@catscallsofmuc

@catscallsofmucDie Rache kommt per Kreide!

„Nicht so schnell, Kleines“.  Seit kurzem sind sie überall in München zu finden - Anmachsprüche, die mit bunter Kreide auf die Straßen gebracht wurden. Wir haben uns auf die Suche gemacht und geschaut, was dahintersteckt. Gefunden haben wir drei so junge wie engagierte Münchner, die eine in New York geborene Initiative gegen "Streetharassment", auf Deutsch "Straßenbelästigung", zu uns nach München bringen.

Via Instagram bekommt das Team die Nachrichten der Opfer. © Geheimtipp München

Dann geht's mit Kreide an den Ort des Geschehens... © Geheimtipp München

...der Spruch oder die blöde Anmache... © Geheimtipp München

...gut sichtbar für alle auf die Straße gebracht. © Geheimtipp München

Alles unter dem Hashtag: #catcallsofmuc © Geheimtipp München

Die Katze ruft... Oder wie?!

Cat Calls? Kennen wir wohl alle. Wenn auch den Begriff als solchen eher nicht. Der meint aber einfach das, was täglich so oft passiert: Kommentare, die der Adressat oder wohl häufiger, die Adressatin, als sexuell übergriffig empfindet. Das kann zum Beispiel die unaufgeforderte Beurteilung von Körperteilen sein oder die Mitteilung, welche Rolle man in einer sexuellen Fantasie gerade zugeteilt bekommen hat. Was die Betroffenen in solchen Momenten meistens machen: nichts sagen, schnell weg und aus der Situation flüchten. So wird es oft auch geraten. Was trotzdem meist bleibt, ist das Gefühl der Machtlosigkeit, der Scham und die Unsicherheit: War man selbst schuld, ist man vielleicht einfach nur unlocker - andere empfinden sowas ja durchaus auch als Kompliment... Tja! Und hier kommen die drei Münchner Julia (16), Ege (21) und Sofija (19) mit ihrem Projekt @catcallsofmuc ins Spiel. 

Von New York nach München

Auf einer New-York-Reise haben die drei die Gründerin der Instagram Seite @catcallsofnyc kennengelernt und waren so angetan von dem Projekt, dass sie das Konzept im Mai 2019 auf Münchens Straße gebracht haben. Das läuft so: Jede Person, die sich durch einen Cat Call belästigt fühlt, kann ihre Geschichte über Instagram an @catcallsofmuc schreiben. Die drei Münchner gehen dann an den Ort des Geschehens und visualisieren den besagten Spruch mit Kreide auf der Strasse und teilen dann die Bilder auf Instagram mit der ausführlichen Geschichte dazu. Natürlich bleiben alle Betroffenen anonym.  

Nicht jedes Kompliment kommt auch so rüber. © Geheimtipp München

Weg mit dem Schleier - ran an die Kreide!

Was das bringt? Die Opfer bekommen ein Forum, um die Erlebnisse mit anderen teilen zu können und das Gefühl, die Situation nicht nur hilflos erdulden zu müssen, sondern aktiv zu werden - auch wenn es anonym bleibt. "Und das hilft oft auch schon, um mit den Vorfällen abschließen zu können", erzählt Julia. "Das haben uns einige der Betroffenen im Nachhinein schon geschrieben. Und das macht uns natürlich happy, dass wir ihnen helfen können mit unserer Aktion." Klar, München sei nicht die Bronx. Trotzdem passieren hier tagtäglich sexuelle Übergriffe, so die Erfahrung der drei Initiatoren von @catcallsofmuc. Und zwar nicht nur Mädchen und Frauen, sondern auch (jungen) Männern. Sofija: "Alleine in der ersten Woche haben sich zehn Leute bei uns gemeldet." Julia, Sofija und Ege wollen München eben auch mit ihren Kreide-Aktionen von dem Schleier befreien, dass es ein 100%-ig sicheres Pflaster ist und zeigen, dass diese Vorfälle auch im heimeligen Minga immer wieder vorkommen. 

Die Aktion der jungen Münchner... © Geheimtipp München

...polarisiert. © Geheimtipp München

Werd auf du aufmerksam. © Geheimtipp München

Stop street harassment! © Geheimtipp München

Erst denken, dann sprechen bitte!

Jeder, der sich auf Münchens belästigt fühlt, kann sich melden.  Belästigung ist für die Macher alles, was von den Betroffenen als Belästigung empfunden wird. So einfach. Mit Hilfe der Posts wird eben auch klar, dass die Grenzen zwischen Kompliment, flapsigen Spruch und Belästigung individuell sehr variieren. Und vielleicht ist vielen Sprücheklopfern auch gar nicht klar, dass Menschen eben einfach sehr unterschiedlich sind. @catcallsofmuc versucht mit ihren ehrenamtlichen Kreidebild-Aktionen also auch etwas mehr Empathie und Menschenverstand in die Isarmetropole zu bringen - und davon profitiert jeder von uns. Wir sagen: Vielen Dank dafür!

Fotos von Anna Pauels für Geheimtipp München.

Henrike Hegner

Lebe Dein Ändern! Henrike hat es irgendwann aufgegeben, „nie“ zu sagen. Immer dann, wenn etwas unbekannt, irritierend oder anders ist, ist das Nordlicht mit vollem Herzen dabei – oft zu ihrer eigenen Überraschung. Feinste Künste und letzter Trash können sie gleichermaßen begeistern. Nervös wird sie nur, wenn die Flasche Cola nicht in Griffweite ist.