Locals empfehlen #1

Locals empfehlen #1Im Itxaso fühlen sich Münchens Spanier zuhause

Liebe geht durch den Magen - das sagt man ja immer. Weil es irgendwie einfach stimmt. Und wo fühlt man sich am meisten geliebt? Genau: Zuhause. Darum erinnern wir uns wohl auch besonders gut an unsere Heimat, wenn wir Geschmäcker und Gerüche erleben, die wir mit selbiger verbinden. So geht es auch Jamie Johnston und Javier Alvarez. Vor sieben Jahren ist das Paar aus Spanien nach München gezogen. Und mussten auf der Suche nach authentischer spanischer Küche erst einiges an Enttäuschungen erleben. Bis sie das Itxaso in der Pestalozzistraße ansteuerten.

„Ich kann mich noch gut an eine meiner ersten Paellas hier in München erinnern“, erzählt Jamie. „Da waren Gewürze drin, die kennt man in Spanien gar nicht! Und viel zu viele Toppings.“ Alles andere als authentisch. Dabei ist Essen und Genießen für die Spanier doch so wichtig! „Wann immer du in meiner Heimat Freunde triffst, zu jedem Anlass - es geht nicht ohne Essen und einen guten Wein“, lacht Javier, der in Madrid geboren und aufgewachsen ist. Seine Frau Jamie kommt ursprünglich aus New York, hat aber viele Jahre mit ihrem Mann in seinem Heimatland gelebt. Gott sei Dank sind die beiden nicht die einzigen Expats mit spanischen Wurzeln in München - und so hörten sie bald von einem kleinen, aber feinen Lokal im Glockenbach, das gute und vor allem echte spanische Leckereien auftischen soll.

„Als wir reinkamen und die Pintxos auf dem Tresen sahen, haben wir uns sehr gefreut. Genau die haben wir nämlich so vermisst“, sagt Jamie. Pintxos - das sind kleine Brotscheiben mit ganz verschiedenem Belag. Iberico Schinken, Sardellen und vieles mehr. Hauptsache ordentlich herzhaft. Und klein, sodass man sie mit der Hand essen kann. In Spanien hat der Begriff „Bar-Hopping“ nämlich eine kulinarische Seite. „Wenn man sich mit Freunden trifft, zieht man von Tapas-Bar zu Tapas-Bar. Aber wir Spanier trinken nicht nur, wir essen auch in jeder Bar ein, zwei Pintxos“, erklärt Javier. In München ist die Tapas-Bar-Dichte nicht so hoch. Darum beschränken sich die beiden wenn es um die geliebten Kannapés geht auf das Itxaso. Ihr Lieblingsplatz sei an der Bar, sagt Javier „Da stehen wir Spanier eigentlich immer am liebsten.“

Typische Gerichte Nordspaniens zuzubereiten, das hat sich das Itxaso auf die Fahne geschrieben. Und die hohe Besucherzahl an Locals zeigt, dass die Küche diese Mission authentisch umsetzt. Neben den Pintxos stehen natürlich auch Tapas auf der Speisekarte. Die ist zwar - wie das Lokal - eher klein, aber das spricht ja sehr für die Qualität. Finden auch Jamie und Javier. „Man merkt, das die Zutaten wirklich gut sind. Der Jamon Iberico zum Beispiel. In vielen Restaurants bekommt man mindere Qualität“, sagt Jamie. „Der Schinken ist nur dann wirklich gut, wenn er dir auf der Zunge zergeht, wie Butter.“

Tortilla de patatas - Kartoffeltortillas, gebratene Jakobsmuscheln, Gambers in Knoblauchöl, Oktopus auf galizische Art aber ganz neu interpretiert, dann das versteckte Filet vom Iberico Schwein auf lauwarmerm Paprikagemüse - alle Speisen, die wir an diesem Abend auf den Tisch bekommen, sind lecker. Und tatsächlich auch so, wie Jamie und Javier sie von Zuhause kennen. „Tortilla de patatas isst man bei uns wie bei euch das Butterbrot - man nimmt es sogar zur Arbeit mit für die Mittagspause“, erzählt Javier. Zum Nachtisch gibt es Torrijas - eine Art spanischer "Armer Ritter" mit Mandeln, Cashew-Kernen und einem locker-leichten Ziegenkäseschaum. Auch das kennt Javier schon seit der Kindheit: „Bei uns gibt es Torrijas immer zu Ostern. Lecker!“

Was die beiden am Itxaso besonders zu schätzen wissen: die Karte variiert, je nach Marktangebot. So ist immer alles frisch. Nur an eine Sache muss sich das aus Spanien zugezogene Paar noch gewöhnen: „Ihr Deutschen esst einfach immer so früh, in Spanien kann es schon einmal 22 Uhr werden, bis wir überhaupt loslegen“, sagt Javier und lacht. Dafür wird das spanische Abendessen in der Regel auch eher zum Nachtschmaus. Und je später der Abend, desto geselliger die Runde. „Wenn du ein Restaurant betrittst, weißt die eigentlich nie, wann du es wieder verlassen wirst.“ Und nach dem Abend mit den beiden im Itxaso können wir das verstehen. Die spanische Lebensfreude ist echt verdammt ansteckend... Umso mehr, wenn sie von guter, authentischer Landesküche begleitet wird.

Mini Checkliste

  • Wo hinsetzen?

    Drinnen ist es klein und gemütlich, draußen luftig und ebenso lecker. An der Bar schmecken Wein und Tapas auch im Stehen.

  • Was kostet's?

    Pro Pintxo 3 Euro, Tapas gibt's ab 4,50 Euro und Nachtisch für 6,50 Euro.

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Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.