAuley beweist, dass das nicht der Fall sein muss. Sondern dass man auch als Quereinsteiger in kürzester Zeit zum Fachguru werden kann. Solange man das liebt, wessen man sich jeden Tag widmet. Erst vor sechs Jahren hat Steven damit angefangen, seine Leidenschaft zum Kaffee weiterzuverfolgen. Vorher arbeitete der 27-Jährige als Unternehmensberater, machte dann einen Cut und widmete sich dem Kaffee als Entrepreneur. Und der Ausbildung zum Sommelier. Nur am Geruch die richtige Sorte erkennen, eine der schwierigsten Aufgaben der Prüfung, die er vor 3 Jahren bei dem namenhaften Prof. Edelbauer in Wien ablegte. Alles andere als easy! Aber Steven bereut nichts. Heute ist er Gründer und Inhaber der Unternehmen Kaffeeseminare München und Münchner Kaffeerösterei. Außerdem berät er Unternehmen zu den Themen Innovation, Entrepreneurship und Mindset - immer dabei: Ein guter Kaffee. Stevens Seminare sind für Menschen, die Kaffee lieben, aber eigentlich nichts über ihn wissen. So wie wir. Anderen etwas über Kaffee zu erzählen, das mache ihm einfach Spaß. "Wenn ich morgens aufstehe und guten Kaffee trinke, dann freu ich mich da jedes Mal drüber. Ernsthaft! Und wenn ich anderen so viel über Kaffee vermitteln kann, dass sie dieses Gefühl nachvollziehen können, dann macht mir das Spaß."

Wenn ich morgens aufstehe und guten Kaffee trinke, dann freu ich mich da jedes Mal drüber. Ernsthaft!

Steven McAuley, Kaffeesommelier

Und was sollen wir sagen: wir glauben Steven das! Denn nachdem er mit so viel Leidenschaft über das besondere Genussgetränk geredet hat, was wir alle jeden Tag eher beiläufig literweise in uns hinein kippen, kann man nicht anders, als am Ende seines Seminars für guten Kaffee zu brennen. Und endlich den ollen Kapselautomaten und das Billigdiscounterpulver, das in der Küchenschublade eh schon ganz hinten in der Ecke rumgammelte, in die Tonne zu treten. Ab heute nur noch guten Kaffee! Das haben wir uns geschworen. Und weil wir nicht nur uns, sondern auch euch ein Leben voller Kaffeefreuden wünschen, haben wir Steven jetzt mal offiziell ins Team geholt. Er wird uns und euch regelmäßig mit den beste Coffee Stories beglücken, die diese, unsere schöne "nördlichste Stadt Italiens" zu bieten hat. Seid gespannt! 

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.