Aus dem Leben eines Münchner Singles Vol.2

Aus dem Leben eines Münchner Singles Vol.2Oder: männlich, ledig, sucht…

Max, 32 Jahre alt, Münchner und – wie kann es anders sein – Single. Ich hab mich gefragt, wie geht es den Jungs eigentlich so mit dem Singledasein? Das Klischee, dass die Mädchen Nähe suchen und die Jungs gerne frei sein wollen, sitzt irgendwo in mir drin. Es ist recht hartnäckig, auch wenn ich mich eigentlich für recht aufgeklärt halte. Also hab ich einfach mal nachgefragt bei ein paar männlichen Singles wie Max: wie sieht’s aus in den Herzen der Jungs?

Und siehe da, ich war doch ganz schön überrascht, was ich so herausgefunden habe. Klar gibt es die, die „einfach nur ein bisschen rumkommen wollen“ wie Max das nennt. Wie alle hat er sich irgendwann mal auf Tinder angemeldet. Max ist kein Vollbart-Hipster und - auch bei Jungs gilt - selbst wenn man normal gut aussieht, reicht das nicht unbedingt, um Erfolg zu haben. Ich finde ihn eigentlich ganz süß, aber fotogen ist er nicht.

Irgendwann hat er nur noch nach rechts gewischt, einfach um mal mehr Matches zu generieren. Er hat mir verraten, dass er mit dieser Technik nicht allein unterwegs ist. Es ist einfach Pragmatismus, der ihn dazu gebracht hat sich „mehr Möglichkeiten zu erarbeiten“, wie er das nennt. Eigentlich ist er nicht der Typ, der solche Aktionen bringt, was ist also passiert?

Ich glaube die Umgebung und damit auch Dating Apps beeinflussen, wie man sich verhält. Und so hat die "Wisch-und-weg-App nicht die besten Seiten von Max hervorgeholt. Das ist ihm zum Glück auch aufgefallen: „Ich suche jetzt etwas Ernsthaftes“... und er erzählt mir von Nähe, einem Partner, der verlässlich ist und wirklich zu ihm passt. Von dem Wunsch nach echter Liebe. „Dass das nicht die Kernkompetenz von Tinder ist, ist mir klar, darum habe ich etwas gesucht, wo es mehr um die Person geht.“

Erstaunlich oft habe ich bei meiner Recherche gehört, dass die Jungs ganz „normale“ Wünsche haben: eine Beziehung, in der man zusammenlebt, nicht nur Outdoor, Sport und Party, sondern gerne gemütlich zusammen kochen und mit einem Menschen abhängen, von dem man verstanden wird. – Und wo bitte ist da das Problem? Die Mädels, mit denen ich gesprochen habe, suchen schließlich dasselbe! Warum ist es trotzdem für alle so schwer, zueinander zu finden?

#spreadinglove

Jungs (und klar, natürlich auch Mädels!) mal ganz anders, jenseits von Selfie, Sixpack und Sonnenbrille – ganz ehrlich auf liebertext.de

Vielleicht sind Tinder und Co. eben nicht die Plattformen, wo die wahren Wünsche offenbart werden. Vielleicht passt man sich in diesem Markt einfach den anderen Angeboten an. Dabei ist ja gerade hervorstechen aus der Flut eigentlich von Vorteil…

Was mir noch aufgefallen ist im Gespräch mit den Single-Jungs: Politik ist ihnen wichtig, sich darüber zu unterhalten oder auch die Einstellung des Partners. Außerdem verwenden sie recht oft das Wort Familie. Das findest Du normal? Irrtum, die Mädels machen einen riesen Bogen um diese Themen. Ich verstehe das, als Frau darfst Du auf keinen Fall den Eindruck erwecken, du wolltest gleich Kinder, das ist ja die totale Spaßbremse. Auch hier bin ich wieder in die Klischeefalle getappt. Max meint: „Wenn man Kinder kriegen will, sollte man das auch sagen, dann fallen die, für die das nicht passt, eben gleich weg.“ Klingt logisch und Max - ganz der kühle Rechner - hat da wohl auch Recht.

Wenn wir uns alle genauer überlegen, was wir uns eigentlich wünschen, kann das „schwierig aber echt interessant“ werden, die Vorauswahl sinnig einschränken und uns Sicherheit geben. Abgesehen davon, dass es letztendlich auf dem Weg zum Glück nur einen Weg geben kann: den eigenen.

Angelika Ziebart

Angie ist eine waschechte Münchnerin, hier geboren und im schönen Umland groß geworden. Eine Weile kehrte sie der Isarmetropole den Rücken, um dann wieder zurückzukehren. Mit einer Mission: #spreadinglove in München mit liebertext.de. Mit Mann und Freundin arbeitet sie am Start-Up, das abseits der fotogeshoppten Profilbilder wieder Persönlichkeit ins Onlinedating bringen will.