Carl Ludwig Schleich, seines Zeichens ein anerkannter Chirurg und Schriftsteller, pflegte stets zu sagen: „Musik ist die Beschreibung der Welt ohne Worte und Begriffe. Sie ist die Philosophie der Gefühle.“ Schöner hätten wir es eigentlich nicht beschreiben können. Denn stellt euch nur mal vor, wie es wäre, im Kino zu sitzen und ein tieftrauriges Hollywood-Drama ohne die melodische Untermalung zu erleben? Wo wäre denn da der Taschentuchfaktor? Oder ihr sitzt auf der heimischen Couch und zieht euch das Donnerstag-Abend Programm rein: Ein Abend ohne packende Sounds beim spannenden ZDF Krimi? Und wer hat eigentlich gedacht, dass ein Trailer ohne Töne Lust auf Binge Watching macht? Stimmt: Keiner. Obwohl die Musik ein unersetzliches Werkzeug in der Film- und Medienwelt ist, bekommt sie leider noch nicht so viel Aufmerksamkeit von uns, wie ihr eigentlich zustehen würde. Das wollen wir heute ändern: Mit Bina & Ju haben wir zwei Musikkomponisten aus München zum Gespräch gebeten, die sogar aus Schneebällen und Straßenschildern Sounds für epische Trailer-Tracks kreieren können.

Guck mal da!... © Geheimtipp München

... Ein guter Beat! Daraus lässt sich doch was machen... © Geheimtipp München

Ab damit ins Studio! © Geheimtipp München

Am Anfang war das Instrument

Wenn man schon als Kind einen ganz bestimmten Traum für die berufliche Zukunft hat, fängt man meist früh an, diesen auszuleben: Kleine Lebensretter haben ihren Arztkoffer stets zur Hand; leidenschaftliche Kicker dribbeln den Weg zur Schule und musikalische Genies lesen lieber Mozarts Noten als Goethes Faust. So war es auch bei Bina: Schon früh hat er seine Liebe zu Instrumenten und insbesondere zum Schlagzeug entdeckt (DER absolute Eltern-Traum) und war dabei so talentiert, dass sein ebenfalls musikalischer Papa sich statt um Oropax, um einen Lehrer für seinen eifrigen Sohnemann gekümmert hat. Bereits mit 14 stand Bina also zusammen mit seinem alten Herrn auf der Bühne. Aber nicht nur die Schlagzeug-Sticks hatten es Bina angetan. Er lernte auch schnell Beats und Soundeffekte mit dem Mund zu erzeugen und perfektionierte seine Skills. Mit der österreichischen Vocal Percussion Groove Band "Bauchklang" tourte Bina viele Jahre später weltweit und gewann sogar zwei Amadeus Awards in der Kategorie Best Live- und Best Alternative Act. Parallel zum Job als Tourmusiker arbeitete er damals schon als Komponist und als Spezialist für Audio Post Production Jobs. 

Keep on learning

Bei Ju ist ebenfalls der Papa für die musikalischen Gene verantwortlich: Der Musikwissenschaftler leitete in München das Instrumentenmuseum und hat seinen Sohn somit schon früh mit den wertvollen Klangmachern bekannt gemacht. Zuerst war da das Klavier, das Ju reizte – schon mit zwölf hat er den edlen Klimperkasten aber durch Schallplatten und Turntables eingetauscht. Bevor er den Schritt in die hauptberufliche Musikwelt wagte, lagen noch einige Stationen dazwischen: Eine Ausbildung als Werbekaufmann; ein Kulturwirt-Studium mit Wahlfach Musik; ein fortlaufendes Eigenstudium in Sachen Komposition, Tontechnik, Gitarre und Bass; ein Job in einer Musik- und Medienproduktionsfirma und eine Digital-Agentur. Vor eineinhalb Jahren war es endlich soweit: Bina & Ju, die sich schon aus Jugendzentrums-Zeiten und gemeinsamen Bandprojekten kennen, beschließen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und einer gemeinsamen Leidenschaft ihr eigenes Ding zu machen und gemeinsam Musikkompositionen für Werbung, TV und Film anzubieten. 

Die Musik zu unserem Video "Stadtpoesie" ist übrigens auch von Bina & Ju - hört mal!

Applaus, bitte!

Ob ihr die beiden schon kennt? Vermutlich schon – ihr wisst es nur vielleicht noch nicht. Statt die Chartliste auf Spotify zu dominieren, haben die beiden sich (momentan) für die Arbeit im Hintergrund statt für die große Bühne entschieden. TV-Trailer, Werbespots und sogar Kinder-Hörbücher tragen die Takte der beiden Musikexperten in die Welt hinaus. Eine Aufgabe, die nicht immer einfach ist: Es geht darum eine bunte Bilderwelt ohne Worte zu beschreiben. Die Stimmung der Zuschauer zu beeinflussen. Eine Atmosphäre zu kreieren, in der wir uns als aufmerksamer Betrachter abgeholt, aber nicht bedrängt fühlen. Und das alles in kürzester Zeit. Und wenn man mal ehrlich ist: Wer von euch hat in letzter Zeit mal bewusst darauf geachtet, nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren während einer Werbepause zu öffnen. Eben: Keiner. Für Bina & Ju ist das kein Wunder: „Es ist eine unterschätzte Kunst – die allgemeine Denke ist, dass man Musik so einfach mit dem Smartphone erzeugen kann. Drückste auf einen Knopf, kommt was Geiles raus.“ Dass das nicht so ist und dass das klangvolle Handwerk, welches verdammt viel Feingefühl, Verstand und Leidenschaft fordert und welches Bina & Ju sich größtenteils selbst beigebracht haben viel mehr Applaus verdient hat, beweisen sie unter anderem in unserem ganz persönlichen Herzensprojekt „Stadtpoesie“. Dazu müssen wir auch gar nicht viel sagen – die Bilder und Klänge sprechen ihre ganz eigene Sprache. 

Erst die Freundschaft... © Geheimtipp München

... dann der Job. © Geheimtipp München

Spannend: Wenn jemand von seiner Arbeit mit Leidenschaft erzählt. © Geheimtipp München

Just do it

Sich mit der Musik selbstständig zu machen, ist für viele eine Vorstellung, die mit Angst und Unsicherheit verbunden ist. Als „brotlose Kunst“ wird es oft geschimpft. Bina & Ju sehen das anders: Zuallererst muss sich ein junger Künstler entscheiden, wo er eigentlich hinwill. Will er die Menge mit Live-Auftritten begeistern; Musikjournalist beim Radio werden oder als Sounddesigner bei einem Gameentwickler anheuern? Die Möglichkeiten im Musikbusiness Fuß zu fassen in der heutigen Zeit sind nahezu grenzenlos. Was man braucht? Ganz klar: „Einen langen Atem“. Aufgeben ist nicht – zumindest nicht gleich. Man muss sich ausprobieren, sich immer wieder neu erfinden. Offen für alles sein. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Und ein bisschen Glück? Kann dabei natürlich nie schaden.

Von Superhelden, Helge Schneider und Quentin Tarantino

Ja, und für welche Projekte würden die beiden gerne mal in Zukunft arbeiten? Ju fände es mega, die Trailer-Musiken zu Hollywood-Filmen zu produzieren; während Bina ziemlich gerne mit Helge Schneider die Filmmusik eines neuen Tarantino-Films komponieren würde. Also Helge und ihr Hollywood-Produzenten, falls ihr das hier irgendwann durch Zufall zu Gesicht bekommen solltet: Dieses Angebot solltet ihr nicht ablehnen. Und wenn ihr euch nochmal vom Können der Beiden überzeugen wollt, dann zieht euch einfach mal ihr Werksviertel-Video rein! Hier wurden aus knarzigen Ostbahnhof-Türen, Schneebällen und Straßenschildern Beats und Soundeffekte für einen epischen Trailertrack erzeugt und mit Orchesterklängen kombiniert. Wir hoffen, ab heute werdet ihr der Musik in Werbejingles und Film-Trailern mehr Interesse schenken. Denn eine Welt ohne Musik ist wie ein Himmel ohne Sterne: Glanzlos. 

München's Signature Sound by Bina & Ju

Julia Knobe

Seit sich unser abenteuerlustiges Nordlicht Julia mit 'nem echten Bayern eingelassen hat, hat sich in ihrem Leben einiges geändert: Statt steifer Brise ist frische Bergluft angesagt! Den Heimathafen Hamburg immer im Herzen, könnte Julia sich ans fesche Dirndl, das süffige Helle und den charmanten Dialekt durchaus gewöhnen.