Benvenuti in München

Benvenuti in MünchenWas wir von Palermos Bürgermeister über Integration lernen können

Die Tickets waren gefühlt schneller vergriffen als bei einem Robbie Williams Konzert, als die Petra Kelly Stiftung und die Kolibri-Interkulturelle Stiftung zum Gespräch über Fluchterfahrung und Integration einluden. Der Bürgermeister von Palermo Leoluca Orlando, auch bekannt als großer Mafia-Trotzer, der politische Musiker Pippo Pollina - beide stammen aus derselben Stadt Siziliens und sind Vertreter der Münchner Zivilgesellschaft - fanden sich an einem, Freitagabend im Ampere ein. Die großen Fragen des Abends: Was kann München von der Willkommenskultur Leoluca Orlados lernen und welche Rolle spielt Kultur dabei? Wie kann München geflüchteten Familien ein würdiges Wohnen ermöglichen? Wir waren brennend interessiert mal über den Tellerrand zu schauen und waren für euch dabei.

München schaut über den Tellerrand

Dass viele Münchner sich Gedanken machen, wie sie selber Integration fördern können, zeigen uns immer wieder lokale Projekte über die wir berichten: Sei es, dass die Münchner mit Rucksäcken, Lebensmittel und Kleidung die Geflüchteten am Hauptbahnhof in Empfang nahmen. Oder Projekte wie das Münchner Startup „Social-Bee“, das als Personalvermittler von Geflüchteten agiert, die Kulturküche Über den Tellerrand  - diese und andere solcher Ansätze zeigen, dass Integration viele Menschen in der bayerischen Hauptstadt umtreibt und innovativ macht. Umso gespannter waren wir, als wir die Möglichkeit bekamen, mal bei unseren Nachbarn zu schauen, wie diese mit dem Thema Integration umgehen. Neben Orlando und Pollina, waren auch Paulo Cesar dos Santos Conceição (Projektkoordinator von samo.fa), Erick Finkcs Schulleiter der Städtischen Berufsschule für Berufsintegration, Katrin Habenschaden von den Grünen, Adam Yamani vom Münchner Flüchtlingsrat und Claus-Peter Reisch, Kapitän des Seenot-Rettungsschiffs LIFELINE an der Diskussion beteiligt.

Das ganze Gespräch könnt ihr auch im Video ansehen

Speaker, die was zu sagen haben

Wir erleben: Eine spannende Runde mit engagierten Speakern, die nicht einfach nur auf Missstände aufmerksam machen, sondern mit kreativen Lösungsvorschlägen Hoffnung machen. Das erinnert uns tatsächlich an Masi Kohestani, dem Münchner Musikförderer mit Migrationshintergrund, mit dem wir uns bei unserem Interview auf dem Optimol Gelände auch zum Thema Integration und Kultur unterhalten haben. Ähnlich wie er zeigt uns bei der Diskussionsrunde auch Pippo Pollina, das Musik viel bewegen kann. Er spielt ein Schlaflied, inspiriert von einem albanischen Vater, der 1992 mit der ersten Flüchtlingwelle nach Italien kam. Lifeline Kapitän Claus-Peter Reisch macht im Anschluss daran deutlich, an welchen Stellen der Integrationsprozesse er Verbesserungsbedarf sieht. Stark auch die Impulse von Leoluca Orlando: „Haben Sie Migranten in München?“, fragte er gleich zu Beginn das verdutzte Publikum. „Bei uns gibt es keine. Bei uns bekommt jeder eine Wohnung, einen Job und ist somit Palermitaner. Wenn auch mit anderer Herkunft.“ Mit dieser weltoffenen Einstellung konnte der gelernte Jurist in seiner Stadt viel bewegen. Das Wort "Migranten" ersetzt er gerne mit dem Wort "Gäste". „Unseren Gästen geht es weder schlechter, noch besser als den Palermitanern. Wir alle versuchen gemeinsam etwas für die Stadt zu tun“, erklärt er. Einschließen statt Ausschließen - so lautet die Devise. So ernannte Orlando beispielsweise Adham Darawsha, einen immigrierten Arzt aus Nazareth, zum Präsidenten des „Beirats der Kulturen“.  

Ein Welcome Center für Neu-Münchner

Auch die anderen Diskussionsteilnehmer machen deutlich, wie wichtig ein humaner Umgang und eine gerechte Betreuung als Faktoren für eine gelungene Integration sind. Der Ausblick für München: Ein „Welcome Center“, das als zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge und Migranten mit vielen Angeboten, kooperierenden Organisationen und individueller Hilfe für eine echte Willkommenskultur sorgen soll. Ähnliche Vorbilder gibt es. In Deutschland zum Beispiel in Düsseldorf. Das „Welcome Center“ könnte laut Katrin Habenschaden unter anderem dafür sorgen, dass alle involvierten Behörden in Zukunft reibungsloser miteinander arbeiten können, sodass Neu-Münchner schneller integriert werden. Ein toller Ausblick, für dessen Umsetzung wir die Daumen drücken. Und bis dahin freuen wir uns über alle starken, kreativen und inspirierenden Projekten in Anlehnung von Über den Tellerrand, Social Bee und Co., die unsere Herzensstadt immer noch bunter, lebens- und liebenswerter machen. 

Bilder von G. Osselmann.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Stefanie Manna

Halb sizilianisch – halb bayerisch: Bei dieser Kombo kann ja nur was Verrücktes rauskommen! Wenn Steffi nicht gerade lacht oder isst, redet sie. Oder macht sich auf die Suche nach neuen Abenteuern. Frei nach Pippi Langstrumpf "Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.“ ist Steffi am liebsten mit dem Rucksack auf Reisen. Kommt am Ende aber immer gerne zurück in die Stadt für die ihr Herz schlägt: nach München.