Biergartenguide #1

Biergartenguide #1Die Basics

Der Biergarten ist wahrhaft das Wohnzimmer der Münchner. Der Erfolg dieser Wirtskultur hat inzwischen weltweit abertausend Nachahmer gefunden und dennoch bleibt das Münchner Original unerreicht. Das ist an dieser Stelle keine Münchner Arroganz, sondern die blanke Wahrheit. Ein Biergarten ist eben doch nur ein Biergarten, wenn er die Standardregeln befolgt. Und wo außer in München und dem Umland werden diese Regeln schon eingehalten?!

Mit Regeln ist aber auch nichts weiter gemeint als z.B. das Recht, seine eigene Brotzeit mitzubringen und den Tisch nach eigenem Gutdünken zu dekorieren. Das ist mit Sicherheit schon einmal die wichtigste Grundlage, damit die entsprechende Atmosphäre überhaupt erst entstehen kann. Wenn diese Art der Regeleinhaltung als spießig gilt, dann sind wir das gerne!

Der Biergarten - eine Erfolgsgeschichte

Die Mutterstadt des Biergartens hat sich diese Tradition nicht nur bewahrt, sondern über die Jahre immer weiterentwickelt und zum unangefochtenen Kultgipfel der städtischen Gesellschaft erhoben. Ursprünglich war der Biergarten ja nichts anderes als ein Abfallprodukt der Lagerbedingungen örtlicher Brauereien. In Zeiten vor der elektrischen Kühlung musste man sich halt anders helfen. Ein Eiskeller in Flussnähe unter einer Decke aus Kies und einem Mantel aus schattenspendenden Kastanien ist die effizienteste Kühltechnik, die nur mit den Regeln von Mutter Natur funktioniert. Da diese entstandenen Gärten, die meistens auch noch gleich den Brauereipferden eine Heimat boten, bei den Arbeitern allseits beliebte Orte der Brotzeitpause im Sommer waren, folgte schnell die Idee des öffentlichen Ausschanks. Da die Brauereien allerdings zunächst nur Genehmigungen zum Bierausschank erhielten, mussten Speisen selbst mitgebracht werden. Die perfekte Mischatmosphäre aus Picknick und Wirtskultur war geboren.

Am Biertisch entstehen Freundschaften

Auch wenn die indische Bestellformel a là „Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen, bitte!“ nur in der Paulaner Werbung funktionieren mag, so steht doch fest, dass der Biergarten Münchens Number One Tool zur internationalen Völkerverständigung ist. Im Biergarten sind alle gleich. Hier wird man für nahezu nichts schräg angeschaut. Touristen aus aller Welt, Geschäftsleute aus Manhattan, wie Sonnenhut bemützte Japaner zwischen Trachten Stammtischlern - hier findet jeder einen Platz. Wer dieses Bild für eine bierbeschwipste Romantikvorstellung hält, möge beim nächsten Besuch gerne darauf achten, welche Wirkung es auf den Menschen hat, wenn es zur Normalität erklärt wird, sich an wildfremd besetzte Tische dazu zu gesellen. Spätestens nach der zweiten Maß und einem Prozent Offenheit im Charakter kommt es häufige zu den kuriosesten Bekanntschaften.

Die eigenen Biergarten-Geschichte

Genauso wenig wie man wohl je vergessen wird, wer einem das Fahrradfahren beigebracht hat, wird man auch nie vergessen, wo sein erster Biergartenbesuch stattgefunden hat. Der Vorteil eines Zugereisten ist, dass er schon bei vollem erwachsenen Verstand ist, wenn er das erste Mal eine Maß im Wohnzimmer der Münchner bekommt. Bei mir war es der Hofbräukeller in Haidhausen. Unweigerlich hat er sich über die Jahre zu meinem Stammbiergarten entwickelt. Wohl in dem Wissen, dass auch andere Mütter schöne äh... Biergärten haben.

Eine sympathische Größe - nicht zu groß, nicht zu klein. Die Größe, die es braucht, um eine familiäre Atmosphäre zu bewahren. Und doch groß und bekannt genug, dass sich auch Touristen hier her verirren. Eine zentrumsnahe Lage, gut zu erreichen, direkt am schönen Wiener Platz gelegen. Nie würde ich wagen zu behaupten, in diesem Biergarten den Besten aller Besten zu kennen! Aber wer einem das Fahrradfahren beigebracht hat, dem hält man die Treue. 

Was ist euer Liebling?

Welche drei Biergärten wir in der nächsten Folge der Rubrik genauer vorstellen, entscheidet ihr mit! Verratet uns euren Lieblingsbiergarten und was euch an ihm so gefällt. Schickt eine Mail an servus@geheimtippmuenchen.de, eine PM über Facebook oder kommentiert den FB Post. Wir sind gespannt auf eure Vorschläge! 

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.