Button Masala

Button MasalaNähen war gestern.

„Knüpf dir dein neues Lieblingsteil im Kleiderschrank ganz ohne Nähte!“ – das verspricht der Button Masala-Workshop von Munich Moments. Gut, ein bisschen interessiere ich mich schon für Mode. Und Fingerknüpfen kann ich noch aus Kindertagen. Doch bevor ich den Workshop besuche, schaue ich mir erst einmal die genaue Definition von „Knüpfen“ an, um mich optimal vorzubereiten.

Knüpfen ist eine Handarbeitstechnik, die seit 3000 vor Chr. bekannt ist. Die Einsatzbereiche sind bei der Herstellung von Spitzen und Netzen, sowie in der Teppichherstellung zu finden.

Aha. Jetzt werde ich die nächsten fünf Stunden damit verbringen, einen ollen Teppich neben Mutti Gertrude und Öko-Hipster Heike zu knüpfen. Für meinen Samstagnachmittag kann ich mir zu diesem Zeitpunkt doch diverse andere Entertainment-Alternativen vorstellen. Trotzdem bin ich irgendwie angetriggert. Und wie es das Schicksal will: der Workshop findet quasi direkt um die Ecke im heimischen Giesing statt – Punkt 14 Uhr ist Treffpunkt auf dem Gewerbegelände Neue Balan. Und es sind nicht Mutti Gertrude und Öko-Hipster Heike, die ich zuerst im Raum erblicke. Sondern fünf sympathische junge Mädels. Sie sind zum Teil Modestudentinnen, erzählen sie später. Aber es gibt auch Leute wie mich, fleischgewordene Edwards mit den Scherenhänden, die mit Nadel und Garn - und das ist noch untertrieben - zwei linke Hände haben. Puh, Erleichterung!

Auf dem Tisch stehen neben kleinen Schälchen, gefüllt mit bunten Gummibändern und Plastikplättchen, auch Getränke und ein paar Knabbereien. Verhungern muss ich die nächsten Stunden also immerhin nicht. Alle nehmen Platz und nach einer freundlichen Begrüßung von Anna Albers, der Leiterin des Workshops, erzählt sie uns erstmal, worum genau es sich bei Button Masala handelt. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen – schließlich sollt ihr selber auch noch was bei dem Workshop lernen, solltet ihr in selber mal besuchen wollen!

Die Technik stammt von dem indischen Designer Anuj Sharma.  Mit unterschiedlich großen Buttons, den kunststoffbeschichteten Plättchen auf dem Tisch, werden Stoffe mithilfe eines Nylonbandes miteinander verbunden. So soll man aus einem Stück Stoff ganz unterschiedliche Styles designen können – ein kurzes oder langes Kleid, ein Oberteil oder eine Kissenhülle. Der Kreativität sind quasi keine Grenzen gesetzt. Der Vorteil: Man kann die Sachen immer wieder aufknüpfen und sich ein neues Teil formen. Die Technik ist also ziemlich nachhaltig. "Der neueste Upcycling-Trend!" - würde es wohl Galileo nennen.

Im Durchschnitt besitzen wir heutzutage viermal mehr Kleidung als noch vor 30 Jahren. Jährlich sammeln sich so 1,2 Millionen Tonnen Altkleider an; Massenware zu Niedrigpreisen mit ständig wechselnden Trends ist leider zur Selbstverständlichkeit geworden.

2009 startete der Designer seine erste Fashion-Show, bei der die Models die Freiheit bekamen, sich selbst einmal an der Technik zu probieren. Alle Kleidungsstücke durften von ihnen nach ihren Vorstellungen umgestaltet werden. Nur traute sich keine so richtig und so kam Anuj Sharma auf die Idee mit den Workshops. Er wollte jedem die Technik zeigen, damit man seine Kreationen auch Zuhause nachmachen kann. Als Inspirationen dienen uns ein paar seiner Teile auf einer Kleiderstange, die in dem Workshop-Raum aufgestellt ist. Dann geht es los. Die Stoffauswahl ist bei jedem ziemlich schnell getroffen. Während die anderen Mädels ein Kleid knüpfen, probiere ich mich an einer Kissenhülle. Nach und nach funktioniert das Knüpfen auch immer besser und ehe ich mich versehe, zeigt die Uhr auch schon 16 Uhr an. Zugegeben – ich dachte wirklich, dieser Nachmittag könnte sich vielleicht nach hinten hin ziehen. Dem ist aber nicht so. Alle unterhalten sich nett, Anna berät einen hier - und da und neben Salzstangen gibt es nun auch Kaffee und Plätzchen. Die Sonne scheint und die Stücke der Workshop-Teilnehmer nehmen nach und nach Form an. Und ich muss mir eingestehen, dass ich diesen Samstagnachmittag verdammt unterschätzt habe.

Klar, der Preis mit 174,-€ für Nicht-Mitglieder bei Munich Moments und 158,-€ für Mitglieder hat es in sich. Für Studenten mit schmalem Geldbeutel ist dieser Workshop nicht unbedingt ein alltägliches Vergnügen. Dafür spaziert man aber auch mit einem individuell designten Teil aus Bio-Stoff nach Hause und kann dort nach Belieben weiter knüpfen. Ich jedenfalls kann jetzt von mir behaupten, meine eigene Kissenhülle geknüpft zu haben. Wie sieht‘s bei euch aus?!

Noch was für die kalten Tage gefällig?

Mützen, Schals, Jacken - knüpf auch du dir dein neues Lieblingsteil! Alle Infos zu weiteren Button Masala-Workshops findest du auf der Homepage von Munich Moments! Am 11. November findet der nächste Kurs statt.

Pics by Miles Köhler

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt hat mehr Platz zum Tanzen.