Buchverliebt im Herbst

Buchverliebt im HerbstFünf Münchner Autoren, die uns das Herz wärmen

Haben wir schon erwähnt, dass wir absolute Bücherwürmer sind? Wenn wir in unseren Gedanken in ferne Länder reisen, fremde Kulturen kennenlernen, unsere Herzen vor Liebeskummer schwer werden oder wir plötzlich auflachen müssen - jap, genau dann wissen wir: Das hier ist ein gutes Buch! Der goldene Herbst bietet natürlich die absolute Steilvorlage für stundenlanges Rumlümmeln im Bett oder auf der Couch. Da wird sich in die Decke gekuschelt und ein Buch nach dem anderen verschlungen. Wir haben euch unsere Lieblinge zusammengetragen. Komisch, sind irgendwie alles Münchner Autoren geworden... Auf die Bücher, fertig, los!

"Wozu wir da sind" von Axel Hacke

Wir lieben auch seine SZ-Magazin Kolumne "Das Beste aus meinem Leben" © Thomas Dashuber

Wie lebt man am besten mit sich selbst? Dieser Frage widmet sich Axel Hacke in seinem neuesten Buch. Seit über dreißig Jahren schreibt Walter Wemut Nachrufe für die Zeitung. Zum 80. Geburtstag einer Freundin soll er aber plötzlich eine Rede über das gelungene Leben halten. Beim Versuch die Rede zu schreiben gerät der ältere Herr ins sinnieren und fängt an über sein eigenes Leben und das seiner Freunde und bekannten nachzudenken. Wann ist ein Leben gelungen und wann nicht? Und wer darf darüber entscheiden?

Unser Fazit: Wir müssen zugeben, dass wir noch nicht die Chance hatten das Buch zu lesen (wird aber bald passieren). Was wir aber wissen, dass wir Axel Hacke, seine Schreibweise und seinen Humor schon vor vielen Jahren in unser Herz geschlossen haben und deshalb kein Zweifel besteht, dass auch dieses Buch wieder Verschlingungs-Potenzial gepaart mit Tiefgang verspricht.

"Am Ende bleiben die Zedern" von Pierre Jarawan

Autor und Slam Poet © Marvin Ruppert

Samir macht sich auf die Suche. Nach seinen libanesischen Wurzeln, nach seinem Vater der plötzlich verschwand, als Samir noch ein Kind war. Seine Sehnsucht nach dem Vater und nach Beirut, der Stadt von der er schon so viele Geschichten gehört hat, die er aber noch nie gesehen hat. Samir ein Mann, der aus einer Flüchtlingsfamilie stammt, der nicht genau weiß wo sein Platz auf der Welt ist. Mit einem rätselhaften Foto und seinen Erinnerungen an den geliebten Vater macht sich Samir auf in den immer noch gespaltenen Libanon um endlich das Geheimnis um seine Familie lüften zu können.

Unser Fazit: Das Erstlingswerk vom Münchner Slam Poeten Pierre Jarawan ist fesselnd, emotional und hat uns in eine völlig neue Welt entführt. Pierre lässt seine eigenen Erfahrungen mit einfließen. Sein Vater (Libanese) und seine Mutter (Deutsche) flohen, als er drei Jahre alt war, selbst nach Deutschland. Pierre schafft es, mit seinem bewegenden Roman, uns ins ferne Beirut zu entführen und uns die Kultur näher zu bringen. In uns hat er den sofortigen Wunsch erweckt dieses wunderbare Land, mit den Zedern sofort entdecken zu wollen. Gleichzeitig haben wir einen Einblick bekommen, wie es sich für geflüchtete Familien in Deutschland anfühlt, wenn die eigene Heimat hinter einem gelassen werden muss. So spannend und schön geschrieben, dass wir wünschten, das Buch würde nie enden.

"Mein italienischer Vater" von Anika Landsteiner

Autorin Anika in einem ihrer Lieblingscafés Mary´s Coffee Club © Geheimtipp München

Laura und beschließt von einem Tag auf den anderen nach Süditalien aufzubrechen. Ihr Leben in München lässt sich als absolutes Chaos beschreiben: geliebte Mutter gestorben, große Liebe zerbrochen und keinen Anker mehr im Leben. Ihr einzig noch lebender Verwandter ist ihr Vater Emilio, den sie vor Jahren das letzte Mal gesehen hat. Auf der Suche nach Halt und nach ihren Wurzeln stößt Laura in Italien auf großen Widerstand, zumindest bei Gianna der Frau die ihn schon immer geliebt hat. Laura versucht eine Verbindung zu ihrem Vater aufzubauen und lernt gleichzeitig ihre zweite Heimat Apulien in all seinen Facetten kennen. Schnell merkt sie dabei, dass sie nicht alles über ihre deutsch-italienische Familie weiß. 

Unser Fazit: Wir sind bei Anikas wunderbaren Debütroman gedanklich gleich mit nach Italien gereist. Jedes ihrer ausgewählten, schönen Worte, jede detaillierte, durchdachte Beschreibung hat uns näher an die Charaktere gebracht und immer mehr in die Geschichte hineingezogen. Ohne italienischen Kitsch dafür mit viel Gefühl und Tiefgang. Bitte mehr davon!

Die Geschichte Münchens entdecken mit Oskar Maria Graf

Ob er jemals etwas anderes als Lederhosen anhatte? © Süddeutsche Zeitung Photo

Bayerischer wird es nicht: Oskar Maria Graf kommt 1894 in Berg am Starnberger See zur Welt.  Schon mit siebzehn Jahren entflieht er dem strengen Familienleben und zieht nach München, mischt sich unter die Schwabinger Bohème und trifft im Laufe seines Lebens auf Persönlichkeiten wie Bertolt Brecht und Klaus Mann. Im ersten Weltkrieg verweigert er den Dienst und landet deswegen in Haar in der Psychiatrie. Während der Anfänge des Nationalsozialismus emigriert er nach Wien und schließlich nach New York. Auf jedem Foto, das von ihm in Amerika entstanden ist, hat er eine Lederhose an. Wir vermuten, er hat nie etwas anderes getragen. So aufregend die Biografie des bayerischen Urgesteins anklingt, so aufregend sind auch seine Romane. Sie spielen in München uns Starnberg, beschreiben die Zeit vor dem Ersten und vor dem Zweiten Weltkrieg und die Zeit dazwischen. Dabei beschreibt der Schriftsteller scharfsinnig das Kleinbürgertum, die politischen Verhältnisse und den Faschismus. Was dabei nie verloren geht, ist die bayerische Gemütlichkeit, die zwischen den Zeilen lebt und einem das Herz wärmt, auch wenn der Stoff zuweilen ernst ist.
 
Unser Fazit: Nichts ist schöner, als mit dem Autor durch die Straßen der eigenen Stadt zu wandern. Oskar Maria Graf nimmt einen mit, und erzählt wie unsere Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts gelebt hat -man erkennt seine Stadt beim Lesen wieder, ein tolles Gefühl ist das! Und wer sich noch dazu ein bisschen für Geschichte interessiert, der sollte „Wir sind Gefangene“ und „Das Leben meiner Mutter“ lesen. Wie gesagt, bayrischer wird es nicht.

"Bella Germania" von Daniel Speck

Die Einflüsse Italiens kamen damals in den 70er Jahren nach Deutschland

München, 2014: Julia ist Modedesignerin und steht kurz vor ihrem Karrieredurchbruch. Ihre Welt gerät in ein vollständiges Chaos, als ein älterer Mann namens Vincent vor ihr steht und behauptet ihr Großvater zu sein. 
Mailand, 1954: Der junge Vincent fährt nach Mailand um dort in der Automobilfirma zu arbeiten. Als er Giulietta trifft ist es Liebe auf den ersten Blick, doch ihre Familie hat andere Heiratspläne für sie. Der Anfang einer tragischen Liebesgeschichte, die sich über Jahrzehnte hinziehen wird und auch Julias Leben völlig verändert. Ihr merkt schon viele unserer Bücher haben mit fernen Ländern und der Suche nach den eigenen Wurzeln zu tun - so auch unser letzter Buchtipp von Daniel Speck. Wir haben uns absichtlich nicht für sein aktuellstes Buch (Piccola Sicilia) entschieden, da sein Erstes eine wunderbare historische Reise in die 70er Jahre Münchens ist - und wir so viele neue Einblicke und Wissenswertes über unsere Lieblingsstadt erfahren haben. Fun Fact: wurde kürzlich auch verfilmt!

Fazit: Vorsicht, wer einmal anfängt kann nicht mehr aufhören - wir schwören! So fesselnd und spannend, dass der Kaffee kalt wird und der Postbote vergebens an der Tür klingelt. So dramatisch, dass unsere Herzen schwer wurden und so mitfühlend, dass wir selbst ein paar Tränen verdrücken mussten. Grazie Daniel für diesen herausragenden Roman, wir sind immer noch ergriffen.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Stefanie Manna

Halb sizilianisch – halb bayerisch: Bei dieser Kombo kann ja nur was Verrücktes rauskommen! Wenn Steffi nicht gerade lacht oder isst, redet sie. Oder macht sich auf die Suche nach neuen Abenteuern. Frei nach Pippi Langstrumpf "Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.“ ist Steffi am liebsten mit dem Rucksack auf Reisen. Kommt am Ende aber immer gerne zurück in die Stadt für die ihr Herz schlägt: nach München.