After the Fact

After the FactPropaganda in all ihren Facetten

Bei "Propaganda" denkt unsere Generation der Digital Natives gleich meist nur an DAS EINE bitter-böse, dunkle Kapitel unserer Geschichte mit wehenden Hakenkreuzfahnen. Doch hinter dem Begriff Propaganda steckt viel mehr als die Nazis. In vielen Sprachen bedeutet es einfach nur Werbung. Es geht um Kommunikation und das Verstärken einer allgemeinen Meinung. Spätestens seit USA-Verschwörungstheorien, "Fake-News" und "alternativen Fakten" sollte uns allen klar sein, das Propaganda - ob negativ oder positiv - allgegenwärtig ist. Das Lenbachhaus zeigt im Kunstbau bis Mitte September die Ausstellung "After the Fact" und möchte genau diesen negativ behafteten Irrglauben der durch und durch "bösen" Propaganda neu betrachten und damit aufräumen.

Knapp 30 Künstler haben sich dem Thema gewidmet und mal abstrakt - mal explizit, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, politischer und medialer Entwicklungen des 21. Jahrhunderts, eindrucksvoll ihre Werke demonstriert. So paaren sich echte Schnappschüsse von Afghanistan-Soldaten (zum Beispiel pinke, verstaubte "Miami Vice-Ferraris“, die in vom Krieg gezeichneten Garagen stehen) mit einem aktuellem Werbeplakat der Sandwichbuden von "Subway", auf dem die Mitarbeiter, die dort am untersten Ende der Nahrungskette stehen, fälschlicherweise rühmend als "Sandwich-Artists" bezeichnet werden.

Auch dass sich das militärische Flecktarnmuster klammheimlich in die Designs sämtlicher Spielzeuge und Kleidungsstücke unser heutigen Zeit geschlichen hat, und damit zunehmend im Unterbewusstsein als "normal" abgespeichert wird, demonstriert der Münchener Wolfram Kastner in seiner plakativen "Military"-Version eines Wohnzimmers im Tarnmuster-Look. Die heißt im Übrigen ganz (un-)passend "Schöner wohnen" - höhö.

Die beste Propaganda erscheint im Gewand der Entertainments.

N.J. O'Shaughnessy

Skurril wird’s spätestens, wenn man die Installationen von Nancy Spero im hinteren Teil der Ausstellung erreicht. Im Halbkreis starren dort Tonfiguren wie gebannt, tapfer auf den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Im ewigen Loop. Musikalisch untermalt wird die Szene von einem Medley aus Celine Dions "A New Day Has Come" und sowjetischer Volkmusik. Klingt crazy? Ist es auch! Aber mit einem gewissen Schmunzelfaktor on Top. Das Spektakel solltet ihr nicht verpassen! Wer's mit eigenen Augen sehen möchte, kann das bis Mitte September jeden Tag - auch an Sonn- und Feiertagen - von 10 bis 18 Uhr. Tickets gibt's für'n Zehner, oder ermäßigt für schmale fünf Euro. Die Geschwisterchen einpacken - unter 18 ist der Eintritt frei.

Chance auf freien Eintritt...

... gibt's vom 19. bis 23. Juni. Dann ist das Lenbachhaus wegen Wartungsarbeiten zwar geschlossen, die Ausstellung kann aber besucht werden. Umsonst.

Miles Köhler

Miles - mit dem Herz auf der Zunge und dem Bass im Ohr, tanzt sich unser ehemaliges Hauptstadtkind munter durch Münchens Elektroclubs. Von Kopf bis Fuß in schwarz - aber mit 'ner großen Portion Konfetti, bitte! Auf der Suche nach dem kleinen Hauch Berliner Luft im Augustinerland und dem Tofu-Steak im Weißwurst-Heaven.