Aus der Stadt, rauf auf den Gipfel!

Aus der Stadt, rauf auf den Gipfel!Bergtour Heimgarten und Herzogstand

Mal wieder richtig gestresst? Die letzten Tage und Wochen zu viel Stadtluft geschnuppert, dich durch den Verkehr gewühlt, an roten Ampeln geärgert? Und hat dich dieses verdammte Büro dann doch mal endlich ausgespuckt und aus dem Hamsterrad entlassen? Dann kennen wir uns. Höchste Zeit für die Berge!

Höchste Zeit, dem Moloch Münchens den Rücken zu kehren und mir die Welt von oben anzuschauen. Über den Wolken, über dem Lärm, über der Stadt und vor allem über dem Stress, dem man allzu oft einen Namen gibt. Warum das Kind also nicht auch mal „Feierabend“ nennen? Ab ins Auto, rauf auf die A95, noch weiter in den Süden. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Fuß des Kesselbergs erreicht, von hier schlängelt sich die Straße steil bergan. Erste Blicke hinunter auf den Walchensee lassen Weite erahnen. Noch gute zehn Minuten, dann stelle ich das Auto an der Talstation der Herzogstand-Bahn ab. Langsam wir der Atem ruhiger.

Wenn ich wollte, könnte ich mich jetzt gleich in die Gondel setzen und wäre in einer Viertelstunde an der Bergstation, kurz vor dem Gipfel des Herzogstand. Aber ich habe anderes vor, Höheres wenn man so will, ich verzehre mich nach Bewegung. Ich halte mich ein bisschen weiter links und stapfe gemütlich den Berg hinauf. Gemütlichkeit, wie habe ich Dich vermisst!

Hinter dem Parkplatz folge ich einem Bachlauf. Die Straße wandelt sich irgendwann zum Forstweg und dieser zum Steig. Richtig steil ist es aber nie, so kann ich beschwingt vor mich hin gehen. Mit jedem Meter Höhe wird das Stadtrauschen ein wenig leiser, der Weg einfach herrlich zu gehen und die Aussicht lädt immer wieder zum Verweilen ein. Wie so oft, ist auch das ganze Leben, jetzt in diesem Moment, einfach das: eine Einladung.

Nach anderthalb Stunden bin ich an der ersten Sattelstelle und mein erstes Etappenziel ist endlich in Sicht – der Gipfel des Heimgarten. Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch bin ich oben! Oben und einfach über allem, und die Aussicht? Einfach gigantisch. Zum Süden hin reiht sich Berg an Berg, die schneebedeckten Ketten der österreichischen 3000er grüßen. Wenn sie könnten sogar mit Hut, so stolz scheinen sie zu sein und ich dankbar sie zu kennen. Nach Norden hin wird das Land flacher, das wunderschön grüne Pfaffenwinkel und das Fünf-Seen-Land breiten sich vor mir aus. Die einst von Gletscherzungen ausgefressenen Ammersee und Starnberger See sind gut zu erkennen, dahinter, ein wenig östlich, lässt sich anhand einer schon fast verschwundenen Dunstglocke München ausmachen. München, mein Gott: meine Heimat, aber im Moment: erfrischend weit weg.

Nach angemessener Ruhezeit am Gipfel macht sich der Bewegungsdrang wieder bemerkbar und ich folge ihm Richtung Herzogstand. Die nächsten Kilometer sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Gratwanderung, zu beiden Seiten geht es steil bergab. Doch der Steig ist an den meisten Stellen gut gesichert - wobei – schwindelfrei sollte man schon sein. Dafür wird man hinter jeder Ecke mit neuen, spektakulären Aussichten belohnt. Zur Rechten tauchen immer wieder andere Bergspitzen auf, zur Linken offenbaren sich Ausblicke auf Riegsee, Staffelsee, Kochelsee und das hügelige Alpenvorland.

Nach ein Bisschen mehr als einer Stunde habe ich mein nächstes Ziel erreicht, den Herzogstand. Ein paar hundert Meter unter mir befinden sich die Bergstation der Seilbahn und dieses kleine feine Gasthaus. Dort einkehren? Unbedingt! Ich bin voller Bewunderung für die Farbe des Walchensees, der sich tief unter mir in einem unergründbaren Smaragdgrün sanft zwischen den bewaldeten Bergrücken ausbreitet.

Am Berggasthaus Herzogstand gibt's Kaiserschmarrn und Radler, ganz einfach und ohne Schnörkel. Bua, was kann's besseres geben?! Erst recht, wenn’s darum geht den Abend abzurunden. Danach geht es eh nur noch bergab. Meist steil, am Anfang noch über Felsen, dann nach und nach über federnden Waldboden. Genau hier lasse ich der Schwerkraft des gefüllten Magens freien Lauf und mich zu Tal tragen. Gemütlich versteht sich. Unten angekommen stürze ich mich noch in die erfrischenden Fluten des Walchensees und spüle mir den Schweiß von den Knochen. Und in der Tat, das letzte Bisschen Frust und Stress von der Seele.

Ob ich schon wieder bereit bin für die kleine große Stadt, die doch tief in meinem Herzen wohnt, weiß ich noch nicht. Noch herrscht Wochenende und vor meinen Zehen breitet sich viel türkis-grünes Wasser aus.

Ihr wollt die Tour nachlaufen?

Detaillierte Infos und Karten gibt's hier.

Pics by Frank Achim Schmidt.

Frank Achim Schmidt

Achim, Querdenker und vormals Taxilenker, ist südlich von München groß geworden. Im Grunde in Indien sozialisiert und im Herzen immer noch Weltreisender, durchkämmt er mit seiner Kamera die bajuwarische Landeshauptstadt, auf der Suche nach spannenden Geschichten und Aussichten.