Café Le Hygge Wo die Kunst lebt

Habt ihr es schon bemerkt? Das Schlachthofviertel ist bunter geworden. Und das liegt vor allem an einer Person: Sobi Darcal. Der gebürtige Perser, der seit Jahren das Café Sobicocoa in Schwabing betreibt, hat nun auch im Dreimühlenviertel Fuß gefasst. Mit seinem neuen Café „Le Hygge“ hat Sobi einen Ort kreiert, an dem Kunst, Leben und Gastfreundschaft miteinander verschmelzen. Wie er das schafft, hat er uns bei einem Besuch erzählt.

© wunderland media GmbH
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Lockenmähne hinter Graffitis

Die Neugierde ist groß, als wir durch das noch ein wenig von Graffiti zugesprayte Ladenfenster blicken. Ein weiteres Graffiti an der Tür titelt LEBEN, genau hier wollen wir rein. Innen erwartet uns gleich eine feine Auswahl an Kuchen und Keksen. Und dort, hinter dem selbst gebauten Tresen aus Metallfässern, steht er mit wilder Lockenmähne und einem breiten Lächeln auf den Lippen: der Gastgeber und Ladenbesitzer – the one and only – Sobi.

Der Traum vom eigenen Café

Der gebürtige Perser ist kein unbekannter in München. Seit 2013 betreibt er in Schwabing das Café Sobicocoa und ist dort zu einer festen Instanz geworden. Sobi lebt aber schon viel länger in München, genauer gesagt seit 2000. Zuerst unterrichtete er Englisch und Französisch, doch im wurde schnell klar, dass er das nicht für immer machen möchte. „Mein Traum war es schon immer ein eigenes Café zu betreiben“, erzählt er uns während er einen Cappuccino zubereitet. Und so entstand mit wenigen Mitteln und vielen zusammengesammelten Möbeln damals das Sobicocoa.

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Der Spirit war sofort da

Nun, Jahre später, hatte Sobi eine neue Idee: eine Künstleroase in Albanien oder Rumänien zu gründen. Doch dann kam alles anders. Denn die Räumlichkeiten für das Café Le Hygge haben Sobi quasi gefunden Bei einem Spaziergang durch sein liebstes Dreimühlenviertel stieß er auf das ein wenig heruntergekommene Haus in der Ehrengutstraße. „Ich habe sofort den Spirit gespürt, da habe ich zu meinem Kumpel gesagt: Das wird mein neuer Laden“, erzählt Sobi grinsend. Nachdem er der neuen Vermieterin das Sobicocoa zeigte, war auch sie überzeugt und stellte die Räume zur Verfügung.

„Kunst soll ihre Freiheit – für die sie so lange gekämpft hat – behalten.“

Sobi Darcal

Die Geschichte eines Hauses sichtbar machen

Da Sobi nicht nur leidenschaftlicher Gastgeber, sondern vor allem auch Künstler ist, machte er sich auf historische Spurensuche in seinen neuen Räumlichkeiten. Wände, eine Durchreiche und alte Türrahmen und eine wunderschöne Tapete wurden erst mal freigelegt. „Ich wollte den Ursprung und die Geschichte dieses Hauses einfangen. Mit einem Aufruf an die Nachbarschaft baute er eine Wand aus Büchern, – die unser persönliches Highlight darstellt. Alte Möbel treffen auf Sobis schwarz-weiß Fotografien von seinen Begegnungen mit besonderen Menschen an den Wänden und geben dem Café Le Hygge seinen einzigartigen Charakter.

Die Kunst muss leben

„Hygge“ das dänische Wort begleitet Sobi schon lange. „Es steht für Liebe, Leidenschaft, Gemütlichkeit“, erklärt der Künstler. „Das Le habe ich dazu gefügt, weil es einfach cool klingt“, fügt er lachend hinzu. Sobis Vision umfasst mehr als nur ein Standardcafé, denn Gastro alleine langweilt ihn. Er möchte München ein anderes Gesicht geben und einen Ort für Kunst und Künstler schaffen. Musiker:innen, Autor:innen und Künstler:innen sollen sich hier wie zu Hause fühlen und ihre Kunst präsentieren können.

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Kerzenkonzerte

Sobis große Vision sind Kerzenkonzerte. Dabei soll nicht ein Künstler auf der Bühne auftreten, sondern eher ein spontaner Jam aus allen Ecken des Cafés entstehen – während die Räumlichkeiten in Kerzenlicht getaucht werden. „Überall sollen die Menschen sitzen und miteinander musizieren“ träumt uns Sobi vor. „Wir Künstler müssen gerade jetzt zusammenhalten und uns gegenseitig inspirieren“, fügt er noch hinzu.

Weltküche die keine Grenzen kennt

Die Nachbarschaft hat Sobi und sein Café jetzt schon in ihr Herz geschlossen. Alle sind froh, dass es kein langweiliges Büro geworden ist. Zudem können sie sich kulinarisch verwöhnen lassen. Denn die Speisekarte im Café Le Hygge bringt die Weltküche zusammen. Granatapfel und Basmatireis treffen auf lateinamerikanische Küche oder Haloumi Burger. Alles vegetarisch oder vegan. Was es auf der Speisekarte gibt, entscheidet Freigeist Sobi sowie wohl alles in seinem Leben: nach Gefühl und Spirit. Mit seiner Aussage: „In meiner Küche sind keine Grenzen gesetzt“, steigt die Neugierde, mit welchen Köstlichkeiten er uns in Zukunft noch verwöhnen wird. Bis dahin kommen wir immer wieder gerne vorbei. Auf einen Kaffee oder einen Deeptalk mit Sobi über Kunst, das Weltgeschehen und alles dazwischen.